Ludwigshafen
Neue Hochstraße Süd: Die ersten 72 Meter stehen – Sperrung der Mundenheimer Straße Ende Juli
Fast fünf Jahre nach der Schockdiagnose „Einsturzgefahr“ strahlen die Verantwortlichen am Montagvormittag bei einem Rundgang über die Großbaustelle im Stadtzentrum mit der Sonne um die Wette. Im Sommer 2020 wurde die wegen ihrer markanten Stützen sogenannte Pilzhochstraße in 106 Tagen abgerissen. Vier Jahre später ist nun das erste Teilstück für die neue Hochstraße Süd (B37) sogar eine Woche früher als geplant fertig. Stand heute spricht also viel dafür, dass der Pkw-Verkehr Anfang 2026 wieder über die Südtrasse rollt. „Wir liegen voll im Zeitplan“, sagt Eberhard Küssner von der federführenden Bauprojektgesellschaft der Stadt.
Ende Januar ist der Aufbau für die neue Hochstraße Süd gestartet. Jetzt stehen die ersten 72 Meter der 120 Millionen Euro teuren Spannbetonkonstruktion am Faktorhaus in Fahrtrichtung Bad Dürkheim auf drei von am Ende 43 Pfeilern. „Die Firmen liefern einen picobello Job ab. Es läuft alles tipptopp“, lobt Küssner die Arbeitsgemeinschaft Implenia (Mannheim) und Heberger (Schifferstadt) für den sichtbaren Fortschritt. Das Arbeitstempo sei „rekordverdächtig“. 20 bis 30 Beschäftigte sind täglich auf der Baustelle zugange, mehrere Bagger und Kräne im Einsatz. Der Lärm ist ohrenbetäubend, aber die Anlieger tragen es gefasst. „Wir erhalten sogar Dankesbriefe, weil wir so schnell sind“, berichtet der 54-Jährige stolz.
Schutztunnel für Fußgänger
Lediglich drei bis vier der insgesamt 170 Löcher für die tief in den Untergrund versenkten Fundamentpfähle fehlen laut Küssner noch. Die Pfeiler für die nächsten Teilstücke stehen bereits. Am Faktorhaus folgt nun der Brückenpart in Fahrtrichtung Mannheim. In Richtung Pylon folgt ein 62 Meter langer Überbau, der die Mundenheimer Straße überquert. Diese muss deshalb ab 29. Juli bis Anfang November aus Sicherheitsgründen für den Auto- und Straßenbahnverkehr gesperrt werden. Für Fußgänger und Radler wird ein Schutztunnel errichtet, damit sie weiter den Berliner Platz erreichen können, wie Björn Berlenbach als Chef der städtischen Tiefbausparte erläutert. Die Pkw-Auffahrt zur Konrad-Adenauer-Brücke nach Mannheim bleibt erhalten. Die Stadtbahnlinie 6 aus Rheingönheim wird über Berliner- und Kaiser-Wilhelm-Straße umgeleitet.
Ihr Meisterstück hätten die Baufirmen am Abend des 26. Juni abgelegt, schildert Küssner. Ab 20 Uhr sei der rund zehn Meter breite Brückenüberbau innerhalb von acht Stunden in 680 Kubikmeter Beton gegossen worden. Ein Betonmischer nach dem anderen habe pausenlos Material angeliefert. Bis zu drei Betonpumpen seien dafür bis morgens um 4 Uhr im Einsatz gewesen, um Trag- und Deckschichten aufzutragen. Eine vierte Pumpe habe für den Notfall bereitgestanden. Im Anschluss sei die Oberfläche bis um 7 Uhr geglättet worden.
Aufwand enorm
Noch fehlen Leitplanken und Laternen. Und noch lagert viel Material auf dem ersten Teilstück, darunter zahlreiche Bretter, Schalungen oder mannshohe Rollen mit Spannstahl, der für die richtige Spannung zwischen den Brückenteilen sorgt. Die längs wirkende Kraft drückt den Beton zusammen und sorgt so gleichermaßen für Stabilität und die wegen Temperaturschwankungen notwendige Beweglichkeit. Um über den Gleisen arbeiten zu können und um diese nicht zu beschädigen, seien die Schienen mit Sand zugeschüttet worden. Darüber kam eine Betonschicht, die nun wieder entfernt werde, nachdem die mächtigen Traggerüste überflüssig geworden seien.
Sehr aufwendig seien im Vorfeld die Bodenuntersuchungen gewesen, berichtet Küssner. In der Summe seien 19 Kilometer an Untergrund kontrolliert und dabei Leitungen sowie Rohre entdeckt und entfernt worden, die dort hätten eigentlich nicht verlaufen dürfen. Zum Glück sei das Gelände frei von Weltkriegsbomben.
Bundesgesetz ein Durchbruch
Dass die Straßenbahnauffahrt zur Adenauer-Brücke auf der Mannheimer Seite Risse aufweist, wie in der Vorwoche bekannt wurde, habe zunächst einmal keine Auswirkungen auf die Baustelle für die neue Südtrasse, betont Küssner. Die Gleisstrecke war aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres gesperrt worden. „Wir stehen in sehr engem Kontakt mit den Mannheimer Kollegen und warten jetzt erst mal die Untersuchungen ab“, erklärt Berlenbach.
Küssner zufolge war der entscheidende Durchbruch für einen zügigen Brückenbau das Planungsbeschleunigungsgesetz des Bundes, das Genehmigungsverfahren erheblich vereinfacht. „Dass vier Jahre nach dem Abriss das Fundament für den ersten Brückenabschnitt steht, mag für chinesische Verhältnisse nichts Besonderes sein. Für deutsche Verhältnisse ist das unglaublich“, meint Küssner.
OB freut sich über Fortschritte
Beeindruckt zeigt sich auch Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos), nachdem sie am Montag erstmals den noch weitgehend mit Planen bedeckten Beton des neuen Teilstücks betritt. Weil die Fahrbahn für die Entwässerung ein leichtes Gefälle aufweist, ist ihr zwar irgendwann etwas mulmig zumute, ansonsten gibt sich die OB aber bestens gelaunt. „Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn man nach so vielen Jahren Arbeit ein Ergebnis sieht“, sagt die 61-Jährige. Nach der Diagnose Einsturzgefahr habe sie viele schlaflose Nächte verbracht, „bis sich das geklärt hat“.
Da das Südprojekt nun planmäßig laufe, könne 2026 auch mit dem Abriss der ebenfalls maroden Hochstraße Nord (B44) und bis 2031 mit dem Bau der sie ersetzenden Helmut-Kohl-Allee begonnen werden.