Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Notstand: Lange Bauzeiten, 70 unbesetzte Stellen

An einem Bauwagen hängen die Rucksäcke der Kinder eines Waldkindergartens in Hessen. Solche alternativen Kita-Projekte gibt es i
An einem Bauwagen hängen die Rucksäcke der Kinder eines Waldkindergartens in Hessen. Solche alternativen Kita-Projekte gibt es in Ludwigshafen noch nicht.

Schlechte Nachrichten für sehr viele Eltern: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt in Ludwigshafen wegen Tausender fehlender Kitaplätze ein Lotteriespiel.

Von einer „Situation, die uns alle emotional herausfordert“, spricht Kita-Bereichsleiter Pascal Thümling. Er meint die Planung 2025/26 für die Kindertagesstätten in Ludwigshafen, die der Jugendhilfeausschuss in dieser Woche ohne große Diskussion einstimmig abgesegnet hat. Was gibt es auch zu sagen? In Ludwigshafen fehlen nach Berechnungen von Elternvertretern mehr als 3200 Betreuungsplätze. Im Jahr 2024 wurden rund 35 Prozent aller Kinder mit Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz nicht versorgt.

Woran liegt das? Teils fehlen Gebäude, teils Erzieherinnen. Thümling spricht von gesellschaftlichen Folgen und schlechteren Chancen für viele Kinder, denn ihnen fehle der Zugang zu früher Bildung. Daher falle es schwer, diese Realität des Betreuungsnotstands in Ludwigshafen zu akzeptieren. Aber eine schnelle Lösung dafür gebe es nicht. Der Bereichsleiter erwähnt den bundesweiten Fachkräftemangel, er berichtet über viele Kinder mit erheblichen Bedarfen und das Personal in den Kitas, das unter immensem Druck stehe. „Wir stehen vor schwierigen Jahren“, stellt der Verwaltungsmann klar. Die komplexe und schwierige Lage fordere alle.

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Weniger Kinder, weniger Probleme?

Eine Entwicklung macht Thümling unterdessen etwas Hoffnung: Der Trend, dass die Anzahl der Kinder sinke, habe sich verfestigt. Daher werde sich die Situation in der Stadt auch in den kommenden Jahren etwas verbessern, ist er sicher. Andreas Pfaff vom Bereich Stadtentwicklung nennt dazu konkrete Zahlen: Im kommenden Jahr leben in Ludwigshafen 8439 Kinder im Alter von zwei Jahren bis zum Grundschulalter. Das seien 100 weniger als im vergangenen Jahr. Allein baulich fehlen für diese Gruppe indes 1145 Plätze. Nur zwei neue Einrichtungen in der Rheinallee in Süd und in der Schanzstraße im Hemshof können bald bezogen werden.

Pascal Thümling
Pascal Thümling

In den Kitas im Stadtteil Süd seien die Wartelisten am längsten. Hier fehlen allein baulich 230 Plätze. Das bedeutet, dass mehrere neue große Kitas errichtet werden müssten, um den Rechtsanspruch auf Betreuung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr von Kindern zu erfüllen. Auch in Mundenheim, Friesenheim und Oggersheim sei die Lage sehr angespannt, erläutert Pfaff. Die geringsten Probleme gebe es dagegen in Mitte, Edigheim und Rheingönheim. In dem südlichen Stadtteil sei der Bedarf baulich sogar gedeckt, behauptet die Verwaltung. Allerdings fehle hier viel Personal. Das bedeutet, dass vorhandene Kitaplätze nicht belegt werden können, weil Erzieherinnenstellen unbesetzt sind.

70 unbesetzte Stellen

In Rheingönheim soll die katholische Kita St. Joseph bis 2027 von 50 auf 100 Plätze erweitert werden. Insgesamt plant die Verwaltung nach eigenen Angaben stadtweit 17 Ausbauprojekte. Nach geeigneten Standorten für Kita-Neubauten wird seit vielen Jahren gesucht. Um Erzieherinnen für die aktuell 70 offenen Stellen zu gewinnen, wurde nach Angaben von Bereichsleiter Thümling eine „Task Force“ gegründet, die Seiteneinsteigern den Weg ebnen, die Zusammenarbeit mit der Volkshochschule verbessern und die duale Ausbildung stärken soll. Eine Steuerungsgruppe soll die Kitaplanungen der Verwaltung wie schon im Jahr 2024 begleiten und unterstützen. Ein entsprechender gemeinsamer Antrag des Stadtelternausschusses und von CDU, SPD, Grüne im Rat, FWG und BSW wurde im Jugendhilfeausschuss einstimmig angenommen.

Der Stadtelternausschuss ist laut dem Vorsitzenden Sebastian Storck äußerst besorgt über die Situation der Kinderbetreuung in der Stadt. die Eltern registrieren keine Entspannung, sondern sprechen von einem weiteren Anstieg des Betreuungsnotstands und fordern daher, dass das Thema höchste Priorität in der Verwaltungsspitze und den Dezernaten erhalten sollte. Hier mangele es an zielorientierter Zusammenarbeit und ausreichenden personellen Ressourcen, kritisieren die Eltern.

Kritik an Stadtspitze

Andere Städte in Rheinland-Pfalz zeigten, dass Verbesserungen der Betreuungssituation möglich sind, wenn verbindliche Ziele und Zeitpläne gesetzt werden, zum Beispiel bei Neubauten und gemeinsamen Anstrengungen bei der Gewinnung von Auszubildenden. „Wie lange müssen Kinder, Eltern, Träger und Erzieherinnen noch warten, bis die Stadtspitze auf das immer weiter steigende Defizit reagiert und und die notwendigen Strukturen zur Verbesserung der Situation in den Kindertagesstätten schafft? Die aktuelle Situation ist mittlerweile für viele Familien untragbar“, betont der Stadtelternausschuss.

Gute Noten vergeben die Eltern für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit im Rahmen der „Task Force“ mit dem Bereich Kindertagesstätten der Verwaltung, den freien Trägern und den Vertretern von SPD, CDU, FWG, BSW und den Grünen. Die Task Force habe im Herbst 2024 erfolgreich erste Lösungsansätze zu den Themen Bau, Personalgewinnung und Platzvergabe erarbeitet und soll daher fortgeführt werden.

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