Neustadt
Weingut Stolleis ist „Entdeckung des Jahres“
Im Sommer 2021 hat Hans-Christoph Stolleis die Leitung des Weinguts Peter Stolleis in der Kurpfalzstraße übernommen. Seither prägt er die Entwicklung des Betriebs mit seiner Handschrift. Auszeichnungen bei Wettbewerben wie im Vorjahr mit dem ersten und dritten Platz bei „Best of Riesling“ sind Beleg, dass er dabei vieles richtig macht. Er hat zudem konsequent auf Bioanbau umgestellt und mehrfach den Sprung in den Kreis der „Jungen Pfalz“ geschafft – zählt also zu den besten Jungwinzern der Pfalz.
Mitte Dezember freute sich der 32-Jährige dann ganz besonders: Da flatterte die Nachricht ins Haus, dass das Hamburger Gourmet-Magazin „Der Feinschmecker“ das Neustadter Weingut zur „Entdeckung des Jahres 2026“ gekürt hat. „Vom Easy-Drinking-Riesling bis zum pointierten Lagen-Charakter ist jeder der biozertifizierten Weine auf den Punkt“, heißt es von der Jury des Magazins. Stolleis wird also besonders hervorgehoben und ist in den Kreis der 500 besten Weingüter Deutschlands gewählt worden. „Mit dem Team haben wir dann erst einmal mit einem Glas Sekt angestoßen“, erinnert sich Stolleis. Er freue sich über jede Auszeichnung und halte solche Prämierungen auch mit Blick auf die Vermarkung der Weine für sehr wichtig. „Aber ,Feinschmecker’ war schon besonders. Das ist mit dem Thema Genuss eine andere Zielgruppe, da geht es nicht nur um Wein“, so Stolleis.
Messe in Shanghai
Beim „Feinschmecker“-Wettbewerb habe er erstmals teilgenommen. Dass er im Kreis von tausenden eingereichten Weinen am Ende so hervorgehoben werde, sei etwas Besonderes. „Wir haben Glückwünsche von Kunden bekommen, die ,Feinschmecker’ lesen. Und wir haben direkt nach Veröffentlichung der Auszeichnung Bestellungen aus ganz Deutschland bekommen. Die Absender haben alle auf ,Feinschmecker’ verwiesen“, sagt Stolleis. Gerade angesichts der aktuellen Lage in der Weinbranche mit sinkendem Absatz und wachsender Unsicherheit dürften sich die Betriebe aber nicht ausruhen und nur auf Zuspruch von Kunden hoffen. „Man muss schon selbst trommeln“, betont er. Er weise Kunden sowie Gastronomen, Händler und Importeure in Newslettern explizit auf Erfolge und Auszeichnungen hin.
Die Hälfte seines Geschäfts laufe über Privatkunden. „Das ist 2025 sogar leicht gestiegen, gegen den Trend in der Branche.“ Darüber hinaus setzt Stolleis immer mehr auf das Thema Export. Im Herbst war er erstmals auf einer Messe in Shanghai und bei einer Wirtschaftsreise in Südkorea. Sein Vater habe früher nach Japan exportiert. Diese Kontakte würden weitergepflegt und weiter ausgebaut. Daher möchte Hans-Christoph Stolleis in ein paar Wochen auch zum ersten Mal auf einer großen Weinmesse in Paris vertreten sein. Die Auszeichnungen helfen ihm, international Fuß zu fassen: „Nach ,Best of Riesling’ haben sich Händler aus den Niederlanden und Dänemark gemeldet.“
Spätburgunder für Kanada
Seiner Meinung nach ist es wichtig, sich als Pfälzer Betrieb so breit aufzustellen. Zumal international und gerade auch in Asien die Nachfrage nach frischen Weißweinen mit moderatem Alkoholgehalt sehr hoch sei. „Und diese Weine sind eine Stärke von uns in der Pfalz.“ Doch er beobachtet die Welt auch selbst und reagiert darauf. Als US-Präsident Trump vor einem Jahr Strafzölle gegen Kanada verhängt habe, hätten die Kanadier US-Weine aus den Regalen verbannt. „Die trinken vor allem Spätburgunder aus Kalifornien. Und gute Spätburgunder haben wir auch.“ Stolleis nahm Kontakt zu einem Importeur auf, konnte ihn überzeugen, und vor wenigen Tagen machte sich erstmals ein Container mit Stolleis-Spätburgunder-Flaschen auf den Weg nach Kanada.
Südamerikaner mögen Riesling
Er setze im Anbau auf seinen 24 Hektar vor allem auf Riesling (60 Prozent) und Spätburgunder (20 Prozent). Stolleis hält ein klares Profil für unverzichtbar. Je weiter weg man vom Privatverbraucher sei, desto mehr würden Spezialisten gesucht. Stolleis nennt ein Beispiel dafür: „Ein Lokal in Hamburg fragt seine Händler nach Riesling und nicht, dass es von Weingut x alles haben will. Denn die anderen Weine passen vielleicht gar nicht zum Konzept des Restaurants.“ Auch er „macht sich Gedanken“ zur Lage im Weinbau. Aber man dürfe davor nicht zurückschrecken und sich immer wieder neu orientieren.
Die Betriebsabläufe würden so umgestellt, dass er mit Blick auf die Exportbemühungen die Zeit habe, um Messen zu besuchen. „Das kann ich nur, weil ich weiß, dass das Team hier alles im Griff hat.“ Auch in Südamerika hat sich Stolleis vergangenes Jahr umgesehen. „Die Kunden dort sind gerade auf unseren Riesling sehr neugierig“, sagt Stolleis. Daher sei das Mercosur-Handelsabkommen so wichtig. Die international gefragten Rieslinge und Weißweine mit moderatem Alkoholgehalt bekomme er durch eine frühere Lese und einen geringeren Ertrag, „dann gibt’s auch eine schöne Dichte und Geschmack“.
Als Neustadter nimmt Stolleis zudem auch die Landesgartenschau in den Blick. Er hoffe auf einen guten Tourismuseffekt durch das Großereignis. „Davon wollen wir auch was abgreifen.“ Stolleis hat Ideen, wie man dort Weine präsentieren und Besucher so für Neustadter Tropfen begeistern könne. Die wird er sicher umsetzen, auch wenn die Veranstaltung erst 2028 über die Bühne geht.

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