Ludwigshafen
Leute in LU: Neuer Pfarradministrator will „Kraft und Inspiration liefern“
Seit 1. Juni gibt es in der Pfarrei Hll. Petrus und Paulus einen neuen Pfarradministrator. Für das Amt in den Stadtteilen Süd und Mitte hat sich der 65-jährige Ralf Klein aus einer Pfarrei im Südschwarzwald gemeldet. „Sankt Blasien ist sehr ländlich, ich selbst bin eher städtisch“, erklärt er. Damit übernimmt er die seit Februar vakante Stelle in der katholischen Pfarrgemeinde.
Es sei eine einfache Entscheidung gewesen, zumal er bereits zu zwei Jesuiten-Brüdern aus dem Heinrich Pesch Haus (HPH) eine gute Verbindung pflege, sagt er. Klein ist nicht nur der neue Pfarradministrator, er ist auch Ordensbruder der Jesuiten im HPH, trägt daher den Namenszusatz SJ (Societas Jesu – in Freundschaft mit Jesus). Seit April 2020 arbeitete er in Sankt Blasien mit. Das habe den Vorteil, als Koordinator, nicht als leitender Pfarrer, Lösungen zu finden. Seine Ankunft fiel „genau in die Einschränkungen durch Corona“, berichtet er. Häufig sei es ein Drahtseilakt gewesen, den Sicherheitsregeln gerecht zu werden und zugleich einen Ausgleich zu finden, wenn etwa ein enges Familienmitglied gestorben ist. Es sei wichtig gewesen, alles so zu gestalten, dass niemand gefährdet wird. Als Beispiel nennt er einen Covid-positiv getesteten Sohn, dem er die Teilnahme an der Beerdigung seines Vaters im Freien ermöglichte. Als früherer Kooperator oblagen ihm die Aufgaben eines Kaplans. „Jetzt liegt auch die Verwaltung in meiner Zuständigkeit“, erklärt er. Zunächst wolle er die Menschen kennenlernen.
Die Jesuiten seien das Beste für ihn
Klein wird auch Predigten bei Gottesdiensten in Sankt Ludwig, Herz Jesu, Sankt Sebastian und im Anna- und im Josefsstift halten. Den Anspruch an seine Predigten formuliert er so: „Entscheiden sich Menschen, zum Gottesdienst zu kommen, dann sollen sie Kraft und Inspiration zum Leben liefern.“
Der 65-Jährige hat nach dem Abitur das Priesterseminar besucht und Theologie studiert. An der Philosophisch Theologischen Hochschule Sankt Georgen, im Süden Frankfurts, habe er zum ersten Mal Jesuiten kennengelernt, erinnert er sich. Durch die Exerzitien, die Grundlagen für Spiritualität, habe er gespürt, dass dieser Orden das Beste für ihn sei. Deren geistliche Grundhaltung ermögliche eine große Freiheit, auch in Bezug auf geschiedene Paare und queere Menschen. Der Pater hat nach seinem Studium im Kreis jüngerer Jesuiten eine Probezeit, das Noviziat, absolviert. „Es dauert zwei Jahre“, erklärt er. Eine Probezeit, die jederzeit beendet werden kann. Als seine Ausbildung an der Hochschule 1990 endete, unterrichtete er zunächst Religion, später zusätzlich Englisch an einem Gymnasium in Berlin. Ab 2009 war er als Provinzökonom für die wirtschaftliche Situation der Deutschen Provinz der Jesuiten verantwortlich. Nach zehn Jahren schied er aus dem Amt aus und hatte eine mehrere Monate dauernde Sabbatzeit. Im April 2020 führte sein Weg in den Südschwarzwald.
Angebot von Vorgänger weiterführen
2022 erschien die Fernsehdokumentation, „Wie Gott uns schuf“, bei der Klein eigene Erfahrungen thematisierte, genau wie mehr als 100 Menschen, die für die Kirche arbeiten. Er hatte sich bereits Jahre zuvor als homosexuell geoutet. Nun möchte der 65-Jährige da sein für alle, die Verwundungen durch die Kirche erlitten haben, nachdem sie sich zu ihrer Sexualität bekannt haben. „Ich möchte ihnen Zugang zu Gott verschaffen“, nennt er sein Anliegen. In der Doku erklärte er: „Seelsorger sollten offen sein dürfen, denn fehlende Offenheit über sich selbst überträgt sich auf den Gesprächspartner.“
„Die Kaplanzeit ist jetzt vorbei“, stellt er fest. Über seinen Vorgänger, Pfarrer Alban Meißner (er übernahm Anfang Februar, nach 18 Jahren im Amt, eine neue Stelle in Dahn, Anm. d. Redaktion), sagt Klein: „Er war offen für die Menschen.“ Er habe beispielsweise das Winterhilfe-Mittagessen in der Gemeinde Sankt Ludwig (Mitte) hinterlassen, bei der auf gute Weise sichtbar werde, dass Kirche karitative Aufgaben hat. Jeder könne kommen, unabhängig von seiner Glaubensüberzeugung, sagt Klein über das Angebot, das er weiterführen möchte. „Deren Ehrenamtliche engagieren sich wirklich.“
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