Stadtteil-Spaziergang RHEINPFALZ Plus Artikel Oppau, Edigheim, Pfingstweide: Sorgenkinder und Projekte

Der Lidl-Parkplatz soll auch künftig als Kerweplatz dienen.
Der Lidl-Parkplatz soll auch künftig als Kerweplatz dienen.

Die Neujahrsempfänge der Ortsvorsteher sind wegen der Pandemie abgesagt worden. Alle Amtsinhaber bitten wir deshalb zu einem Rundgang in ihrem Bezirk, um über Ziele und Wünsche für 2021 zu sprechen. Frank Meier (SPD) hat eine ganze Reihe von Projekten in Oppau, Edigheim und der Pfingstweide im Visier.

Wer mit Ortsvorsteher Frank Meier im Ludwigshafener Norden unterwegs ist, braucht Zeit. Rund 23.000 Menschen leben in Oppau, Edigheim und der Pfingstweide. Jeder Stadtteil hat seine Eigenarten, wie sich bei einem Streifzug zeigt.

In Oppau soll am Ortsrand ein Medizinisches Versorgungszentrum entstehen, das der Arzt Steffen Giese bauen will. Das Projekt wird von Anwohnern abgelehnt, die Nachteile durch zusätzlichen Verkehr und negative Auswirkungen auf die Umwelt befürchten. Noch ist auf dem Acker an der Horst-Schork-Straße hinter der Feuerwache nichts zu sehen. Momentan werden gerade Gutachten erstellt, die Auswirkungen auf die Umwelt, Lärm- und Verkehrsaufkommen prüfen. „Das Ergebnis wird wegen Corona wohl erst im zweiten Quartal vorliegen“, meint Meier. Die Bedenken der Anwohner gegen den dreiteiligen Gebäudekomplex mit einem Dutzend Praxen für Fachärzte auf 3000 Quadratmetern müssten geprüft werden. Der Ortsvorsteher macht aber auch keinen Hehl daraus, dass er für das Projekt ist, weil es die medizinische Versorgung des Ludwigshafener Nordens in der Zukunft sichere.

Probleme mit Kneipen und Monteursunterkünften

In der Oppauer Hauptstraße in der Ortsmitte haben sich nach Geschäftsaufgaben Kneipen und Spiel-Center angesiedelt. Wegen Corona sind sie momentan dicht. An diesem Vormittag ist kaum jemand auf der Straße. Viele Bürger sind wegen der Entwicklung besorgt. „Da rutscht was ab“, sagt auch der Ortsvorsteher. Doch da es sich um Privatgebäude handelt, habe er keinen Einfluss auf diese Entwicklung. Dennoch sei er froh, dass die Stadt zwei Stellen schaffen werde, die sich um sogenannte Problemimmobilien kümmern sollen.

Dazu zählen auch Wohnhäuser, in denen Firmen Unterkünfte für Monteure eingerichtet haben. Häufig sind die Häuser überbelegt, die Sauberkeit lässt zu wünschen übrig. Nachbarn sind beunruhigt. Meier zeigt auf ein Haus in einem gepflegten Wohnviertel: „Hier gab es massiv Probleme. Die Monteure haben einfach ihren Müll auf die Straße geschmissen“.

Die Arbeiter gehören zu Subunternehmern, die in der BASF arbeiten. Der Chemiekonzern sei mittlerweile für die Problematik sensibilisiert, sagt der Ortsvorsteher. „Die BASF will darauf hinwirken, dass ihre Kontraktoren Mindeststandards bei der Unterbringung ihrer Arbeiter einhalten. Die Bedeutung dieses Problems wurde erkannt – und darüber bin ich heilfroh. Das alles wird noch dauern. Aber der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“, sagt Meier, der freigestellter BASF-Betriebsrat ist.

Kerwe-Platz: Lösung in Sicht

Der Bahnübergang markiert die Grenze zwischen Oppau und Edigheim. Hier haben sich viele Nahversorger angesiedelt. Maier stoppt auf dem Lidl-Parkplatz. Der Discounter will seinen Supermarkt erweitern und neu bauen. Nach langen Verhandlungen sei nun ein Kompromiss gefunden, dass die Oppauer Kerwe weiterhin auf dem Lidl-Parkplatz stattfinden kann. „Mit gutem Willen von allen Seiten sollte das möglich sein. Es ist noch nicht alles in trockenen Tüchern, aber es sieht gut aus“, sagt der Ortsvorsteher.

Meier freut sich auch darüber, dass im Herbst in Oppau der Neubau der Kindertagesstätte August-Bebel-Straße eingeweiht wird. Statt bisher 95 stehen dann 155 Plätze für die Kinderbetreuung zur Verfügung. „Das löst nicht alle Probleme, ist aber eine deutliche Verbesserung“, sagt er.

Große Nachfrage nach Bauplätzen

Über das Bahngleis hinweg geht’s nach Edigheim. Im Neubaugebiet Wolfsgrube ärgert sich der Ortsvorsteher über Reifenspuren, die quer über eine Grünfläche am Wolfsgrubenweg führen. Anwohner führen mit ihren Autos zum Ausladen über das Grün, das ziemlich in Mitleidenschaft gezogen ist. Meier fordert deshalb von der Stadt, dass mit Baumstämmen oder Felsbrocken die Zufahrt verhindert wird.

Einige Hundert Meter Luftlinie weiter soll ein zusätzliches Neubaugebiet Im Zinkig entstehen. 50 bis 60 Einzelhäuser sind dort geplant. Der Bebauungsplan soll im Herbst beschlossen werden. Die Nachfrage nach den Bauplätzen ist hoch. „Die Warteliste der Interessenten ist ellenlang“, sagt der Ortsvorsteher.

Pläne für Edigheimer Friedhof

Über den neugestalteten Spielplatz an der Anglerstraße, der in diesem Jahr auch noch ein Angebot für Kleinkinder bekommen soll, geht es weiter zum Edigheimer Friedhof. Im Gegensatz zu Oppau gibt es dort keine neuen Bestattungsmöglichkeiten wie einen Memoriamgarten oder eine naturnahe Grabfläche. Meier möchte das ändern, stößt aber auf Widerstände bei der Stadt. Angeblich reiche der Platz dafür nicht aus. „Ich lass’ da nicht locker. Wir brauchen auch in Edigheim so etwas.“

Gemeinschaftshaus verfällt

Weiter geht’s in die Pfingstweide. Dort steht ein ziemlich großes Sorgenkind: das Gemeinschaftshaus. Das Stadtteilzentrum ist geschlossen. Eine Sanierung würde Millionen kosten. „Was wird daraus? Ich habe Angst, dass gar nichts passiert und das Gebäude zu einer Ruine wird“, sagt Meier und zeigt auf Löcher in der Dachkonstruktion am Eingang und mit Sperrholzplatten verrammelte Fenster. Müll liegt herum. Einen jungen Mann im Sportdress stört das nicht, er macht im Freien auf dem Vorplatz seine Fitnessübungen.

Eine realisierbare Idee hat Meier für ein kleineres Projekt in der Pfingstweide. Er würde gerne einen der Spielplätze zwischen den Wohnblöcken mit einer Plane vor Regen schützen. „Wegen Corona ist die Jugendfarm geschlossen. Die Kinder sitzen in den Wohnungen. Dann könnten sie wenigstens im Trockenen draußen ein bisschen spielen“, glaubt er. Doch ob die Stadt dafür Geld übrig hat, bezweifelt er. Vielleicht fände sich ja ein Sponsor.

Meier für die Nordroute

Von der B 9 weht der Wind Fahrzeuglärm herüber. Die BASF plant ganz in der Nähe die sogenannte Nordroute. Der Straßenneubau soll das Tor 15 am Kombiterminal mit der konzerneigenen Kläranlage verbinden, wo eine Lkw-Abfertigungsfläche entsteht. Mehrere Naturschutzverbände und die Verkehrsinitiative Ludwigshafen haben sich gegen das Projekt ausgesprochen. Sie lehnen es ab, dass das einzige Landschaftsschutzgebiet („Hansenbusch-West“) im nördlichen Stadtgebiet durch eine neue Straße durchschnitten werden soll. „Der Protest ist wichtig, um zu erreichen, dass das Projekt auf das notwendige Maß reduziert wird“, sagt der Ortsvorsteher. Gleichwohl weiß der Aniliner, wie wichtig der Warenverkehr und die Logistik für den Chemiekonzern ist: „Da geht es auch um die Standortfrage“. Letztlich befürworte er deshalb die Nordroute, aber klar sei auch, dass die BASF dafür einige Bedingungen erfüllen müsse: So sei ein Lärmschutz für die Kleingärtner aus der Pfingstweide zwingend erforderlich. Die neue Straße müsse zudem mit viel Grün umgeben werden und natürlich müsse der Zugang zum Rhein für Fußgänger, Radler und Landwirte erhalten bleiben. „Der Eingriff in die Natur sollte so gering wie möglich ausfallen“, sagt Meier.

Nach drei Stunden neigt sich der Streifzug durch den Norden dem Ende zu. Meier zeigt auf dem Rückweg Richtung Gehlenweiher. „Da ist noch für dieses Jahr eine Hundeauslauffläche angedacht.“ Ein letzter Zwischenstopp an der Unterführung an der Bad-Aussee-Straße, wo in einem Pilotprojekt für ganz Ludwigshafen Wände zum Besprühen freigegeben worden sind. „Das läuft gut. Ich finde es sieht besser aus als vorher“, sagt Meier und lacht, als er in Graffito mit einer schorletrinkenden Katze entdeckt. „Ich hätte noch viele andere Punkte. Aber jetzt steht der nächste Termin an“, sagt der Ortsvorsteher zum Abschied vor dem Oppauer Rathaus.

Andere Bestattungsmöglichkeiten wünscht sich Ortsvorsteher Frank Meier auf dem Edigheimer Friedhof.
Andere Bestattungsmöglichkeiten wünscht sich Ortsvorsteher Frank Meier auf dem Edigheimer Friedhof.
Zukunftsprojekt: Neubaugebiet am Zinkig.
Zukunftsprojekt: Neubaugebiet am Zinkig.
Verfällt: das geschlossene Gemeinschaftshaus in der Pfingstweide.
Verfällt: das geschlossene Gemeinschaftshaus in der Pfingstweide.
Neuanfang: der hergerichtete Spielplatz an der Anglerstraße in Edigheim.
Neuanfang: der hergerichtete Spielplatz an der Anglerstraße in Edigheim.
Ärgernis: eine Wiese als Abkürzung in der Wolfsgrube.
Ärgernis: eine Wiese als Abkürzung in der Wolfsgrube.
Meier findet das Graffiti-Pilotprojekt in Oppau gut.
Meier findet das Graffiti-Pilotprojekt in Oppau gut.
Lustig: Schorle-Graffito in der Oppauer Unterführung.
Lustig: Schorle-Graffito in der Oppauer Unterführung.
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