Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalztram: Mutterstadt diskutiert drei mögliche Routen

Der Saal im Palatinum war gut gefüllt. Wegen der Temperaturen gab es für die Besucher Wasserflaschen.
Der Saal im Palatinum war gut gefüllt. Wegen der Temperaturen gab es für die Besucher Wasserflaschen.

Nördlich, mitten durch den Ort oder mit südlicher Schleife? In Mutterstadt gibt es drei Alternativen für die Trassenführung der Pfalztram. Nicht die einzige offene Frage.

Während sich der Saal im Mutterstadter Palatinum füllt, wird klar: Die Pfalztram – die Verlängerung der Straßenbahn von Ludwigshafen in den Rhein-Pfalz-Kreis – ist auch hier kein Randthema, sondern ein Projekt, das den Ort bewegt. Die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV), die das Vorhaben federführend begleitet, hat am Donnerstagabend darüber ausführlich informiert.

Drei mögliche Trassenvarianten stehen im Raum – eine nördliche Umfahrung, eine direkte Route quer durch den Ort entlang der Ludwigshafener und Neustadter Straße und eine südliche Schleife. Letztere würde von Maudach kommend in der Ortsmitte abknicken und einen Bogen schlagen, der auch das geplante Neubaugebiet einbindet. Bürgermeister Thorsten Leva (SPD) sieht in dem Projekt eine große Chance für die Entwicklung Mutterstadts, betont aber zugleich, dass es gute Argumente dafür und dagegen gebe. Entsprechend aufmerksam verfolgen die Besucherinnen und Besucher die Präsentation der Planer, bevor sie selbst zu Wort kommen.

Was die Pfalztram leisten soll

Die Pfalztram soll das bestehende Stadtbahnnetz aus Ludwigshafen um rund 25 Kilometer in zwei Richtungen in die Vorderpfalz verlängern: von der Pfingstweide im Norden bis nach Waldsee sowie von Ludwigshafen über Mutterstadt weiter nach Dannstadt. Künftig sollen die Bahnen im 20-Minuten-Takt verkehren. Ziel ist es, Pendlerverbindungen zu verbessern, den Autoverkehr zu reduzieren und den öffentlichen Nahverkehr insgesamt attraktiver zu machen.

Eine Nutzen-Kosten-Untersuchung bescheinigt dem Projekt Wirtschaftlichkeit – Voraussetzung dafür, dass der Bund den Großteil der Kosten übernimmt. Derzeit wird mit rund 400 Millionen Euro gerechnet, wovon der Bund voraussichtlich 75 Prozent tragen würde; zusätzliche Landesförderungen sind möglich. Bei Reaktivierungsstrecken sind sogar bis zu 90 Prozent Förderung möglich. Das betrifft auch Mutterstadt: Bis 1955 fuhr mit dem „Feurigen Elias“ eine Schmalspurbahn durch den Ort, bevor sie dem Zeitgeist und dem Vorrang des Autos weichen musste.

Bis zur möglichen Inbetriebnahme wird jedoch noch Zeit vergehen. Mit dem Beginn der Vorplanung soll die Pfalztram innerhalb von zehn Jahren abschnittsweise von Ludwigshafen aus in Betrieb gehen. Die lange Dauer erklärt sich durch die mehrstufigen Planungs- und Genehmigungsverfahren. Parallel dazu läuft eine breit angelegte Bürgerbeteiligung, bei der Anwohner ihre Fragen, Ideen und Bedenken einbringen können. Neben den Informationsveranstaltungen sind etwa auch Stadtteil-Spaziergänge, Stände auf Festen oder das Pfalztram-Forum geplant.

Querverbindung nach Limburgerhof?

Die Mutterstadter Veranstaltung war die sechste von neun Terminen – und die Stimmungen in den Gemeinden fallen sehr unterschiedlich aus. In Neuhofen war der Saal nahezu voll besetzt, die Diskussionen schwankten zwischen Zustimmung und Skepsis. Dort sorgte man sich über möglichen Lärm, Vibrationen und Eingriffe in bestehende Flächen entlang der seit Jahrzehnten vorgesehenen Trasse. Gleichzeitig gab es Unterstützung, vor allem mit Blick auf Barrierefreiheit, Klimaschutz und bessere Verbindungen nach Ludwigshafen und Mannheim.

In Dannstadt-Schauernheim überwog dagegen die Vorfreude. Viele Bürger verbanden mit der möglichen Endhaltestelle konkrete Hoffnungen: bessere Pendlerverbindungen, mehr Mobilität im Alter und eine Aufwertung des Ortes. Diskutiert wurde dort vor allem eine mögliche Verlängerung Richtung Schifferstadt. In Mutterstadt wiederum beschäftigte die Besucher vor allem die Idee einer Querverbindung nach Limburgerhof. Projektleiter Thomas Weisenstein (RNV) erklärte, dass man zunächst die bestehende Planung des ambitionierten Projekts abschließen wolle. Erweiterungen seien später möglich – sofern sie sich als wirtschaftlich erweisen.

Details sind noch ungeklärt

Auch technische Fragen spielten in Mutterstadt eine große Rolle: Eine mögliche Brücke über die B9, die auch für Fußgänger und Radfahrer nutzbar sein könnte, gehört ebenso zu den offenen Punkten wie die Lage der Haltestellen. Diese hängt sowohl davon ab, an welcher Stelle man die meisten Fahrgäste erwarte, als auch davon, wo es genügend Platz gibt.

Ob die Strecke ein- oder zweigleisig gebaut wird und ob sie auf oder neben der Straße verläuft, ist ebenfalls noch offen. Das hätte Einfluss darauf, ob auch die Straßenbahn im Feierabendverkehr festhängen könnte und wie flexibel die Fahrten planbar sind. Klar ist nur: Parkplätze werden wegfallen und das Straßenbild wird sich verändern. Lärm war auch in Mutterstadt ein Thema. Hier gaben die Planer leichte Entwarnung. Es werde genaue Berechnungen geben – und am Ende sollen ja auch Autofahrten wegfallen, die ebenfalls für Lärm sorgen.

Eine Stunde bis Mannheim

Unter den Besuchern fanden sich viele, die dem Projekt offen gegenüberstehen. Der Mutterstadter Thomas Schmidt etwa hält die Pfalztram für zeitgemäß. „Es ist wichtig, in den großen Gemeinden des Kreises für einen guten öffentlichen Nahverkehr zu sorgen“, fand er. Schmidt selbst pendelte jahrelang nach Mannheim, notgedrungen mit dem Auto. Manchmal habe er dafür wegen der Staus bis zu eine Stunde gebraucht. Das Argument, Busse seien heute schon nicht ausgelastet, lässt er nicht gelten: „Die stecken ja mit im Stau.“

Eine Anwohnerin der Neustadter Straße, die je nach Streckenvariante selbst betroffen wäre, sieht das Projekt ebenfalls positiv: „Man muss an das große Ganze denken. Für Mutterstadt wäre das ein Gewinn.“ Der Lärm macht ihr weniger Sorgen als die möglichen Vibrationen der Bahnen. Andere, ältere Mutterstadter wollten sich vor allem informieren. „Dass die Pfalztram fertiggestellt wird, erleben wir ja nicht mehr.“ Einzig die Baustellen bis dahin bereiten ihnen Sorgen.

„Erst konkrete Pläne abwarten“

Der Ludwigshafener Klaus Gerlich, gebürtig aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, lobte die sachliche Atmosphäre. Er hat bereits mehrere Infoveranstaltungen besucht, darunter auch die an der Pfingstweide, wo sich eine Bürgerinitiative gegen das Projekt gebildet hat. Man könne gegen die Pfalztram sein, sagte er. „Aber man sollte erst abwarten, welche konkreten Pläne es gibt, und nicht alles von vornherein ablehnen“.

Gegen 20 Uhr leerte sich der Saal spürbar. An den drei Themeninseln, die am Rand aufgebaut waren und an denen Experten des Projekts Rede und Antwort standen, nahm das Interesse langsam ab. Welche der drei Alternativen es am Ende wird oder ob sich noch weitere mögliche Routen finden, bleibt fürs Erste offen. Klar ist: Es wird nicht die letzte Möglichkeit für die Mutterstadter bleiben, sich in das Projekt einzubringen.

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