Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Was die Waldseer von der Pfalztram halten

Rollt die Straßenbahn bald durch Waldsee? Die Fasnachter nahmen den Ausbau des Netzes dieses Jahr schon einmal vorweg.
Rollt die Straßenbahn bald durch Waldsee? Die Fasnachter nahmen den Ausbau des Netzes dieses Jahr schon einmal vorweg.

Das Straßenbahnnetz in der Rhein-Neckar-Region soll bis nach Waldsee verlängert werden. Was die Menschen dort denken, zeigte sich bei einer Informationsveranstaltung.

Wer von Waldsee nach Ludwigshafen oder weiter nach Mannheim will, der benutzt aktuell in den meisten Fällen das Auto. Zumindest gaben bei der gut besuchten Infoveranstaltung in der Kulturhalle fast drei Viertel der Teilnehmer an einer live ausgewerteten Online-Befragung dieses Verkehrsmittel an. Nur knapp 20 Prozent nutzen den Bus, also den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Das wollen die Verantwortlichen für den geplanten Ausbau des Straßenbahnnetzes in der Vorderpfalz ändern. Geplant ist, die Linie, die bisher in Rheingönheim endet, über Neuhofen bis nach Waldsee weiterzuführen. Außerdem soll auch im Westen und Norden Ludwigshafens das Straßenbahnnetz verlängert werden. Dafür arbeiten das rheinland-pfälzische Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität, der Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd, der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) zusammen.

Dass der Ausbau wahrscheinlich kommt, hängt damit zusammen, dass bei der Kosten-Nutzen-Abwägung ein Ergebnis festgestellt wurde, das eine Förderung durch den Bund rechtfertigt, erläuterte Thomas Weisenstein, Leiter der Infrastrukturplanung bei der RNV. Die Förderung könnte sich auf 75 Prozent der Kosten belaufen. Gebaut werden sollen 25 Kilometer neue Strecke. Bis die Bahnen fahren, dürften noch mindestens zehn Jahre ins Land gehen. Wo die Trasse genau in Waldsee verlaufen wird, ist eine noch ungeklärte Frage. Laut Weisenstein gibt es zwei Vorschläge, wobei die Verantwortlichen auch noch offen für weitere Varianten seien. Die erste Variante sieht eine Straßenbahnlinie mitten durch den Ort vor. Sie würde ein- oder zweigleisig durch die Neuhofener Straße und die Ludwigstraße bis zum Rathaus führen. Variante zwei führt am westlichen Ortsrand entlang, parallel zur teils schon bestehenden und teils noch zu bauenden Umgehungsstraße, bis an den Kreisel im südlichen Teil des Orts.

Durch den Ort oder am Rand entlang

Der Weg durch das Zentrum hätte einen „erschließungstechnischen Vorteil“, sagte Weisenstein. „Wir erreichen so viel mehr Menschen.“ Denn erfahrungsgemäß werde die Straßenbahn von jenen genutzt, die in einem Umkreis von rund 300 Metern wohnen. Am Ortsrand sei die Anzahl an Menschen, die in diesem Bereich wohnen, geringer, wobei durch das geplante Neubaugebiet das Potenzial wieder größer werde.

Dass es gegen eine Trasse durch den Ort Vorbehalte gibt, hat nicht nur Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) beobachtet. Der Bedarf an Parkplätzen sei groß. Ob diese wegfallen würden, wollten etliche Bürger von den Planern wissen. „Wir haben uns vor Ort ein Bild verschafft“, sagte Enrico Strauch vom Planungsbüro Schüßler-Plan. Einerseits wird ihm zufolge versucht, Lösungen zu finden, bei denen möglichst wenige Parkplätze wegfallen. Er sagte andererseits aber auch, dass es das Ziel sei, die Pfalztram zweigleisig fahren zu lassen. In diesem Fall wäre das Parken entlang der Strecke in den meisten Fällen wohl nicht möglich. Für wegfallende Parkplätze müsse ein Ausgleich vorgenommen werden, ergänzte Weisenstein, ohne zu konkretisieren, wie dieser aussehen könnte.

Kompensationsmaßnahmen stellte er auch für mögliche Lärmbelästigungen entlang der Strecke – sei es beim Bau oder beim Betrieb – in Aussicht. Das könnten zum Beispiel Schallschutzfenster, bauliche Maßnahmen an den Gleisen oder eine Reduzierung der Geschwindigkeit sein. Warum statt der Straßenbahn kein Ausbau des Busnetzes ins Auge gefasst werde, war eine weitere Frage, die viele stellten. Auch darüber haben sich die Verantwortlichen laut Weisenstein Gedanken gemacht. Aber eine Stadtbahn könne mehr Menschen mitnehmen und sei langfristig günstiger. Bürger der neu angebundenen Orte müssten sich nicht in Form von Ausbaubeträgen am Ausbau des Straßenbahnnetzes beteiligen, beantwortete er eine andere Frage.

Top-Thema: Anbindung an Speyer

Was die Auswertung der online gestellten Fragen zeigte: Am meisten bewegt die Waldseer, ob die Möglichkeit besteht, die Straßenbahnlinie bis nach Speyer zu verlängern. Hierzu konnte Weisenstein den Anwesenden keine allzu große Hoffnung machen. Zwar sei eine Verlängerung in die Domstadt als zweite Ausbaustufe angedacht gewesen, doch die Kosten-Nutzen-Berechnung gebe das aktuell nicht her. „Der Bund macht da klare Vorgaben“, sagte der Mann vom RNV. Allerdings: Sollten sich die Kriterien für die Bewertung und damit die Förderung in Zukunft ändern, wäre ein weiterer Ausbau vielleicht doch möglich. Schließlich ist auch die aktuell geplante Verlängerung bis Waldsee erst nach einer solchen Änderung interessant geworden.

Rege genutzt wurde die Möglichkeit, im Anschluss an die Vorträge an Tischen im Foyer mit den Planern ins Gespräch zu kommen. Dabei diskutierten die Waldseer unter anderem über alternative Trassenvarianten wie durch die Goethestraße, über die Anzahl der Haltestellen oder über mögliche Konflikte mit Routen von Einsatzfahrzeugen, wenn die Feuerwehr ihr Gerätehaus an den Ortsrand verlegt. Auf manches konnten die Planer antworten, bei vielem lautete die Antwort aber auch: „Das muss noch geprüft werden.“ Die Möglichkeit der Bürger mitzureden, lobte Beigeordneter Steffen Sternberger-Hahn (SPD), in dessen Zuständigkeitsbereich das Thema fällt. Für ihn wäre die Anbindung von Waldsee ans Straßenbahnnetz jedenfalls „ein Riesenmehrwert“.

Zwei Varianten der Trasse werden aktuell diskutiert: durch den Ort oder am Rand entlang.
Zwei Varianten der Trasse werden aktuell diskutiert: durch den Ort oder am Rand entlang.
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