Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kitas: Warum die Stadt in neue Plätze investiert

Eine gute Betreuung von Kindern sei sehr wichtig, betont die Stadt. Daher investiert sie kräftig.
Eine gute Betreuung von Kindern sei sehr wichtig, betont die Stadt. Daher investiert sie kräftig.

Neustadt kann mittlerweile ausreichend viele Kitaplätze anbieten – zumindest rechnerisch. Dass die Zahlen gut aussehen, ist ein Erfolg. Doch es gibt neue Herausforderungen.

Es wird besser in Neustadt: Das ist eine wichtige Botschaft des Kindertagesstättenbedarfsplans 2025/2026, der vor kurzem im Jugendhilfeausschuss diskutiert worden ist. Zentrale Arbeitsgrundlage dabei: die Geburtenzahlen: Von 2021 bis 2024 verzeichnete die Stadt einen kontinuierlichen Rückgang (558, 489, 428, 408). Das half, um das Defizit bei den Kitaplätzen beseitigen zu können. Ab 2025 soll es wieder mehr kleine Neustadter geben. In diesem Jahr rechnet die Verwaltung mit 481 Neugeborenen, 2026 wird mit 473 kalkuliert. Die Stadt ist dennoch zuversichtlich, auch künftig ein gutes Angebot bei Kitaplätzen machen zu können.

Das ist ein wichtiger Standortfaktor, will sie attraktiv für junge Familien und ansiedlungswillige Unternehmen sein, die ihren Mitarbeitern ein gutes Umfeld bieten wollen. Noch vor vier Jahren war klar: Die Stadt muss aufholen. Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) bekräftigt das immer wieder in Reden – und verweist dann ebenso auf die Anstrengungen, besser zu werden. Die Folge: An vielen Stellen der Stadt wird in Kitas gebaut – aktuell etwa in der Pestalozzistraße in Lachen-Speyerdorf sowie am Stentenwehr in Mußbach. In den Einrichtungen können künftig dann mehr Kinder betreut werden. Außerdem wird unter Federführung der Wohnungsbaugesellschaft WBG am Grubenhof eine neue Kita gebaut. Das hilft bald. Kurzfristig werden die Plätze als Ausweichquartier für die Kita Heztelstift gebraucht, die saniert wird. Fachbereichsleiter Alf Bettinger (Familie, Jugend und Soziales) kennt alle Details und kann Zusammenhänge und Entwicklungen aufzeigen. Ihm ist der Trend wichtig: Die Zeiten des Kitaplätze-Fehlbedarfs sind überstanden. Die Aussage gilt mit Blick auf die allgemeinen Zahlen, bei den Kindern unter zwei Jahren bleibt es etwas schwieriger.

Kita-Werbung im Kino

Doch angesichts des Fachkräftemangels reicht es nicht, nur fleißig zu bauen. Daher sind die städtischen Abteilungen auch auf Job-Messen unterwegs, um für Neustadt als Arbeitsplatz zu werben. Ferner gibt es Kurzfilme, die etwa im Kino gezeigt werden und Lust auf die Arbeit in Kitas und die Stadt Neustadt als Arbeitgeber machen sollen. Denn die vielen neuen Plätze helfen im Alltag ja nicht weiter, wenn das betreuende Personal fehlt.

Aus der Präsentation im Ausschuss geht hervor: Aktuell gibt es in den 34 Neustadter Kitas (bei 16 ist die Stadt die Trägerin) 2486 Kitaplätze – 16 mehr als im Vorjahr, als der städtische Fachbereich ebenfalls schon eine positive Bilanz vorlegte. Etwas kniffliger wird die Analyse beim Blick auf die Details: Speziell bei den Kindern unter zwei Jahren gibt es stadtweit 80 Plätze in den Kitas zu wenig. Doch die Verwaltung setzt ergänzend auch auf die Kindertagespflege. Deutlich besser sieht es bei den Kindern aus, die älter als zwei Jahre sind: Da kann die Stadt nun sogar ein Plus von 50 Plätzen vorweisen – 2026 wird es dann sogar Plus von 230 Plätzen sein. In einzelnen Ortsteilen und Stadtbezirken könne der Vor-Ort-Bedarf trotzdem nicht ganz gedeckt werden, erklärt die Stadt. Daher ist vorgesehen, dass Kitas außerhalb der eigenen Ortsgrenze besucht werden – angedacht ist das etwa nach der Erweiterung in der Kita Stentenwehr in Mußbach.

Mehrere Bauprojekte

Bei den Bautätigkeiten verweist Bettinger auf ein ganzes Bündel an Projekten: die Kita Grubenhof mit 110 neuen Plätzen, die Erweiterungen der Kitas Gimmeldingen (plus 22), Lachen-Speyerdorf (plus 55), St. Pius Hambach (plus 48), Mußbach (plus 66) und einen angestrebten Neubau am Sulo-Gelände (plus 86). Wie viel sich in Neustadt getan hat, zeigt eine Statistik: 2015/16 zählte man stadtweit 2028 Kitaplätze, seither gab es einen Anstieg auf 2486 Plätze.

Mit Blick auf die Kinder unter zwei Jahren verweist die Stadt darauf, dass sie seit 2021 die Anzahl der Plätze von 45 auf 71 erhöht habe. Das ändere nichts daran, dass es Fehlbedarfe gebe. „Weitere U2-Plätze sind für das kommende Kita-Jahr in Planung“, so die Stadt.

Auch wichtig: die Kindertagespflege

Eine wichtige Ergänzung sei die Tagespflege. Laut Stadt waren 58 Kinder in der Tagespflege, und es gab dafür eine finanzielle Förderung, da die Stadt selbst das Angebot nicht habe machen können. In Neustadt gibt es zwölf Tagesmütter. Die Kindertagespflege ist laut Stadt eine „große Hilfe“. Auch in der Altersklasse ab zwei Jahren und älter sind die gesetzlichen Anforderungen an die Kitas strenger geworden – Stichworte: Sieben-Stunden-Betreuung, Mittagessen. Die Stadt nutzt die Um- und Neubauten, um die Einrichtungen auch mit Blick darauf „ganztagstauglich“ zu machen und die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben erfüllen zu können.

Dezernentin Waltraud Blarr (Grüne) ist bewusst, dass der Plan jeweils nur eine Momentaufnahme darstellt. Er sei aber wichtig für die zentralen politischen Weichenstellungen, denn „gute und frühzeitige Bildung, Betreuung und Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen hat eine besondere Bedeutung“.

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