Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Weingut Stolleis: Jetzt übernimmt die zwölfte Generation

Sind stolz auf die jüngste Auszeichnung: Peter und Hans-Christoph Stolleis.
Sind stolz auf die jüngste Auszeichnung: Peter und Hans-Christoph Stolleis.

Wechsel im Weingut Peter Stolleis: Mit Hans-Christoph Stolleis hat dort zum 1. Juli die zwölfte Generation das Kommando übernommen. Der Junior führt sich mit einem dritten Platz beim Wettbewerb „Best of Riesling“ ein. Warum der 28-Jährige nun ein Biosiegel anstrebt.

42 Jahre lang hat Peter Stolleis die Geschicke des Weinguts Peter Stolleis gelenkt. Jetzt tritt er in die zweite Reihe, und Sohn Hans-Christoph übernimmt. „Für mich wird ein Traum Realität, dass ich in der Familie einen Nachfolger gefunden habe“, freut sich der 70-Jährige. Er wird sich weiter einbringen im Familienbetrieb, aber der 28-Jährige rückt in die erste Reihe und soll den Betrieb künftig lenken. Damit wird eine lange Tradition fortgeführt, denn die Familie ist seit 1668 im Weinbau tätig.

Der Name des Weinguts wird auch nicht geändert, denn den Namen Peter Stolleis gibt es schon seit ein paar Generationen und nicht erst seit seinem Vater, sagt Sohn Hans-Christoph. Dabei hat sich der Junior prima eingefügt mit seinem Premierenjahrgang 2020: Es gab einen dritten Platz beim Wettbewerb „Best of Riesling“ in der Kategorie Lagenrieslinge. Das ist für das Weingut insofern wichtig, da es auf 60 Prozent seiner 21 Hektar großen Fläche diese Rebsorte anbaut. „Riesling ist unser Herzstück“, betont Hans-Christoph Stolleis.

80 Prozent Handlese

Sein Werdegang ist dem des Vaters sehr ähnlich: Beide haben Betriebswirtschaftslehre in Göttingen und danach noch Weinbau studiert. Der 28-Jährige war zudem bei verschiedenen Weingütern im In- und Ausland und ist vor einem Jahr wieder im heimischen Weingut angekommen. Sehr zur Freude des Vaters. Man könne sich hier auf ein starkes Team verlassen, zu dem auch Kellermeister Florian Haas und Außenbetriebsleiter Markus Weidmann gehören: „Wir sind alle heiß auf guten Wein“, sagt Peter Stolleis.

Dafür wird ein großer Aufwand betrieben: Bisher lief der Betrieb bereits naturnah. Nun will Hans-Christoph Stolleis den nächsten Schritt gehen und die Biozertifizierung bekommen. Drei Jahre dauert die Umstellung. Im Arbeitsalltag müsse man eigentlich wenig ändern, „aber das wird nachgefragt, der Konsument ist kritisch und legt großen Wert auf die Art des Anbaus und die Regionalität“, begründet der 28-Jährige den Schritt in Richtung Zertifizierung.

Um im Weinberg eine möglichst hohe Qualität zu erzielen, findet die Lese in den Lagen in Mußbach, Gimmeldingen, Haardt, Ruppertsberg und Königsbach zu 80 Prozent per Hand statt. 25 Mitarbeiter seien dafür im Herbst in der Regel im Einsatz. „Uns geht es damit um die letzten Paar Prozent Qualität und Selektion“, so Hans-Christoph Stolleis. Die Weine sollen „schlank und filigran“ sein, der Alkoholgehalt eher nicht so hoch.

Mußbach und Gimmeldingen

Kurios ist die Adresse des traditionsreichen Weinguts: Kurpfalzstraße Mußbach-Gimmeldingen. Sein Vater habe vor 110 Jahren das heutige Anwesen erworben, sagt Peter Stolleis. Und dieses liege in Mußbach. Aber der Ursprung des Betriebs war auf der gegenüberliegenden Straßenseite – und damit in Gimmeldingen. „Die Grenze verläuft direkt auf der Straße. Wir wollten beide Aspekte abdecken und schreiben daher Mußbach-Gimmeldingen.“

Mit der Entwicklung des 2021er-Jahrgangs ist Hans-Christoph Stolleis zufrieden. Das wechselhafte Wetter sei zwar eine Herausforderung, aber er sei vor allem froh, dass Neustadt von Unwettern verschont geblieben ist. Die Entwicklung explodiere gerade. „Wir kommen im Weinberg kaum hinterher.“ Stolleis erwartet eine spätere Ernte als in den Vorjahren, wohl erst ab Mitte September. „Es gibt viel zu tun, aber die Zeichen sind gut“, fasst er die aktuelle Situation zusammen. Um die künftige Vermarktung zu verstärken, werde er vermehrt auf die sozialen Medien setzen. Und um dort gut wahrgenommen zu werden, seien wiederum Auszeichnungen wie die bei „Best of Riesling“ sehr wichtig. Die Corona-Einschränkungen hat Familie Stolleis mit vielen Online-Weinproben und entsprechenden Probierpaketen gut gemeistert. Am wichtigsten sei es, Menschen neugierig auf Wein und das Winzerhandwerk zu machen. Daher überlegt Hans-Christoph Stolleis auch, das eigene Hoffest wieder aufleben zu lassen.

Und Vater Peter Stolleis? Ganz zur Ruhe setzen werde er sich nicht, denn in einem Familienbetrieb werde jede helfende Hand gebraucht. Zum Beweis deutet er auf eine Holzbank im Garten: „Mein Geschenk zum 70. Geburtstag, aber ich war noch nicht einmal dort gesessen.“

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