Neustadt
Kita-Plätze: Vor diesen Herausforderungen steht die Stadt
Eine gute Kinderbetreuung gilt als wichtiger Standortfaktor. Daher wird seit Jahren kräftig in neue Kita-Plätze investiert. Der Einsatz der Vorjahre hat sich insofern gelohnt, da die Stadt nun für fast alle Kita-Kinder einen Betreuungsplatz anbieten kann. Doch neue Herausforderungen zeichnen sich bereits ab. Das wurde in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses deutlich, in dem über den neuen Kindertagesstättenbedarfsplan beraten wurde. Dieser ist wichtig, da er veranschaulicht, wo investiert und gehandelt werden muss.
Bei 16 der 34 Einrichtungen ist die Stadt die Trägerin. Insgesamt stehen 2470 Plätze zur Verfügung. Daniela Wünschel-Weber präsentierte für die Verwaltung die aktuellen Daten und erläuterte, dass außer den Geburtenzahlen auch eine Befragung unter Eltern, welche Art der Betreuung sie für ihren Nachwuchs wünschen, die Grundlage der Überlegungen bilden. Über 600 Eltern haben sich ihr zufolge an der Umfrage beteiligt.
Die Kindertagespflege hat laut Wünschel-Weber im Gesamtpaket eine „hohe Bedeutung“. 114 Kinder seien von solchen Anbietern im Vorjahr betreut worden. Vor allem bei unter Dreijährigen werde das Angebot genutzt. Die Experten der Verwaltung sagen, dass Eltern insbesondere die Kindertagespflege wählten, um die Wartezeit bis zu einem Kita-Platz zu überbrücken. Das erkläre auch, warum Kinder oft nur für einige Monate in solchen Einrichtungen seien.
Kita Hetzelstift zieht um
Beim Blick auf die zur Verfügung stehenden Plätze zahlen sich die Investitionen der Stadt auch in diesem Jahr aus: So wird es in Gimmeldingen nach Abschluss der aktuellen Umbauarbeiten 62 Kita-Plätze geben (bisher 40). Gleiches gilt in Hambach, wo die neue Kita St. Pius entsteht. Durch sie kommen 18 weitere Plätze hinzu, insgesamt werden es im Weindorf dann 264 sein. Allerdings wirken sich Bauarbeiten auch negativ aus. So muss die Kita Hetzelstift saniert werden. Da laut Fachbereichsleiter Alf Bettinger diese umfassenden Arbeiten nicht im laufenden Kita-Betrieb erfolgen können, steht ein Umzug in den Grubenhof (in der Nähe des Globus-Markts) an, wodurch vorübergehend aber 32 Plätze verloren gehen. Laut Nastasja Datzer werde jetzt genau geplant, wie die Kinder zu diesem Standort gebracht werden können. Auch andere Details rund um den Umzug müssten noch geklärt werden. „Aber wir haben keine Alternative zum Grubenhof“, so Datzer.
In Sachen Investieren/Bauen sieht sich die Stadt insgesamt gut aufgestellt und hat im Vergleich zur Delle vor ein paar Jahren gut aufgeholt. Trotzdem gibt es keine Zeit zum Ausruhen, denn schon zeichnen sich die nächsten großen Aufgaben ab. Laut den Zahlen von Wünschel-Weber können insbesondere wegen Personalmangels gut 75 Plätze für Kinder ab zwei Jahre nicht angeboten werden. Einige Einrichtungen seien angesichts offener Stellen nicht voll besetzt. „Wir hoffen aber, diese Probleme bis Sommer lösen zu können“, so Wünschel-Weber.
„Platz, aber keine Plätze“
Bei den unter Zweijährigen geht die Stadt fürs kommende Jahr davon aus, dass sie für 83 Kinder keinen Kita-Platz bereitstellen kann. Dies sei aber deutlich weniger als in den Vorjahren und könne zudem zum Teil über Tagespflegepersonen aufgefangen werden. Mit Blick auf 2025 werde man von den gesunkenen Geburtenzahlen 2023 profitieren, so Wünschel-Weber. Bei den Kindern, die älter als zwei Jahre sind, liege der Fehlbedarf sogar nur bei acht Plätzen.
Die aktuelle Situation fasste Alf Bettinger schließlich so zusammen: „Wir haben Platz, aber keine Plätze.“ Die Stadt brauche mehr Personal, um zusätzliche Kinder aufnehmen zu können. Zudem zeichne sich schon die nächste Aufgabe ab, denn geburtenstarke Jahrgänge seien nun in der Schule oder wechselten bald dorthin und werden die Stadt beschäftigen, wenn es ab 2026 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsplätze in den Grundschulen gibt. Aktuell stelle die Stadt hier 1323 Betreuungsplätze zur Verfügung. Das entspreche einer Quote von 61,7 Prozent. Bettinger geht davon aus, dass die Stadt ab 2026 eine Betreuungsquote von 75 Prozent erfüllen muss, um alle Ansprüche abdecken zu können. Die Investitionskosten bezifferte er auf gut vier Millionen Euro. Ziel sei, die betreuende Grundschule zu stärken. Sie decke den Bedarf aktuell schon überwiegend ab. Bettinger weiß um die anstehenden Herausforderungen: „Wir stehen am Anfang der Fachkräftekrise und müssen trotzdem die bestehenden Strukturen stärken, um alle Bedarfe decken zu können.“