Ludwigshafen Leute in LU: Bärbel Ginter gibt den Vorsitz des Evangelischen Krankenpflegeverein ab
„Ich bin 2006 zu dem Amt gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, berichtet Bärbel Ginter. Paul Weber wollte den Evangelischen Krankenpflegeverein Ludwigshafen-Ruchheim nach 20 Jahren in jüngere Hände geben. „Ich weiß bis heute nicht, warum man mich angesprochen hat“, sagt Ginter, die sich schon damals in Ruchheim in der Nachbarschaftshilfe engagierte. „Ich habe das Amt als Nicht-Wissende übernommen.“ Sie habe ihr Amt gelebt, geliebt, geprägt, mit Fleiß ausgefüllt und mit viel Herz gewirkt.
Geboren ist Ginter am 16. März 1944 in Schönrode, Kreis Crossen in Oberschlesien. Des Krieges wegen hatte die Mutter Zuflucht bei den Schwiegereltern gesucht und Berlin verlassen, wo die 81-Jährige 25 Jahre lebte. „Der Liebe wegen“ kam sie in die Region. Am 13. März feierte sie mit Ehemann Hans den 55. Hochzeitstag. Sie haben einen Sohn, eine Tochter und fünf Enkel, 28, 24, 22, 18 und 16 Jahre alt. 1977 zogen die Ginters von Mannheim nach Ruchheim. „Als Großstadtkind habe ich mich im Dorf schnell wohlgefühlt“, sagt Ginter. Das Vereinsleben öffnete rasch Türen zur Ortsgemeinschaft, durch die Kinder fand das Paar im TV 1896 Ruchheim beim Handball und Tennis Anschluss und engagierte sich als Helfer bei Vereinsfesten. „Man muss auf die Menschen zugehen“, erklärt Ginter, die im Fernmeldewesen der Post arbeitete und dann in den Drogeriemarkt ihres Mannes in der Mannheimer Kunststraße einstieg. Dieser wurde 1989 zu einem Kreativmarkt umgewandelt. Bis zum Verkauf 2013 führten die beiden ihr Geschäft.
Jeder kann pflegebedürftig werden
„Ich hatte in Hans-Jürgen Haar und Manfred Blum unglaublich verlässliche Stützen im Vorstand“, sagt die 81-Jährige, die mit ihrer Stellvertreterin Jutta Reisinger-Böhrer vertrauensvoll zusammengearbeitet hat. Die Bedeutung des Krankenpflegevereins deutlich zu machen und sein Wirken aufzuzeigen, ist der Antrieb für Ginters Engagement. Als sie begann, hatte der Verein 368 Mitglieder, jetzt sind es 280. „Es gab keine Austritte. Durch Tod, Umzug zu den Kindern oder ins Heim haben wir Mitglieder verloren“, berichtet die scheidende Vorsitzende. Neue Mitglieder zu finden und junge Menschen für den Verein zu gewinnen, sei ebenso wichtig wie schwierig. So hat die Vorsitzende Vortragsveranstaltungen mit Dozenten zur sozialen Beratung organisiert und den Verein mit Infoständen bei der Kerwe präsentiert. „Den Fuß nach draußen zu setzen, war wichtig, um auf den Krankenpflegeverein und seine Arbeit aufmerksam zu machen“, sagt Ginter. „Wir pflegen ja nicht mehr, aber wir kümmern uns. Wir nehmen anderen eine Last.“ Der Mitgliedsbeitrag kostet 2,80 Euro im Monat, der Familienbeitrag 32 Euro im Jahr.
Der Verein sei offen für alle Konfessionen und auch für konfessionslose Menschen. Er berate schnell, unbürokratisch und stelle Kontakte her. Ginter lobt die Pflegekräfte, die vor Ort mit häuslicher Pflege unterstützen. Die Krankenpflegevereine sind mit den Kirchen Träger der Ökumenischen Sozialstation, „die Verbundenheit mit den kirchlichen Werten und die Ausrichtung auf Nächstenliebe und Menschlichkeit sind nach wie vor die Grundlage des täglichen Handelns“, erklärt die Vorsitzende. „Wer Mitglied im Krankenpflegeverein ist, bekommt Pflege, wenn sie benötigt wird.“ Und pflegebedürftig könne jeder werden – quasi über Nacht –, nicht nur alte Menschen.
„Einer trage des anderen Last“ ist ein Leitsatz für Ginters Engagement und Arbeit. Nun hat sie den Generationswechsel an der Vereinsspitze eingeläutet. „Ich klebe nicht an meinem Amt. Ein solcher Generationswechsel ist wichtig, auch um andere Gedanken und neue Ideen zu entwickeln“, sagt die 81-Jährige, die am Montag, 24. März, 19 Uhr, bei der Mitgliederversammlung den Vorsitz nach fast zwei Jahrzehnten in jüngere Hände gibt.