Friedhöfe in der Stadt
Zwischen Erinnerung und Anilin – der Friedhof in Oppau
Nein, leise ist es auf dem Oppauer Friedhof nicht – zumindest nicht am frühen Nachmittag eines geschäftigen Werktags. Während sich der Friedhof spür- und sichtbar in ein nasskaltes November-Trüb hüllt, kommt der Besucher akustisch nicht an den viel befahrenen benachbarten Straßen vorbei. Darunter zuallererst die L 523, die sich an der BASF entlang schlängelt. Gutes Stichwort: „Die Anilin“ ist hier überall ganz nah. Fackeln und hohe Kolonnen bilden den Hintergrund des Friedhofsspaziergangs. Über Gräber hinweg blickt man auf große Anlagen. Auch akustisch gibt das Werk an diesem Nachmittag mit einem steten Tuten einiges her. „Das ist halt BASF pur“, bemerkt Michael Zoll. Der 48-jährige Mitarbeiter des Wirtschaftsbetriebs (WBL) ist hier auf dem Friedhof der Hauptansprechpartner und kennt die tägliche Atmosphäre wie kein anderer. Die BASF ist aber auch noch in anderer, trauriger Form vertreten: Mit einer großflächigen Gedenkstätte wird an die Opfer des Unglücks im Jahr 1921 erinnert, als das Oppauer Stickstoffwerk explodierte.
Geschichtsträchtig ist auch das eine oder andere Grab, etwa das des Altbürgermeisters und Ehrenbürgers Günther Janson, der hier beerdigt ist. Dort, wo der Friedhof heute ist, befindet er sich übrigens erst seit 1908, wie Stadtarchivar Stefan Mörz berichtet. Zuvor war er da, wo man heute durch den Oppauer Stadtpark flanieren kann.
Ein Café auf dem Friedhof?
Die Zufahrt zum Friedhof findet man von der Rheinstraße aus. Als erstes fällt dem Besucher das pittoreske frühere Verwaltungsgebäude am Eingang ins Auge. Während selbiges auf dem Friesenheimer Friedhof derzeit saniert und anschließend vermietet wird, ist in Oppau noch nicht klar, was mit dem Gebäude passiert. „Abriss oder Sanierung“, macht Heike Rippl die zwei Alternativen unmissverständlich klar. Sie ist die städtische Abteilungsleiterin Friedhöfe. Michael Zoll sagt, es habe auch schon unverbindliche Anfragen gegeben, dort ein Café zu eröffnen – eine Tatsache, die Heike Rippl und Gabriele Bindert (Bereichsleitung Grünflächen und Friedhöfe) aufhorchen lässt – schließlich steht die Friedhofentwicklungsplanung kurz bevor. Dabei soll es darum gehen, was auf den Friedhöfen verändert wird und was sich die Ludwigshafener wünschen.
In der Trauerhalle, wenige Schritte weiter, hat sich vor nicht allzu langer Zeit schon etwas getan. Helga Wolf, Oppauer Bürgerin, spendete damals einen mittleren vierstelligen Betrag, mit dem die Halle innen gestrichen und die Lampen erneuert wurden. Es war Wolfs Wunsch, weil sie das Ambiente wenig ansehnlich fand. Man habe in diesem Zuge auch die Tür aufgearbeitet, berichtet Heike Rippl. Ein tolles privates Engagement, dessen Ergebnis auch bei den Besuchern der Trauerhalle sehr gut ankam, wie Friedhofsverwalter Zoll weiß.
Baustellen bleiben trotzdem genug, sagt Gabriele Bindert. Ein Thema sind die Wasserleitungen im Untergrund, an denen es immer wieder Leckagen gibt. „Das kriegen wir dann über den Wasserverbrauch mit.“ Eigentlich müsste das ganze System überarbeitet werden. „Sanierungsstau“ ist ohnehin ein Wort, das wir im Laufe dieser Friedhofserie immer wieder hören. Seit den 90er-Jahren gab es immer weniger Personal, weniger Mittel, dafür mehr Schulden, wie Bindert sagt. Hinzu kommt, dass es lange keine eigene Abteilungsleiterstelle ausschließlich für Friedhöfe gab.
Sicherheit ist wichtig
Dabei sind die Ludwigshafener Friedhöfe besondere Orte. Auf jedem von ihnen lässt sich etwas entdecken – oder lernen. Etwa, was es mit den kleinen farbigen Aufklebern an Grabsteinen auf sich hat, die Nutzungsberechtigte auffordern, sich bei der Friedhofsverwaltung zu melden. In der Regel sei dann die Nutzungszeit für das Grab abgelaufen, sagt Rippl. Oder es geht um den Pflegezustand. Oder es gibt womöglich ein Problem mit der Sicherheit. „Alles, was höher als 50 Zentimeter ist, muss standsicher sein“, erklärt sie. Verantwortlich dafür ist der Nutzungsberechtigte, überprüft werde das regelmäßig von einer Firma. Denn ein lockerer Grabstein könnte schnell zu einem ernsthaften Sicherheitsrisiko werden.
Auf dem Feld für naturnahe Bestattungen kann das nicht passieren. Dort gibt es keine Grabsteine. Das Areal ist pflegefrei. Am 3. Dezember soll es geweiht werden. Beerdigt wird hier aber schon seit März dieses Jahres. Gerade wurde eine bienenfreundliche Fläche angelegt. „Die blüht von Februar bis Mai“, sagt Heike Rippl. Vorfreude auf den Frühling auf dem Friedhof in Oppau.
Die Serie