Ludwigshafen / Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Leser hinter die Kulissen eines Containerterminals

Prokuristin Sandra Knüttel (orange) erklärte die Abläufe in deinem Containerterminal.
Prokuristin Sandra Knüttel (orange) erklärte die Abläufe in deinem Containerterminal.

Der erste Teil der RHEINPFALZ-Sommertour führte Leser ins Containerterminal der Firma Contargo am Kaiserwörthhafen. Indirekt waren sie auf Tuchfühlung mit Häfen in der Welt.

Die Werksführung begann für Luca Wagner mit einer Enttäuschung: „Nein, auf die Kräne können wir aus Sicherheitsgründen nicht aufsteigen“, erklärte Prokuristin Sandra Knüttel dem jüngsten Tour-Teilnehmer. Auch unmittelbar ans Hafenbecken, um hautnah die Verladung vom Schiff ans Ufer zu verfolgen, kamen die RHEINPFALZ-Leser nicht. „Dort ist kein Geländer, sondern es geht direkt senkrecht ins Wasser.“ Dennoch offenbarte die Werksvertreterin viele Geheimnisse der Logistik beim ersten Teil der RHEINPFALZ-Sommertour in das Containerterminal der Firma Contargo.

Aus 20 Meter Höhe werden die Container mit viel Augenmaß an Ort und Stelle platziert.
Aus 20 Meter Höhe werden die Container mit viel Augenmaß an Ort und Stelle platziert.

Schon von der Lagerhausstraße und dem Kaiserwörthdamm aus sind die drei blauen Hochkräne zu beobachten. Viele Leser waren deshalb neugierig, auf den Besuch des Terminals. Unmittelbare Anwohner waren in der Gruppe allerdings keine dabei. „Ich habe mein Berufsleben immer in Tuchfühlung mit der Logistik zugebracht. Als Diplomarbeit habe ich zum Beispiel einen solchen Hochkran entworfen“, verriet etwa Christoph Blöcher aus Fußgönheim und freute sich deshalb auf den Rundgang. „Für mich war das ein echter Glücksfall.“

„Wenn ein Container fällt, nutzt der Helm wenig“

Der Rundgang war nicht nur ein optisches, sondern auch ein akustisches Erlebnis. Das hört man von der Straße nicht. Ein warnender Pfeifton ist auf dem Werksgelände hingegen allgegenwärtig. Er ist das Signal dafür, dass die drei blauen Hochkräne auf ihren Schienen in Bewegung sind. Auch deshalb gelten im Hafengebiet hohe Sicherheitsrichtlinien. Die Helme werden allerdings von Knüttel ein wenig belächelt: „Wenn ein Container mit 70 Tonnen herunterfällt, dann nutzt uns auch der Helm wenig.“ Der Kopfschutz helfe aber bei herabfallenden Einzelteilen. „Wir sind hier ein Sicherheits- und Störfallbetrieb“, denn in den Tankcontainern befinden sich nicht nur harmlose Chemikalien. Als Beispiel verwies Knüttel auf den Störfall vor drei Jahren, bei dem im Mannheimer Hafen der Inhalt eines Containers vor sich hin kokelte und die Feuerwehr durch permanente Kühlung Schlimmeres verhindert hatte. Das hätte durchaus auch in Ludwigshafen passieren können: „Wir sehen die beiden Häfen als Einheit.“

Die RHEINPFALZ-Leser durften einen Fabrikneuen Container von innen besichtigen und sich mit dem Geruch von Lösungsmitteln vertra
Die RHEINPFALZ-Leser durften einen Fabrikneuen Container von innen besichtigen und sich mit dem Geruch von Lösungsmitteln vertraut machen.

Die Prokuristin erklärte: „In beiden Geländen bewegen wir täglich rund 650 Lkw rein und raus. In Mannheim ein bisschen mehr als in Ludwigshafen, weil wir dort Schienenanbindung haben und die Container verarbeiten, die zum Rangierbahnhof gehen.“ Auch der Straßenverkehr im Ludwigshafener Betrieb war bemerkenswert, denn für viele Unternehmen beginnt im Hafengebiet auch die Welt. „Wenn es schnell gehen muss, dann haben wir einen Container in acht Stunden in Antwerpen.“ Vom Seehafen dort wird die Ware in alle Welt verschifft. „Wir sind hier also die Anbindung an die Welt“, sagte Knüttel. Mit 24 Terminals entlang des Rheins sei ihr Unternehmen Marktführer. „Mannheim/Ludwigshafen ist dabei die größte Niederlassung.“

Auf- und Abladen mit Augenmaß von Kranführern

Die zehn ausgelosten Teilnehmer hatten einen spannenden Vormittag am Kaiserwörthhafen. Es war ein Einblick in die Wirtschaft der Region. „Per Binnenschiff können bis zu 700 Container transportiert werden. Auf einen Zug passen 60, auf einen Lkw einer“, rechnete Knüttel vor. Sie machte zugleich auf den Klimawandel aufmerksam: „Bei dem aktuellen Niedrigwasser im Rhein können wir aufgrund des Tiefgangs nur maximal 300 Container auf dem Schiff befördern.“

Entsprechend beeindruckt waren die Teilnehmer der ersten Sommertour – auch bei einer weiteren Aussage. „Die Kräne laufen nicht vollautomatisiert. Das Aufladen und Abladen erfolgt händisch und mit Augenmaß von den Kranführern“, erklärte Knüttel. Dabei leuchteten die Augen von Luca Wagner wieder ein bisschen auf.

Die Überseecontainer werden mit großem Gerät aber auch viel Fingerspitzengefühl bewegt.
Die Überseecontainer werden mit großem Gerät aber auch viel Fingerspitzengefühl bewegt.
"Containerstapeln ist ein bisschen wie Tetris spielen", erklärte Sandra Knüttel (orange).
»Containerstapeln ist ein bisschen wie Tetris spielen«, erklärte Sandra Knüttel (orange).
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