Leute in Lu RHEINPFALZ Plus Artikel Pascal Thümling will die Kitas besser machen

Auf Augenhöhe mit Kindern und Eltern: Pascal Thümling und Kita-Leiter Fred Bogdahn.
Auf Augenhöhe mit Kindern und Eltern: Pascal Thümling und Kita-Leiter Fred Bogdahn.

2000 Plätze fehlen in Ludwigshafen, 80 Erzieherstellen sind unbesetzt. Bei der Stadt ist Pascal Thümling für die Kindertagesstätten zuständig. Harte Monate liegen hinter ihm.

Pascal Thümling kommt zum ersten Gespräch mit der RHEINPFALZ mit dem Fahrrad. Das sei ihm lieber als ein Dienstwagen, sagt er fröhlich und zieht den Helm vom Kopf. Im Alltag sportlich unterwegs zu sein, verträgt sich für den neuen Kita-Bereichsleiter bei der Stadtverwaltung perfekt mit sehr korrekter Bekleidung: Sakko und Fliege sitzen super. Das beschere ihm oft den Vergleich mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, erzählt der 43-Jährige an der Pforte der Familienkita in der Hemshofstraße. Die hat Thümling als Ort für den Pressetermin vorgeschlagen. Denn er ist am liebsten mittendrin und mit Erzieherinnen, Kindern und Eltern im Gespräch.

Darüber freut sich auch Fred Bogdahn, Kita-Leiter im Hemshof mit jahrzehntelanger Erfahrung. Gerade erst habe seine Familienkita mit 30 Müttern beim Elterncafé Ramadan gefeiert – mit einem sehr großen Büfett. Erstmals seit zwei Jahren sei das wieder möglich gewesen, berichtet Bogdahn.

Auch Kinder sollen mitbestimmen

Die Beteiligung der Eltern spielt in der Hemshof-Kita eine große Rolle. Daher ist sie für Pascal Thümling auch ein guter Ort, um darüber zu sprechen, wie er sich seine neue Aufgabe vorstellt. Das neue Kita-Gesetz sieht vor, dass in allen Einrichtungen – 35 betreibt die Stadt, 51 die Kirchen und andere freie Träger – Eltern-Beiräte installiert werden, zusätzlich zu den Elternausschüssen. „Auch die Beteiligung der Kinder ist uns ganz wichtig“, betont der 43-Jährige.

Ein Berliner Institut für Situationsanalyse soll den Prozess modellhaft in einem knappen Dutzend Kitas begleiten. Mit im Boot sind etwa die größte städtische Kita am Ebertpark und die Einrichtung in der Gneisenaustraße. Bis Ende des Jahres soll der Prozess abgeschlossen und die Erkenntnisse auf die übrigen Kitas übertragen werden.

Krise auch als Vater erlebt

Pascal Thümling und Kita-Leiter Bogdahn sind sich einig: „Corona hat allen viel abverlangt.“ Den Familien und Erzieherinnen sowie der Verwaltung. Denn in einer Kita gehe es ja eigentlich darum, gute pädagogische Arbeit zu machen, und nicht, das Infektionsschutzgesetz umzusetzen. Die Krise hat Thümling nicht nur als Verantwortlicher, sondern auch als Vater erlebt. Mit seiner berufstätigen Frau und den zwei kleinen Kindern lebt er in der Melm. Die Familie hat genauso unter der Pandemie gelitten wie alle anderen auch.

Besonders der Start dieses Jahres sei durch die Omikron-Welle schwer gewesen. „Wir hatten auf einen anderen Frühling gehofft. Die Pandemiegeschwindigkeit seit Januar steckt uns noch in den Knochen“, fasst Thümling zusammen. Bogdahn ergänzt: „Erst jetzt fühlt es sich nach einem Neustart in den Einrichtungen an.“ Vieles müsse noch nachgeholt werden. Größere Herausforderungen gebe es zum Beispiel bei den Kindern, die jetzt eingeschult werden und die einiges verpasst haben.

Folgen für die Entwicklung

Mit Blick auf die zwei Corona-Jahre mit diversen Lockdowns und geschlossenen Einrichtungen bilanziert der Bereichsleiter: „Wir haben in der Pandemie Bildungsziele nicht erreicht. Die Kinder brauchen jetzt viel Normalität, normalen pädagogischen Alltag. Es gibt Kinder, die monatelang nicht in der Kita waren. Die sind verunsichert, das hat Folgen für die Entwicklung.“ Auch die Nöte der Erwachsenen, etwa die Angst um den Arbeitsplatz, spüre man bei den Kindern. Viele Eltern und Kinder hätten noch keine normale Kita-Zeit erlebt.

Eine weitere große Baustelle in Ludwigshafen ist für den gebürtigen Ludwigshafener, der zuletzt als Caritasdirektor in Worms zuständig für Jugendhilfe und Kindertageseinrichtungen war, die Betreuungslücke: 2000 Kita-Plätze fehlen in der Stadt, 80 Erzieherstellen sind unbesetzt, davon 42 aufgrund der neuen Aufgaben aus dem Kita-Zukunftsgesetz. „Das ist eine große Herausforderung für die nächsten Jahre“, stellt Thümling fest. Vor allem will er durch gute Arbeitsbedingungen in der Stadt und als guter Arbeitgeber Fachkräfte gewinnen, damit auch alle Gruppen und Einrichtungen betrieben werden können.

Provisorium am Rhein bleibt

Auch vor diesem Hintergrund fährt Thümling nach und nach mit seinem Fahrrad die Kitas ab und führt vor Ort mit den Fachkräften Gespräche über die stürmischen Zeiten, den enormen Verwaltungsaufwand und die Beteiligung von Mitarbeitern, Eltern und Kindern.

Über den Stadtteil Oggersheim mit zuletzt besonders vielen Engpässen sagt Thümling: „Die Lage ist wieder heiter bis wolkig.“ Die neue Kita Adolf Diesterweg sei mit drei Gruppen in den Betrieb gestartet. Ein offizielles Einweihungsfest soll es im Sommer geben. Die Kita Wörthstraße in der Innenstadt sei ebenfalls fast fertig und soll noch in diesem Jahr starten. Die Kita Süd soll demnächst vom Provisorium am Lichtenberger Ufer in den fertigen Neubau in der Orffstraße umziehen; das Provisorium am Rhein soll jedoch bleiben, weil die Plätze in der City dringend gebraucht werden. Seit Jahren sucht die Verwaltung in Süd und Mitte nach geeigneten Grundstücken für Kita-Neubauten. „Wir sind da kreativ unterwegs“, beschreibt Thümling den Prozess.

Über seine neue berufliche Aufgabe sagt der Familienvater, der Philosophie und Katholische Theologie studiert hat: „Kitas sind ein guter Ort für Prävention und Vorsorge. Sie schmieden den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ich arbeite in meinem Traumberuf.“

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