Ludwigshafen
Neujahrsempfänge: Volle Säle in Rheingönheim, Mundenheim und Ruchheim
Rheingönheim: Turbulentes Jahr
Beim Neujahrsempfang des Ludwigshafener Stadtteils Rheingönheim sorgten am vergangenen Freitagabend zahlreiche Besucher – unter ihnen auch die städtischen Dezernenten Cornelia Reifenberg (CDU), Andreas Schwarz (SPD) und Alexander Thewalt (parteilos) sowie eine ganze Schar von Ortsbeirats- und Stadtratsmitgliedern – für eine gut gefüllte Halle des Turnvereins 1878.
Den musikalischen Rahmen für die Veranstaltung bestritt der Gospel- und Musicalchor „Heaven’s Gate“, der die Besucher mit etlichen mitreißenden Kostproben aus seinem Repertoire begeisterte. Die jungen Tänzerinnen der HipHop-Tanzgruppe der Tanzschule Weile aus Mundenheim zeigten auf der Bühne ebenfalls ihr Können, und verkleidet als bayrische Trachtengruppe sorgte die Seniorengruppe des Turnvereins Rheingönheim dafür, dass auch der Humor beim Neujahrsempfang nicht zu kurz kam: Trotz anfänglicher Gegenwehr wurde Ortsvorsteher Wilhelm Wißmann (CDU) zum gemeinsamen Auftritt mit dem Showensemble auf die Bühne eskortiert. Unnötig zu erwähnen, dass dies zu gesteigerter Heiterkeit im Publikum führte.
In seiner Neujahrsrede zeigte sich Wißmann jedoch ernst. „Früher hieß es immer, in Rheingönheim ist nichts los. Aber 2024 war ein turbulentes Jahr“, meinte der 78-Jährige. Die Bezirkssportanlage sei fertig geworden, nun fehlten aber Parkplätze bei Heimspielen der Arminia. Immer noch unbefriedigend und pietätlos sei es, dass die Trauerfeiern bei Beerdigungen zeitlich so eng hintereinander getaktet seien, meinte er. Die Ansiedlung einer Aldi-Filiale auf dem TV Platz sei eingeleitet worden, auch die Deponieerweiterung solle nun beginnen. „Ich befürchte, dass es 2029 wird, bis der erste Lkw dort ablädt“, prognostizierte er jedoch und ging mit der Genehmigungsbehörde des Landes hart ins Gericht. Denn bis dahin müsse der Bauschutt auf weit entfernte Deponien gefahren werden. „Wegen der Schlafmützigkeit einer Landesbehörde entstehen der Stadt hier Kosten von einer Million Euro pro Jahr“, klagte er.
Ein Schock sei gewesen, dass die Raummodule der Ausweich-Kita im Neubruch unbrauchbar geworden seien, so Wißmann. Damit hänge auch die nötige Sanierung der katholischen Kita in der Luft. „Wir sollten auch endlich eine öffentliche Toilette an der Endstelle bekommen“, sagte er unter großem Beifall. Ein Thema, das zuletzt für Aufregung gesorgt hatte, sprach Wißmann wider Erwarten offenbar aus Frust und Verärgerung nur zurückhaltend an. Trotz eines klaren Votums des Ortsvorstehers und des Ortsbeirats in Rheingönheim gegen die Ausweisung eines weiteren großen Neubaugebiets am Ortsende hatte der Stadtrat im Dezember mit großer Mehrheit von SPD und CDU für die Aufstellung eines Bebauungsplans gestimmt. Bei Wißmann und vielen im Vorort sorgte dies für Enttäuschung und Verärgerung. Er wünsche sich, dass erst einmal die vorhandenen Baustellen erledigt werden, bevor neue Löcher aufgemacht würden, wies er auf die Infrastruktur-Probleme in Rheingönheim hin.
Mundenheim: Aufruf an die Jugend
Beim ersten Neujahrsempfang von Raymond Höptner in Mundenheim waren die Sitzplätze im Seniorentreff „Café Klatsch“ schon eine halbe Stunde vor dem Start des offiziellen Programms ziemlich belegt. Groß war die Neugierde vieler Bürger auf die erste Neujahrsrede des jungen CDU-Ortsvorstehers, der sich bei den Kommunalwahlen im Juni mit großem Vorsprung gegen die langjährige SPD-Amtsinhaberin Anke Simon durchgesetzt hatte. Seine größte Herausforderung sei es, die Bedürfnisse der rund 14.000 Menschen in Mundenheim in den Mittelpunkt seines Handelns zu stellen, meinte Höptner. Er ermunterte besonders junge Menschen, sich politisch zu engagieren, um die eigenen Lebensbedingungen mitzugestalten. „Das geht an Euch“, sprach er die Kinder und Jugendlichen im Saal direkt an.
Mit einer Dia-Show blickte der 25-jährige Student darauf zurück, was er in den ersten Monaten bereits angepackt und angestoßen hat: Er sei einen Tag lang mit der Straßenreinigung unterwegs gewesen und habe dabei erkannt, was die WBL-Mitarbeiter alles leisten. Eine wilde Müllkippe im Stadtteil sei mittlerweile verschwunden, weil an dem illegalen Sammelplatz eine Leihfahrrad-Station aufgestellt worden sei. Weiterhin hat Höptner gemeinsam mit Unterstützern 3000 Blumenzwiebeln im Zedtwitzpark gepflanzt: „Ich bin gespannt auf die ersten Blumen im Frühling“, sagte der Newcomer. Zudem habe er zahlreiche Gespräche mit vielen Akteuren geführt und Vor-Ort-Termine wahrgenommen. Auch dort, wo Bürger lieber nicht hingehen, betonte der Ortsvorsteher.
Einen „schwierigen Moment“ nannte Höptner ein Erlebnis im August: Als er zwei junge Männer ansprach, die illegal Müll entsorgten, wurde er attackiert und verletzt. Aber davon habe er sich nicht einschüchtern lassen, sondern wolle sich auch künftig für mehr Sauberkeit und Sicherheit in Mundenheim einsetzen, versicherte Höptner. Als einen schönen Erfolg verbuchte er den ersten Adventsmarkt mit vielen Beteiligten. „Solche Aktionen machen den Stadtteil attraktiver und stärken den Zusammenhalt. Dass die Veranstaltung Ende dieses Jahres wiederholt werden soll, stehe bereits fest.
Gestaltet wurde der Mundenheimer Neujahrsempfang von den Sternsingern, dem Jugendchor des Mannheimer Nationaltheaters und der närrischen Jugend der Munnemer Göckel. Eine Hip-Hop-Gruppe der Tanzschule Weile bekam viel Applaus, weil sie soeben den ersten Platz bei der Europameisterschaft im Dance4Fans „Mixed Newcomer Teams“ bei einem Turnier in den Niederlanden errungen hat.
Ruchheim: Das Wir stärken
Auch wenn die Sanierung des Ruchheimer Gemeinschaftshauses noch nicht ganz abgeschlossen ist: Der Neujahrsempfang konnte stattfinden. Rund 300 Besucher waren am Sonntag gekommen. Ortsvorsteher Dennis Schmidt (CDU) begrüßte auch Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos), die in einem kurzen Grußwort erklärte, Ludwigshafen lebe vom Miteinander der Stadtteile. Insbesondere danke sie allen ehrenamtlich Engagierten. „Ich wünsche mir, dass das ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt erhalten bleibt“, so Steinruck, auch wenn generell gerade ein Trend zur Entsolidarisierung in der Gesellschaft zu verspüren sei.
Auch Schmidt ging in seiner Neujahrsansprache auf ein ernstes Thema ein. Am 16. März vergangenen Jahres sei die Eingemeindung Ruchheims genau 50 Jahre her gewesen. „Damals lockte man uns mit den vollen Kassen der Chemiestadt“, so Schmidt. Die Zeiten hätten sich geändert, jetzt fehle es an allem und es gäbe keine Unterstützung vom Land. „Die Landesregierung scheint die Bedeutung der Kommunen zu unterschätzen“, so Schmidt, der ein Umdenken in Mainz forderte. „Ständige Steuer- und Gebührenerhöhungen können nicht die Lösung sein.“
Zudem zog Schmidt Bilanz, dass es dringend um den Bau einer dritten Kita in Ruchheim gehe, die von jungen Familien sehnlichst erwartet werde. Der Bau neuer GAG-Wohnungen sei teilweise fertig, ein weiterer Teil werde noch in diesem Jahr abgeschlossen. Und das Gemeinschaftshaus habe zwar nur ein paar Monate zur Sanierung geschlossen sein sollen, inzwischen dauere es länger als ein Jahr und verschlinge rund drei Millionen Euro, „und es ist noch nicht fertig“, so Schmidt.
In einem Ausblick („Ruchheim im Herzen, die Zukunft im Blick“, so Schmidt) blickte der Ortsvorsteher nach vorn und rief zur Solidarität auf. Auch wenn Ruchheim wachse, sollte man den dörflichen Charakter bewahren und miteinander im Gespräch bleiben. Im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl am 23. Februar rief Schmidt zum Urnengang auf: „Ich möchte Sie bitten, von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Schauen wir, dass wir wieder der Stadtteil mit der höchsten Wahlbeteiligung sind.“
Den Neujahrsempfang bereicherten die Tanzschule „Tanztraum“ aus Maxdorf, die Chorgemeinschaft Ruchheim und der Gesangsverein 1862 sowie die Ruchemer Schlosshogger (die ihre diesjährige Saalfasnacht in Limburgerhof feiern, weil unklar war, ob das Gemeinschaftshaus zur Kampagne fertig werde). Edgar Stöfler vom Ruchheimer Gewerbeverband, überreichte Ortsvorsteher Dennis Schmidt die traditionelle Neujahrsbrezel – sowie eine Uniform und eine Urkunde für dessen nächtliche Einsätze, die Mülleimer am Schlossplatz zu leeren, wie Stöfler augenzwinkernd berichtete.