Rhodt
Champagne als Vorbild: Pfälzer Winzerin setzt auf Sekt
Die Krise im Weinbau ist Realität: Sinkender Weinkonsum, volle Keller und steigende Kosten setzen viele Betriebe unter Druck. In der Pfalz wird wie auch in anderen Anbaugebieten intensiv über Perspektiven diskutiert. Im Weingut Krieger in Rhodt ist die Richtung klar: Sekt soll künftig eine größere Rolle spielen. Katharina Krieger hat diese Entscheidung bewusst getroffen. „Sekt geht immer“, sagt sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Dahinter steckt keine Euphorie, sondern Marktbeobachtung. Denn die Südpfälzerin stellt fest: Während Weine an Absatz verlieren, bleibt die Nachfrage nach hochwertigem Sekt stabil.
Alte idee neu gedacht
Durch den elterlichen Betrieb und die lange Weinbauhistorie in ihrer Familie fühlt sich Katharina Krieger schon immer eng mit dem Weinbau verbunden. Das zahlt sich schon seit ein paar Jahren aus, denn die 32-jährige Sektmacherin gehört in der Pfalz zu den erfolgreichsten Jungwinzern und Jungwinzerinnen. Das elterliche Weingut in Rhodt bewirtschaftet konventionell rund 45 Hektar zwischen Frankweiler und Roth, geprägt von Sand-, Schiefer- und Kalksteinböden. Für die Winzerin ist die Herkunft die Leseguts zentral – nicht nur beim Wein, sondern auch beim Sekt sollen Boden und Lage erkennbar bleiben. Die unverkennbare Typizität der südpfälzischen Kulturlandschaft sei einzigartig, sagt sie.
Der Sekt hat im Weingut Fleischmann-Krieger eine gewisse Tradition. Schon Vater Harald Krieger produzierte in den 1980er-Jahren Sekt, stellte die Herstellung Mitte der 1990er-Jahre jedoch ein. Mit Katharina Krieger kehrte der Sekt nun zurück in den Fokus. 2019 startete sie erneut – vorsichtig, in kleinen Mengen. Die Produktion mithilfe der traditionellen Flaschengärung sei sehr zeitintensiv, erklärt sie im Gespräch mit der RHEINPFALZ: „Es ist ein tolles Handwerk“. Vom Lesen der Trauben bis zum Degorgieren (Enthefen) vergehen im Weingut Fleischmann-Krieger rund drei Jahre. Allein die vorgeschriebene Mindestlagerzeit von neun Monaten auf der Hefe, die die traditionelle Flaschengärung erfordert, bindet Kapital und Geduld.
Dass sich dieser Weg lohnt, zeigt eine zuletzt eingeheimste Auszeichnung. Im vergangenen Jahr gewann Katharina Krieger beim Cup der Gourmetwelten mit ihrem Pinot Meunier Rosé-Sekt 2019, der 96 Punkte erhielt, den ersten Platz. 2024 wurde sie beim Burda-Weintest mit einem Chardonnay-Sekt Brut Nature Zweite. Für Katharina Krieger sind die Auszeichnungen weniger Aushängeschild als Bestätigung, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.
Champagne als Vorbild
Frankreich, Champagner, der König der Schaumweine, spielt als Orientierung für Katharina Krieger eine wichtige Rolle. 2023 absolvierte sie ein dreiwöchiges Praktikum bei Tarland, mitten in der Champagne. Diese Zeit habe ihren Zugang zum Thema Sekt und dem damit verbundenen Handwerk vertieft, erklärt sie. Aktuell produziert das Weingut drei Sekte: aus Schwarzriesling, Chardonnay und Riesling. Alle entstehen in traditioneller Flaschengärung. Das Degorgieren erfolge auf einer gemeinsam genutzten Anlage, unter anderem zusammen mit den Weingütern Bernhard Koch und Borell Diehl aus Hainfeld sowie dem Weingut Schreieck aus Maikammer. Diese Kooperation ermögliche ein technisch hohes Niveau ohne alleinige Investitionen. Zugleich entstehe ein Netzwerk, das in unsicheren Zeiten an Bedeutung gewinne.
Familie zieht an einem Strang
Ein weiterer wichtiger Schritt war für Katharina Krieger die Aufnahme in den Verband der traditionellen Sektmacher. Deutschlandweit gehören diesem Zusammenschluss knapp 50 Weingüter aus allen Anbaugebieten an. Für Katharina Krieger zeigt die Aufnahme, dass die Qualität ihrer Produkte stimme.
Das Weingut Fleischmann-Krieger soll in Familienhand bleiben. Auch Bruder Philipp Krieger, 34 Jahre alt, gelernter Weinbautechniker, ist im Weingut eine feste Größe. Mutter Angelika Fleischmann-Krieger ist vor allem im Restaurant tätig, Vater Harald Krieger unterstützt mit Erfahrung und Wissen. In einer Zeit des Umbruchs setzt die Familie nicht auf schnelle Lösungen, sondern auf Zeit, Handwerk und eine klare Entscheidung.
Parallel zur stärkeren Sekt-Ausrichtung wird das Wein-Sortiment überprüft. Aktuell umfasst es 13 bis 14 Rebsorten; diese Vielfalt soll reduziert werden. Statt Breite ist hier mehr Fokus vorgesehen. Der Absatz verteilt sich auf Gastronomie, Fachhandel, Hofverkauf und Onlinehandel. Der Export wachse, besonders in die Niederlande, nach Dänemark, in die Schweiz und nach Polen. Darüber hinaus gewinnen auch Messen wieder an Bedeutung. „Man muss sich der Welt zeigen“, sagt Katharina Krieger. Anfang Februar sei ihr Bruder Philipp in der französischen Hauptstadt auf der internationalen Fachmesse „Wine Paris“ unterwegs, um neue Kontakte zu knüpfen.

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