Ludwigshafen
Leute in LU: Mundartdichter Manfred Dechert könnte in Bockenheim Rekordsieger werden
Er ist der Dauerbrenner unter den pfälzischen Mundartdichtern: Der Friesenheimer Manfred Dechert steht am Samstag, 18. Oktober, 14 Uhr, beim 73. Mundartdichter-Wettstreit zum 14. Mal im Finale. Die Teilnehmer wurden von einer Jury ausgewählt. Fünfmal ging Dechert in diesem Wettbewerb bereits als Sieger von der Bühne im Festzelt des Bockenheimer Winzerfestes. Jeweils dreimal belegte er außerdem den zweiten und dritten Rang. Sieger wurde der 67-jährige ehemalige Schriftsetzer, der aus Schmalenberg in der Westpfalz stammt und seit 1992 in Ludwigshafen lebt, 2001, 2007, 2009, 2014 und zuletzt 2020. Er sagt: „Ich wünsche mir mal wieder einen Sieg in Bockenheim.“
Sollte Dechert den Wettbewerb zum sechsten Mal gewinnen, wäre er die Nummer 1 unter den Pfälzer Mundartdichtern, die sich seit 73 Jahren an jedem dritten Wochenende im Oktober in Bockenheim messen. Jeweils fünfmal Sieger wurden zwischen 1975 und 2011 Gerd Runck (1929-2012) aus Landau und zwischen 1967 und 1980 Albert Bleyer (1928-1994) aus Bruchmühlbach – und Dechert, der jüngst auch den seit 1991 bestehenden Mundartdichter-Wettstreit in Herschberg auf der Sickinger Höhe für sich entschied.
Mit der Friedensbewegung verbunden
Für Dechert sind die pfälzischen Mundartwettbewerbe willkommene Bühnen für seine Leidenschaft: das literarische Wirken. Der alleinlebende Friesenheimer bezeichnet sich als „Wortarbeiter“. Er ist seit 1992 gesundheitlich bedingt Frührentner, gehörte schon vor Jahren dem Literarischen Verein der Pfalz, dem Mannheimer Literaturverein Räuber 77 und der Heidelberger Literatur-Offensive an. Früh hat er sich auch als Autor im Theater Oliv und in der Alten Feuerwache in Mannheim eingebracht. Der sozial engagierte Westpfälzer war schon in den 1980er-Jahren in Kaiserslautern „auf Achse“ und engagierte sich dort zum Beispiel für den Erhalt des Jazzclubs Waschbrett.
In Ludwigshafen trat er bei ersten Lesungen im Haus der Jugend auf und initiierte Gesprächsrunden zum Thema „Probleme 50 plus“, in denen er Menschen mit psychischen Problemen um sich scharte. Doch das aktuelle Geschehen in Ludwigshafen sieht er auch kritisch: Das Verschwinden der „Tortenschachtel“, des Rathauscenters und der einstigen großen Kaufhäuser sind für ihn Verluste für ein Heimatgefühl. Auch eine rege Subkultur wie früher durch das Büro für angewandten Realismus gibt es nicht mehr. So tritt der auch mit der Friedensbewegung verbundene Wahl-Ludwigshafener auch mit unangenehmen Themen in den sozialen Medien in Erscheinung.
Ärger um Gewinner von 1964
Der Bockenheimer Wettstreit wurde 1953 ins Leben gerufen, wird vom Förderkreis Mundart Bockenheim organisiert und ist seitdem zum wichtigsten öffentlichen Mundart-Ereignis der Pfalz geworden. Über die pfälzischen Grenzen hinaus bekannt wurden unter anderem die Bockenheim-Sieger Susanne Faschon (1925-1995) aus Kaiserslautern, Helmut Metzger (1917-1995) aus Bad Dürkheim, Ilse Rohnacher (1926-2016) aus Heidelberg, Eugen Damm (1936-2017) aus Kaiserslautern, Wilfried Berger (1936-2025) aus Lobsann (Elsass), Norbert Schneider (geboren 1957) aus Rehborn oder Gisela Gall (geboren 1940) aus Bad Dürkheim. Dreimal gewann Matthias Zech (Jahrgang 1957) aus Speyer – zuletzt zweimal hintereinander. Auch Ludwigshafener wie der Mundenheimer Rudy Kupferschmitt befanden sich unter den Gewinnern (1996).
Für politischen Verdruss sorgte der Bockenheimer Mundartdichter-Wettstreit 1964, als die Jury den Neustadter Kurt Kölsch (1904-1968) zum Gewinner kürte. Der Schullehrer von der Weinstraße war während der NS-Zeit Gaukulturwart und ein Verfechter der NS-Politik. Kölsch steht noch heute in der Statistik der Gewinner des Bockenheimer Wettstreites – trotz aller Proteste damals. Bei dem Wettstreit geht es bei den eingereichten Gedichten um Thema, Inhalt, Reinheit der Mundart und Vortragskunst. Die zehn Finalisten tragen vor dem Publikum im Festzelt ihre Werke persönlich vor. Die drei Bestplatzierten werden namentlich genannt und mit Geldpreisen ausgezeichnet; die anderen Finalisten werden pauschal geehrt und erhalten Erinnerungspreise.
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