Ludwigshafen
Rheingönheim: Wie gefährdet sind Kinder und Erzieherinnen in der maroden Kita St. Joseph?
In Rheingönheim sind die Wartelisten in den Kindertagesstätten lang. Das ist ein Grund dafür, warum der Ortsbeirat sich gerade erst wiederholt gegen ein weiteres Neubaugebiet am Rand des südlichen Stadtteils ausgesprochen hat: Mozart-Grundschule und Kitas platzen aus allen Nähten. Die zweigruppige katholische Kita St. Joseph soll im Auftrag der Ludwigshafener Verwaltung saniert und erweitert werden. Erste Gespräche darüber wurden nach Angaben von Norbert Biehn, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Kirchengemeinde, in den Jahren 2019/20 geführt.
Damals hat der katholische Träger der Einrichtung auch schon einen Bauausschuss gebildet. Nach dessen Plänen soll das rund 40 Jahre alte und stark sanierungsbedürftige Kita-Gebäude entkernt und saniert werden. Ebenso wie das denkmalgeschützte Schwesternhaus nebenan. Der Pfarrsaal auf dem Gelände soll abgerissen werden und an dessen Stelle ein zweistöckiger Neubau entstehen, damit die Kindertagesstätte von bisher zwei auf vier Gruppen erweitert werden kann. Im vergangenen September habe der Bauausschuss die Pläne bei der Verwaltung eingereicht, erklärt Biehn. Ein Bauantrag sei jedoch noch nicht gestellt worden.
Umzug der Kita geplant
Während der Bauphase sollte die Kita in ein Containerdomizil in der Käthe-Kollwitz-Straße umziehen, das im Jahr 2011 nach einem Brand als Ausweichquartier für die Kita Brückweg errichtet und von der Stadt angemietet worden war. „Die Anlage war seither für verschiedene Einrichtungen in Betrieb. Sie wurde für Kindertagesstätten und Schulen genutzt“, informiert eine Sprecherin der Verwaltung auf Anfrage. Mittlerweile wurden die Container jedoch überraschend abgerissen, weil sie zu marode waren.
Zuvor jedoch hatte die Stadt noch mehrere Zehntausend Euro in die alten Container investiert: Der Bereich Gebäudewirtschaft der Verwaltung wurde im Frühjahr 2023 beauftragt, die Containeranlage so schnell wie möglich als Ausweichquartier für den Kindergarten herzurichten. „Während der Sanierung kamen unerwartete und erhebliche bauliche Mängel zum Vorschein, die vor dem Umbau nicht festgestellt werden konnten. Beim Umbau der Sanitäranlagen wurde beispielsweise festgestellt, dass die provisorische Containeranlage auf verdichtetem Erdreich auf Holz errichtet war und die Böden feucht sind. Außerdem wurde ein erneuter Wasserdurchbruch im Bereich der bereits reparierten Decke sichtbar“, berichtet die Sprecherin der Verwaltung.
Viel Geld investiert
Bei der Öffnung von Wänden und Decken habe sich zudem herausgestellt, dass die elektrische Verkabelung des Gebäudes nicht mehr den heutigen Standards entspricht. „Die Anlage war somit in einem viel schlechteren Zustand als angenommen, was eine Sanierung unmöglich macht. Deshalb wurde der Mietvertrag zum 30. November 2024 gekündigt und alles Erforderliche in die Wege geleitet, damit die Containeranlage vom Vermieter zurückgebaut werden kann. Der Rückbau ist mittlerweile auch erfolgt.“
Wie viel Geld wurde vor dem Abriss in die gemieteten Container investiert? Für Abbrucharbeiten und die Anpassung der Fluchtwegeplanung seien Kosten in Höhe von 5000 Euro entstanden, sagt die Verwaltungssprecherin. Beim Rückbau der Containeranlage sei jedoch darauf geachtet worden, dass bereits installierte Bauteile wie Installationen, Tür- und Klemmschutzteile, Griffe, Sanitärobjekte, Armaturen, Kücheneinrichtungen so ausgebaut wurden, dass sie in anderen Objekten wiederverwendet werden können. „In Summe wurden somit für eine beabsichtige Ertüchtigung der Containeranlage rund 34.000 Euro verausgabt.“
Bisher kein Zeitplan
Das Thema hat den Rheingönheimer Ortsbeirat bereits im Oktober und wieder am Mittwochabend beschäftigt. Denn wann die Kinder und Erzieher in ein Ausweichquartier ziehen und die Arbeiten in der Kita St. Joseph beginnen können, steht derzeit in den Sternen. „Wann im Neubruch neue Container aufgestellt werden, das weiß vielleicht der Weihnachtsmann“, bemerkte Ortsvorsteher Wilhelm Wißmann (CDU) sarkastisch. Die Verwaltung sagt dazu: „Ein genauer Zeitrahmen für die Ausquartierung und damit auch die anschließende Renovierung der Kindertagesstätte kann derzeit noch nicht mitgeteilt werden.“
Dabei drängt das Projekt: Auf eine Anfrage der CDU-Fraktion zum Sachstand und zu den baulichen Defiziten des Kita-Gebäudes antwortet die Verwaltung: „Aufgrund von Undichtigkeiten ist eine Sanierung des Flachdaches dringend notwendig. Die Funktionstüchtigkeit der Abdichtungskonstruktion ist nicht mehr gewährleistet. Das Flachdach befindet sich abdichtungstechnisch und energetisch in einem sehr schlechten Zustand.“ Bestehen Risiken für die Gesundheit der Kinder und des Personals? „Ob aktuell ein Risiko für die Gesundheit der Kinder und des Personals besteht, ist dem Bereich Kindertagesstätten nicht bekannt“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Verwaltung. Damit jedoch will sich der Ortsbeirat nicht zufrieden geben.