Kreis Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Winzer im „Dry January“: Ein Blick hinter die Kulissen des Trends

Sind von ihren entalkoholisierten Weinen überzeugt: Oliver Huxel, Geschäftsführer der Kallstadter Winzergenossenschaft, und Kell
Sind von ihren entalkoholisierten Weinen überzeugt: Oliver Huxel, Geschäftsführer der Kallstadter Winzergenossenschaft, und Kellermeister Joachim Janß-Schaad (rechts).

Auf Festen beliebt, im Alltag im Kommen: Pfälzer Weine ohne Promille finden ihr Publikum. Doch der Januar bleibt für Winzer und Genossenschaften schwierig.

TV-Moderator Joko Winterscheidt macht mit, Schauspieler Matthias Schweighöfer sowieso und Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts auch, wenn ihr nicht gerade in Bad Dürkheim der Goldene Winzer verliehen wird: die Rede ist vom „Dry January“, einer vor allem auf Instagram oder Facebook propagierten Gesundheitskampagne, die dazu aufruft, im Januar auf Alkohol zu verzichten.

Doch welche Auswirkungen hat das auf hiesige Winzer? „Ganz ehrliche Antwort: Der Januar läuft bei Winzern und Genossenschaften schon immer schleppend. Ich würde das nicht auf den ,Dry January’ schieben“, sagt Oliver Huxel, Geschäftsführer der Kallstadter Winzergenossenschaft. Vielmehr seien die Weinkeller der Kunden nach den Weihnachtstagen in der Regel noch gut gefüllt, außerdem sei der Januar noch der Monat der guten Vorsätze. Medial werde das Bewusstsein dafür durch Kampagnen wie den „Dry January“ nur verstärkt.

Gesundheitsbewusstsein im Wandel

Huxel wirbt dafür, hinter die Kulissen des Trends zu schauen: Die junge Generation, die in sozialen Netzwerken unterwegs ist, habe ein anderes Gesundheitsbewusstsein: „Das betrifft Sport, aber auch Ernährung“, sagt Huxel. Wie viele andere Winzer und Genossenschaften haben die Kallstadter darauf reagiert und entalkoholisierte Weine ins Sortiment genommen. Zusätzlich zu dem Traubensecco sind das drei Rebsorten, die zu den Klassikern in der Pfalz gehören: Riesling, Weißburgunder und Spätburgunder. Seit März sind die Weine auf dem Markt. Mit dem Absatz sei er zufrieden, am besten verkaufe sich bislang der Spätburgunder, sagt Huxel: „Interesse und Akzeptanz wachsen stetig.“ Das gelte unabhängig vom „Dry January“. Seine Genossenschaft werde auf diesen Trend reagieren und falls nötig weitere entalkoholisierte Produkte anbieten. Wichtig ist Huxel, dass entalkoholisierte Weine nicht mit alkoholhaltigen Weinen vergleichbar sind: „Für mich ist das eine eigene Produktkategorie.“ Persönlich macht er nicht mit beim „Dry January“: „Wein ist für mich immer eine Frage des gesunden Maßes.“

Fangemeinde auf Weinfesten

Das sieht auch Philipp Seeger vom Bad Dürkheimer Weingut S.O.P.S./Dambach so. Seit zwei Jahren bietet der Betrieb entalkoholisierten Riesling an. „Wir sind mit dem Absatz zufrieden. Die Tendenz ist steigend“, sagt Seeger. Die 1200 Flaschen, die das Weingut im vergangenen Jahr abgefüllt hat, sind bereits verkauft. „Aber auch wir merken den Januar“, sagt Seeger. Von der Krise im Weinbau ist der Betrieb, der mittlerweile knapp zehn Hektar bewirtschaftet, nicht ganz so stark betroffen wie andere. Die Umsätze mit Handel und Gastronomie seien rückläufig, dafür kauften Privatkunden eher im gehobenen Segment ein. Unter dem Strich sei der Umsatz stabil – auch dank der alkoholfreien Weine. „Wir werden das auch weiterhin machen“, kündigt Seeger an. Gerade im Sommer als Schorle auf dem Grottenfest und auf dem Wurstmarkt habe sich der „No alk“ eine feste Fangemeinde aufgebaut – auch außerhalb des „Dry January“.

Johannes Hofmann vom Dürkheimer Weingut Raßkopf-Hofmann bestätigt, dass gerade bei Festen der Absatz an alkoholfreien Weinen steigt. „Dann meist als Schorle, wenn vor allem den jungen Besuchern die Traubensaftschorle zu süß wird.“ Insofern trage der „Dry January“ nichts dazu bei, dass die Kunden gerade jetzt mehr zu alkoholfreien Weinen greifen. Der Absatz sei eigentlich stetig das ganze Jahr über gut, betont Hofmann.

Pionier aus Bad Dürkheim

Dies habe auch damit zu tun, dass in seinem Weingut die alkoholfreie Sparte bereits seit 34 Jahren etabliert sei. Vater Wolfgang Hofmann habe damit angefangen, als die alkoholfreien Biere immer mehr in Mode kamen. „Wir waren in Bad Dürkheim die ersten, die alkoholfreien Wein im Angebot hatten“, betont Hofmann. Da wundert es nicht, dass sein Weingut 2023 zum ersten Mal auf dem Wurstmarkt alkoholfreien Riesling ausschenken durfte. Dies habe auch dem Verkauf in seinem Weingut einen richtigen Schub gegeben. Der Riesling kompensiere durch seine Säure und seinen mineralischen Charakter den fehlenden Alkohol. „Dadurch schmeckt er spritzig-erfrischend“, so Hofmann. Er selbst greife gerne auf eine alkoholfreie Rieslingschorle in der Fastenzeit vor Ostern zurück, erzählt der 39-Jährige. Das Weingut hat aber auch einen alkoholfreien Dornfelder und einen Rosé aus Spätburgunder und St. Laurent im Angebot. Vieles davon verschicke er deutschlandweit. Auf über zehn Prozent beziffert Hofmann den Anteil am Umsatz mit alkoholfreien Weinen.

Generation Z im Blick

Jan Eymael ist überzeugt: „Der klassische Weintrinker wird kein überzeugter Anhänger von alkoholfreien Weinen.“ Angesprochen fühle sich davon ein meist jüngeres Publikum aus der Generation Z, deren Trinkverhalten ein ganz anderes sei. Entsprechend vermarktet der Dürkheimer VDP-Winzer seinen alkoholfreien Sauvignon Blanc auch eher als Lifestyle-Produkt, wenn auf dem Etikett die Rede von „Chill with Bill“ die Rede ist. Damit wolle man bewusst einen leichten Genuss vermitteln, erläutert Eymael.

1000 Flaschen alkoholfreien Sauvignon Blanc habe er im März 2025 von einem Lohnunternehmer per Vakuumdestillation herstellen lassen. Die Charge sei bald verkauft, jedoch sei der Absatz jetzt im Januar wegen des „Dry January“ nicht angestiegen. Zuvor setzte Eymael auf einen Chardonnay im Holzfass. Wegen der typischen Sauvignon-Aromen, die auch trotz der Entalkoholisierung zu riechen und zu schmecken seien, werde er an dieser Rebsorte bei der kommenden Ernte festhalten. Der Absatz an alkoholfreien Weinen mache bei ihm aber „nicht einmal ein Prozent“ aus.

Das Produkt sei auch nicht einfach zu kalkulieren. Bereits der gute Grundwein koste acht Euro, wenn man ihn noch entalkoholisiere, koste er am Ende zwischen zwölf und 13 Euro für die Dreiviertel-Liter-Flasche. „Und dabei meinen die Kunden, dass er doch eigentlich weniger kosten müsse, weil etwas fehlt. Leider ist das Gegenteil der Fall“, meint Eymael. Jedoch habe er in den vergangenen Jahren gemerkt, dass gerade die alkoholfreie Schorle auf den Hoffesten ein großes Thema geworden sei. Dies bedeute aber nicht, dass er sich in dieser Sparte noch weiter hervortun wolle: „Ich bin happy damit, so wie es ist.“

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