Ludwigshafen
Wünsche aus LU an den neuen Mannheimer OB
Jutta Steinruck: Starke Stimme für die Region
Den Blick über beide Städte hinaus weitet Jutta Steinruck. „Ich wünsche mir von dem oder der neuen OB, dass er oder sie eine starke Stimme für die Region Rhein-Neckar ist und das Interesse aller Städte und Gemeinden im Blick behält“, sagt die Ludwigshafener Verwaltungschefin. „Ich hoffe, dass wir weiter gut zusammenarbeiten und uns gegenseitig unterstützen, um gemeinsam dazu beizutragen, die Lebensqualität in unseren Städten zu verbessern.“ Sie sei sich sicher, fährt die 60-jährige Sozialdemokratin fort, dass beide Seiten den gleichen Anspruch hätten: nachhaltige Weiterentwicklungen, rheinübergreifende Kooperationen sowie innovative Lösungen, die das Interesse der Bürger widerspiegeln. „Dabei denke ich vor allem an die Herausforderungen, die mit dem Klimawandel, der Mobilitätswende und damit auch mit den Themen Verkehr und Infrastruktur verbunden sind“, präzisiert sie.
Ludwigshafen und Mannheim verbinde mehr als die Lage am Rhein, die Bereiche Wirtschaft, Kultur und Bildung seien bereits eng miteinander verwoben. „Wir sind ein großer gemeinsamer Stadtraum, in dem sich die Menschen frei zwischen Arbeit, Wohnen und Freizeit bewegen. Auch die Hochschulen sind ein verbindendes Element, das beide Städte attraktiv für Studierende macht. Diese Stärken sollten wir auch in Zukunft gemeinsam nutzen. Von daher glaube ich, dass uns mehr eint als uns trennt“, bilanziert sie.
Gunther Piller: Hochschulen weiter vernetzen
Steinrucks Faden beim Thema Bildung spinnt der Präsident der Ludwigshafener Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft weiter. In vier Fachbereichen bietet sie 43 Studiengänge für rund 4400 Studierende an. Gunther Piller sagt: „Ludwigshafen sieht sich als Bildungspartner, Diskussionsplattform und Impulsgeber für alle Akteure der Metropolregion. Hierfür wünschen wir uns eine aktive Unterstützung der Vernetzung über Städte- und Landesgrenzen hinweg.“
Als Beispiel nennt er hochschulübergreifende Aktivitäten bei Veranstaltungen wie der am 14. April in Mannheim startenden Bundesgartenschau. „In einigen Studiengängen kooperieren wir bereits gut mit Partnern aus Mannheim, etwa mit der Universitätsmedizin“, sagt Piller. Eine weiter wachsende Vernetzung sei immer ein Gewinn. Ein weiterer Punkt ist führ ihn der hohe Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Studierende. „Hier sind gemeinsame Denk- und Lösungsansätze notwendig. Gleiches gilt für den Nahverkehr: Abgestimmte und günstige Nahverkehrsverbindungen zwischen beiden Städten helfen allen Studierenden, Lehrenden und Forschenden in der Region.“
„Kommission für den Verkehr“
Den Verkehr im Blick hat Peter Uebel, Fraktionschef der CDU im Ludwigshafener Stadtrat. „Ich wünsche mir endlich die seit mehreren Jahren von den Christdemokraten aus Mannheim und Ludwigshafen geforderte politisch besetzte Verkehrskommission.“ Für beide Städte sei es zwingend, Verkehrskonzepte gemeinsam zu planen und zu bewerten, sagt Uebel, aus dem auch der Mediziner spricht: „Die Kooperation beider großer Krankenhäuser, dem Uniklinikum Mannheim und dem Klinikum Ludwigshafen, muss weiter vorangetrieben werden. In Zeiten zunehmender Spezialisierung bieten sich hier weitere Möglichkeiten. Dieses Potenzial ist bisher zu wenig genutzt worden.“
Die Wirtschaftsmotoren Mannheim und Ludwigshafen stünden zum einen in einer Konkurrenz um die Ansiedlung neuer Firmen. Andererseits sieht Uebel auch die Chance, leistungsstarke Zentren zu bilden. „Hier bedarf es eines vertrauensvollen und zielorientierten Austauschs.“ Leider, kritisiert Uebel, sei in den Vorjahren die Zusammenarbeit mit Mannheim durch die Ludwigshafener Stadtspitze „stark vernachlässigt“ worden, wie auch alle Kontakte in die Metropolregion. „Viele Bürgermeister und Landräte bemängeln und bedauern diese Position Ludwigshafens – wo doch gerade die Metropolregion eine fast einmalige Chance darstellt.“
Natürlich, fährt Uebel fort, wolle jede Stadt das Beste für sich herausholen. „Vielleicht ist es aber noch vorteilhafter, in den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Medizin und Handel gemeinsame Strategien zu verfolgen.“ Die Zugehörigkeit zu verschiedenen Bundesländern sei dabei häufig ein rechtliches Hindernis. Sehr unterschiedlich sei auch die finanzielle Ausstattung. Mannheim habe einen wesentlich ausgeglicheneren Haushalt und ein großes Volumen an Investitionen. Ludwigshafen belaste ein hochdefizitärer Etat, der kaum Spielräume biete.
Grundsätzlich schweiße die Schwesterstädte ihre unmittelbare Nachbarschaft zusammen. „Der Rhein als europäischer Strom darf dabei keine Trennlinie sein“, betont Uebel.
Dieter Netter: Brücke für Radler und Fußgänger
Das Thema Mobilität greift auch der Kreisverband Ludwigshafen-Vorderpfalz des Verkehrclubs Deutschland (VCD) auf. „Durch die Ludwigshafener VCD-Brille gesehen, verbinden uns die beiden Innenstadtbrücken. Auch die Fähre Altrip-Mannheim verbindet“, sagt ihr Sprecher Dieter Netter. In der Hauptsache würden aber die Menschen, die mehr oder weniger oft die Rheinseite wechseln, ein verbindendes Element darstellen, sei es aus beruflichen oder privaten Gründen. Nachdem die Ludwigshafener Innenstadt nicht nur als Einzelhandelsstandort nachgelassen habe, seien die Geschäfte in den Mannheimer Quadraten und der attraktive Wochenmarkt sehr reizvoll. „Und jüngere Menschen aus Ludwigshafen werden sich wohl dem Mannheimer Nachtleben verbunden fühlen, das es hier in dieser Ausprägung nicht gibt“, so Netter. Trennend seien der Rhein und fehlende oder wenig attraktive Fuß- und Radwege sowie ÖPNV-Verbindungen, die Jüngere auch in der Nacht von Mannheim sicher über den Fluss nach Ludwigshafen zurückbringen. Der Rhein trenne dabei mehr als er müsste, denn eine Brücke für den Fuß- und Radverkehr sei von den Stadträten der Schwesterstädte schon angedacht gewesen. „Alleine wundern wir uns als VCD, dass die Verkehrsexperten und Ingenieure seit Jahren nicht einmal Aussagen zu groben Planungen machen können. Auch diese Zähigkeit scheint die Verwaltungen beider Städte zu verbinden.“
Vom neuen Mannheimer OB wünscht sich der VCD daher eine Initiative für die Rheinbrücke für Fuß- und Radverkehr, und in Mannheim ein gut funktionierendes Radwegenetz bis in die Vororte und darüber hinaus. „Ferner wünschen wir uns einen weiteren Ausbau des Straßenbahnnetzes. Irgendwann muss es Ludwigshafen schließlich peinlich werden, wenn die Dinge dort viel besser laufen.“ Ein neuer OB sollte alles dafür tun, den Autoverkehr in Mannheim zu reduzieren. „Von der OB Ludwigshafens erwarten wir natürlich dasselbe.“
Grundsätzlich fordert der VCD eine Kultur der Zusammenarbeit im Dienste der Schwesterstädte und für die Region. Netter: „Für viele Bewohner vom Hemshof bis in die Pfingstweide wünschen wir uns, dass man mit der Straßenbahn wieder direkt zur ÖPNV-Haltestelle am Hauptbahnhof Mannheim kommt. Das würde einem Viertel der Bewohner Ludwigshafens einen direkten und umsteigefreien Zugang zu einem Fernbahnhof bieten.“
Für die OB-Wahl in Mannheim haben bislang vier Parteien Kandidaten ins Rennen geschickt: Thorsten Riehle (SPD), Christian Specht (CDU), Raymond Fojkar (Grüne) und Isabell Belser (Die Linke).