Meckenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Denkmal für den „Feurigen Elias“

Aus Stahl nachgebaut: der „Feurige Elias“.
Aus Stahl nachgebaut: der »Feurige Elias«.

Bis 1955 ist der „Feurige Elias“ durch die Vorderpfalz gedampft. Ein Nachbau der Lokalbahn soll nun an seiner Endstation in Meckenheim aufgestellt werden. Welche Bedeutung das Bähnel einst für die Bevölkerung hatte.

Kommen Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, bald nach Meckenheim? Die Aussicht besteht: Die CDU hat am Montagabend in der Sitzung des Gemeinderats beantragt, ein Bähnel anzukaufen, das an den einstigen Einsatz der „Feuriger Elias“ genannten Lokalbahn erinnern soll.

Zwei eingleisige Schmalspurbahnen verbanden einst Ludwigshafen mit den Dörfern der Vorderpfalz. Die alte Bezeichnung „Feuriger Elias“ für Dampflokomotiven erinnert an den biblischen Propheten Elias, der in einem von feurigen Rossen gezogenen feurigen Wagen „gen Himmel“ entrückt wurde. 1890 wurden die Strecken nach Dannstadt und nach Frankenthal eröffnet. Von Dannstadt aus wurde die Bahnlinie rund 20 Jahre später – nach langen Bemühungen der Gemeinde und eines Eisenbahn-Komitees – über Assenheim und Hochdorf bis nach Meckenheim verlängert. Am 1. März 1911 war es soweit: Der „Feurige Elias“ dampfte erstmals auf der knapp 19 Kilometer langen Strecke mit einer Höchstgeschwindigkeit von 15 Stundenkilometern bis zur neuen Endstation in Meckenheim. Die Gemeinden entlang der Strecke mussten Grund und Boden zur Verfügung stellen und alle Zufahrtswege selbst anlegen.

Zuckerrüben und blinde Passagiere

44 Jahre lang verkehrte der „Feurige Elias“ zwischen Ludwigshafen und Meckenheim und brachte die Arbeiter aus den Dörfern in die Fabriken nach Ludwigshafen. Außer Personen transportierte er auch landwirtschaftliche Güter. Etwa 12.000 Tonnen Zuckerrüben wurden so jährlich von Meckenheim abgefahren. Für die Kinder der Ortschaften entlang der Strecke hatte das „Bimm-Bamm-Bähnel“ seine eigene Anziehungskraft. Weil es recht langsam fuhr, sprangen die mutigsten Kinder unterwegs auf und ließen sich als blinde Passagiere so lange mitnehmen, bis der Schaffner sie lautstark von den offenen Plattformen vertrieb.

In den „Hungerjahren“ nach 1945 hatte die Bahn eine weitere, eher wirtschaftliche Bedeutung: Wenn sie mit Zuckerrüben vollbeladen durch die Vorderpfalz rollte, warteten entlang der Strecke rechts und links der Schienen viele Menschen und rissen mit langen Rechen und Hacken die süßen Knollen von den offenen Waggons. Nach stundenlangem Kochen der Rüben ergab die Beute einen klebrigen, aber nahrhaften Sirup als Brotaufstrich.

1955 außer Dienst gestellt

Im Laufe der Jahre ging die Bedeutung der Lokalbahn zurück. Das Bähnel galt als unbequem, zu langsam und nicht mehr modern. Im August 1943 wurden die bis dahin in Meckenheim stationierten Lokomotiven nach Ludwigshafen-Mundenheim abgezogen, und der Lokomotivbahnhof Meckenheim wurde aufgehoben. Am 3. Oktober 1955 wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt. Am 24. Dezember des selben Jahre, nach dem Ende der Rübensaison, war für den „Feurigen Elias“ dann auch Schluss mit dem Güterverkehr. Im Jahr darauf wurden die Gleise abgebaut.

Erinnern in vielen Orten heute noch manche Straßennamen oder Wirtshausschilder an die einstige Bahn, so ist das in Meckenheim die Bahnhofstraße. Nun will die CDU-Fraktion an „vergangene, aber nicht vergessene Zeiten“ anknüpfen. Über viele Jahre habe das Bähnel zum Ortsbild von Meckenheim gehört, heißt es im CDU-Antrag. Es sei von den Bewohnern genutzt worden, um zur Arbeit, zum Einkauf oder zur weiterführenden Schule zu kommen. Die Landwirte hätten mit dem Bähnel Zuckerrüben und andere Güter abtransportiert.

Erinnerung an längst vergangene Zeiten: Ein Modell der Lokalbahn, allerdings als ganzer Zug mit Waggons, steht seit 2018 auf ein
Erinnerung an längst vergangene Zeiten: Ein Modell der Lokalbahn, allerdings als ganzer Zug mit Waggons, steht seit 2018 auf einem Kreisel in Dannstadt.

Der CDU-Fraktion sei in Nachbau des „Feurigen Elias“ in Korten-Stahl angeboten worden, erklärte die CDU-Fraktionsvorsitzende Birgit Groß. Das Modell misst nach ihren Angaben etwa zwei Meter mal 90 Zentimeter bei einer Höhe von etwa 1,80 Meter. Die Kosten dafür gab sie mit 2400 Euro an. Für den Transport und die Installation kämen noch weitere Kosten dazu.

Standort in Bahnhofstraße vorgeschlagen

Die CDU schlägt vor, das Bähnel als „Zeitzeugen“ auf der Rasenfläche in der Bahnhofstraße neben dem Stromhäuschen aufzustellen. Eine Tafel könne auf dessen Sinn und Nutzen hinweisen, erklärte Groß. Ein Vorbild dafür gibt es ein paar Kilometer weiter östlich schon: In Dannstadt wurde 2018 am Ortsausgang in Richtung Mutterstadt auf dem sogenannten Aldi-Kreisel ein künstlerisch leicht verfremdetes Modell der Lokalbahn, bestehend aus einer Lokomotive und zwei Personenwaggons, aufgestellt. Angefertigt wurde es von Walter Brauchler aus Dannstadt, der Verbindungen nach Meckenheim hat.

Für Meckenheim sei nur eine Lok vorgesehen, erklärte Groß. Um Kosten zu sparen, erklärte sich CDU-Ratsmitglied Markus Handrich spontan bereit, das Modell selbst abzuholen. Auch soll der „Feurige Elias“ in Eigenregie aufgestellt werden. Der Gemeinderat beschloss mehrheitlich, die Kosten für das Bähnel bei 2500 Euro zu deckeln. Nach der Vorlage der entstehenden Kosten soll nach der Sommerpause weiter entschieden werden.

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