Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Was der neue Hafenchef in Ludwigshafen vorhat und wie es auf der Parkinsel weitergeht

Den Rhein von seinem Büro aus immer im Blick: Hafenchef Alexander Voigt.
Den Rhein von seinem Büro aus immer im Blick: Hafenchef Alexander Voigt.

Hafenchef Alexander Voigt sieht erste Anzeichen für eine Erholung der Wirtschaft in der Region. Bei der Stadtentwicklung will er die Bebauung der Parkinsel mitgestalten.

Herr Voigt, Sie sind jetzt seit einem Jahr Hafenchef. Sind Sie mittlerweile hier fest verankert?
Ich würde sagen, ja. Nach einem Jahr habe ich wirklich das Gefühl, hier angekommen zu sein. Es fühlt sich bereits sehr vertraut an, und das ist ein schönes Gefühl.

Die wirtschaftliche Lage ist derzeit schwierig, insbesondere für die Logistikbranche. Der Güterumschlag in den Häfen in Mannheim und Ludwigshafen ist in den vergangenen Jahren gesunken. Gibt es Anzeichen für eine Trendwende?
Tatsächlich sehen wir positive Entwicklungen. Bereits 2024 lag mengenmäßig über dem Vorjahr. In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres konnten wir ein Wachstum bei Güterarten wie Baustoffen, Energieträgern und im Chemiesektor verzeichnen. Insgesamt ist der wasserseitige Umschlag bis dato um elf Prozent gewachsen. Das ist ein Hoffnungsschimmer. Die Entwicklungen in der Logistikbranche geben Aufschluss über den Zustand der Gesamtwirtschaft, insofern sehen wir jedenfalls Licht am Ende des Tunnels.

Der Hitzesommer und niedrige Wasserstände im Rhein waren zuletzt ein großes Thema. Hat sich das auf den Betrieb im Hafen ausgewirkt?
Bisher hat sich das nicht signifikant bemerkbar gemacht, wie die Zahlen zeigen. Bis Juni war die Lage relativ normal, die Entwicklung verlief positiv. Niedrigwasserphasen sind natürlich immer eine Herausforderung, insbesondere für die Binnenschifffahrt und deren Kunden, die dann oftmals Mehrkosten bei Kleinwasser tragen. Aber wenn diese Phasen nicht zu lange dauern, gibt es oft Nachholeffekte, sobald sich die Lage wieder normalisiert.

Wie bereiten sich die Häfen auf mögliche zukünftige Herausforderungen durch den Klimawandel vor, wie häufiger auftretende Niedrigwasserphasen?
Das ist ein wichtiges Thema, das die gesamte Branche beschäftigt. Es gibt Investitionen von Reedereien in neue Schiffskonstruktionen, die besser für niedrige Wasserstände geeignet sind. Zudem läuft das Projekt zur sogenannten Abladeoptimierung, also zur Vertiefung der Fahrrinne im Mittelrhein, bei dem die Fahrbedingungen für Binnenschiffe durch den Abtrag von Felsgestein verbessert werden sollen. Das Projekt kostet laut Bundesverkehrswegeplan zirka 160 Millionen Euro. Das erste von drei Planfeststellungsverfahren startet in diesem Jahr, Baubeginn könnte 2030 sein. Dieses Vorhaben hat immense volkswirtschaftliche Bedeutung für die Anlieger am Oberrhein – wie Ludwigshafen.

Sie haben vor Ihrem Wechsel 20 Jahre bei den Neuss-Düsseldorfer Häfen gearbeitet. Wie unterscheidet sich die Arbeit hier in Ludwigshafen?
Grundsätzlich bleibt ein Hafen ein Hafen. Die Häfen Rheinland-Pfalz GmbH ist stark immobilienlastig, ähnlich wie bei meinen vorherigen Tätigkeiten. Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch, dass wir hier keine eigenen Krananlagen oder Eisenbahnverkehr betreiben – das übernehmen unsere Kunden, wie etwa Contargo im Kaiserwörthhafen. Neu für mich ist die Verantwortung als Geschäftsführer, die auch kaufmännische und organisatorische Aspekte umfasst.

Der Kaiserwörthhafen ist die Drehscheibe beim Warentransport per Schiff, Bahn oder Lkw.
Der Kaiserwörthhafen ist die Drehscheibe beim Warentransport per Schiff, Bahn oder Lkw.
Engpass bei Niedrigwasser: Am MIttelrhein soll die Fahrrinne vertieft werden.
Engpass bei Niedrigwasser: Am MIttelrhein soll die Fahrrinne vertieft werden.
Seit dem Brand einer Lagerhalle liegt eine große Hafenfläche auf der Parkinsel brach.
Seit dem Brand einer Lagerhalle liegt eine große Hafenfläche auf der Parkinsel brach.
So soll einmal das Haus der Stadtgeschichte im Luitpoldhafen aussehen.
So soll einmal das Haus der Stadtgeschichte im Luitpoldhafen aussehen.
Im Erdgeschoss des Ostasien-Instituts werden bald die Hafenbetriebe residieren.
Im Erdgeschoss des Ostasien-Instituts werden bald die Hafenbetriebe residieren.
Am Anleger des Hafens machen Kreuzfahrtschiffe fest.
Am Anleger des Hafens machen Kreuzfahrtschiffe fest.
Das frühere »Gelbe Häusel« liegt am Lichtenberger Ufer , wurde weiß gestrichen und soll gastronomisch genutzt werden.
Das frühere „Gelbe Häusel“ liegt am Lichtenberger Ufer , wurde weiß gestrichen und soll gastronomisch genutzt werden.
Alexander Voigt wechselte von den Neuss-Düsseldorfer Häfen nach Ludwigshafen.
Alexander Voigt wechselte von den Neuss-Düsseldorfer Häfen nach Ludwigshafen.

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Von Haus aus sind Sie Jurist. Das Fachwissen könnte hier jetzt ganz nützlich sein, denn es gab einen langjährigen Rechtsstreit zwischen Stadt und Hafen über die Bebauung der ehemaligen Lagerhallenfläche auf der Parkinsel, die seit dem Brand 2013 brach liegt. Wie ist der Stand der Dinge?
Der Bebauungsplan „Luitpoldhafen Süd“ mit der Festsetzung eines urbanen Gebiets – also Wohnen und Gewerbe auf der Fläche – ist rechtskräftig. Wir arbeiten daran, einen Investor zu finden, der das Areal im Erbbaurecht übernimmt. Dabei ist es unser Ziel, eine Lösung zu entwickeln, die sowohl die Stadtentwicklung fördert als auch die Bedürfnisse der Anwohner berücksichtigt. Es gibt Überlegungen, eine Kita, Wohnraum- und Gewerbeflächen zu bauen.

Gibt es einen Zeithorizont, wann mit der Bebauung begonnen werden könnte?
Wir sind bereits bei den Vorbereitungen, etwa bei der Erstellung eines Bodengutachtens. Wir wollen ein Exposé auf den Markt bringen, um einen Projektentwickler zu finden. Ich bin sehr optimistisch, dass es da Interessenten geben wird. Einen genauen Zeitplan möchte ich aber nicht nennen, da solche Prozesse Zeit brauchen. Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich voranzukommen.

Also bewegt sich etwas in der Frage der Bebauung, nachdem die Situation festgefahren war?
Absolut. Wir und auch die Stadt haben ein gemeinsames Interesse, dass sich jetzt etwas bewegt.

Ein weiteres Projekt von Hafen und Stadt ist das „Haus der Stadtgeschichte“ in der ehemaligen Rhenus-Lagerhalle am Luitpoldhafen. Wann wird hier mit dem Bau begonnen?
Wir hatten enorme Baukostensteigerungen infolge des Ukraine-Kriegs zu verzeichnen. Wir haben noch mal geschaut, wie die Planung optimiert werden kann, damit das Projekt günstiger wird. Das war der Anlass für Gespräche zwischen uns und der Stadt. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, die Bauleistungen Anfang 2026 auszuschreiben. Der Baubeginn könnte dann im Laufe des Jahres 2026 erfolgen, die geplante Inbetriebnahme Ende 2027. Aber diese Angaben sind ohne Gewähr.

Die Hafenbetriebe haben auch das Gebäude gekauft, in dem sich das Ostasien-Institut befindet. Ihr Vorgänger Franz Josef Reindl hat überlegt, den Sitz der Hafenbetriebe vom Zollhof-Hochhaus ans Rheinufer Süd zu verlegen. Ist das noch aktuell?
Ja, wir bauen gerade das Erdgeschoss im Institutsgebäude um und wollen dort im Oktober einziehen. Die Hochschule belegt weiter die oberen Etagen. Dann haben wir mehr Platz, um auch personell zu wachsen. Unter anderem wollen wir die Projektarbeit für die Klimaschutzziele des Landes intensivieren.

Wie gehen die Häfen Rheinland-Pfalz mit den Klimazielen um?
Nachhaltigkeit ist mittlerweile ein zentraler Aspekt unserer Arbeit. Wir konzentrieren uns auf drei Bereiche: Erstens die Förderung des Transports erneuerbarer Energieträger wie Wasserstoff und Ammoniak sowie die Entsorgung von CO2. Hier geht es um die Prüfung von Machbarkeiten. Zweitens die energetische Sanierung unserer rund 30 Gebäude, um deren Klimaneutralität zu erreichen – gemeinsam mit unseren Mietern. Dies geschieht etwa durch den Einsatz von Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen, energieeffizienter Beleuchtung oder Wärmedämmung. Drittens die Verbesserung unserer eigenen Klimabilanz als Betrieb. Dies geht über Materialeinkauf, Fuhrpark, Gebäudenutzung bis zu der Frage, wie die Mitarbeiter zur Arbeit kommen. Wir wollen das schrittweise umsetzen.

Es ist Sommerzeit, welche Urlaubspläne haben Sie?
Ich verbringe den Urlaub mit der Familie auf einem ländlich gelegenen Campingplatz in Südfrankreich. Er liegt in der Provence, etwa anderthalb Kilometer vom Meer entfernt.

Sind für einen Hafenchef auch Kreuzfahrten ein Thema?
Ich hab das tatsächlich im vergangenen Dezember mit meiner Partnerin auf der Donau ausprobiert. Ich war zuvor ein bisschen skeptisch, weil ich eigentlich ein sehr bewegungsfreudiger, aktiver Mensch bin und dachte, das könnte vielleicht langweilig werden. Aber es war unglaublich kurzweilig und man konnte die Landschaft sehr genießen. Insofern kann ich eine klare Empfehlungen für Flusskreuzfahrten geben an alle, die's noch nicht ausprobiert haben.

Flusskreuzfahrten boomen. In Ludwigshafen gibt es an der Rhein-Galerie und auch am Lichtenberger Ufer Anleger. Der Hafen vermietet einen der Liegeplätze.
Wir haben damit angefangen und sind seit Kurzem in einem internetbasierten Vermarktungssystem aufgeschaltet. Ich hoffe, dass wir damit ab dem kommenden Jahr eine deutlich höhere Auslastung bekommen. Wir erhoffen uns in diesem Zusammenhang auch eine Belebung am „Gelben Häusl“. Zur Beseitigung der vielen Graffitis haben wir den Anstrich provisorisch erneuert. Gut vorstellbar ist, dass es dort künftig auch ein gastronomisches Angebot gibt. Wir suchen einen Investor, der das Objekt übernimmt. Wir haben dazu mehrere vielversprechende Anfragen.

Wie empfinden Sie Ihre Zeit in Ludwigshafen bisher?
Ich fühle mich hier sehr wohl. Die Zusammenarbeit mit Kollegen, Kunden, der Stadtverwaltung und den verschiedensten Vertretern der Stadtgesellschaft ist äußerst positiv. Ich habe Ludwigshafen als eine Stadt mit großem Potenzial kennengelernt, die viel zu bieten hat. Natürlich gibt es Herausforderungen, aber ich sehe vor allem die Chancen, gemeinsam etwas zu bewegen und die Stadt weiterzuentwickeln.

Zur Person

Alexander Voigt (51) ist seit Juli 2024 neuer Hafenchef. Der Jurist war zuvor bei den Neuss-Düsseldorfer Häfen und Rheincargo in der Rechtsabteilung und später als Prokurist für das Immobilienmanagement zuständig. Die Häfen Rheinland-Pfalz GmbH mit Sitz in Ludwigshafen hat 40 Mitarbeiter, davon arbeitet etwa die Hälfte in der Verwaltung und der Rest im Bauhof. Voigt wohnt im Stadtteil Süd.

Die Serie

In den Sommermonaten sprechen wir mit Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen über Gott und die Welt, über Sehnsuchtsorte, Urlaubspläne, Berufliches und ihren Bezug zur Region und zur Stadt.

Zum ersten Sommer-Interview mit dem ehemaligen Bau- und Umweltdezerneten Klaus Dinnger geht’s hier.

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