Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Die potenziellen Steinruck-Nachfolger: Welcher OB-Kandidat wofür steht

Das alte Rathaus ist bald Geschichte, das neue womöglich Teil des „Palatineo“, das am Berliner Platz bis 2027/28 geplant ist. Ob
Das alte Rathaus ist bald Geschichte, das neue womöglich Teil des »Palatineo«, das am Berliner Platz bis 2027/28 geplant ist. Ob sich die zentrale Verwaltung dort einmieten wird, prüft die Stadt jetzt.

Vier Männer wollen ab Januar Oberbürgermeister und damit Nachfolger von Jutta Steinruck (62, parteilos) werden. Das Quartett im Profil fünfeinhalb Monate vor der Wahl.

Klaus Blettner, Bewerber von CDU und FWG

Am schnellstens einig war sich die Union, wen sie für den 21. September ins OB-Rennen schicken wird – wobei auch die Christdemokraten lange mit sich gerungen haben. Denn der, den alle auf dem Zettel hatten, winkte ab: Peter Uebel (61), Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, unterlegener Stichwahl-Kandidat 2017 und Leiter eines Gesundheitszentrums, verzichtete aus privaten und beruflichen Gründen. So kam Klaus Blettner Anfang Oktober ins Spiel – seit neun Jahren in der Partei und im Juni 2024 bei der Kommunalwahl frisch in den Stadtrat gewählt. Den in Heilbronn geborenen BWL-Professor der Hochschule Ludwigshafen unterstützt auch die FWG.

„Zuhören, analysieren, handeln“

„Zuhören, analysieren, handeln“, so möchte er vorgehen, falls er an die Verwaltungsspitze gewählt wird. Uebel sagt über ihn: „Er brennt für diese Stadt und ist hochkompetent. Er geht viele Dinge analytisch an und hat einen Blick von außen. Davon kann Ludwigshafen nur profitieren.“ CDU-Parteichef Torbjörn Kartes sagt: Die Findungskommission habe sich für Blettner ausgesprochen, weil er die notwendige Berufserfahrung, Emotionalität und Empathie mitbringe.

Klaus Blettner (57, CDU) ist der Bewerber von Union und FWG.
Klaus Blettner (57, CDU) ist der Bewerber von Union und FWG.

Zum Schulterschluss mit der FWG meint der in Koblenz aufgewachsene Blettner, der mit seiner Partnerin, einer Oberärztin, in Oggersheim wohnt: „Das passt inhaltlich und menschlich. Man muss im Wahlkampf an die Themen ran, die nah bei den Leuten sind. Das ist eine Stärke der FWG.“ Im Wahlkampf, verspricht der Vater dreier erwachsener Kinder, werde er sich „die Hacken ablaufen“, an der Hochschule etwas kürzertreten und weniger Vorlesungen geben.

„Kein Mensch möchte Klugscheißer“

„Von mir wird erwartet, Lösungen anzubieten. Ich werde aber nicht so tun, als hätte ich diese alle schon. Auf komplexe Fragen gibt’s keine einfachen Antworten. Kein Mensch möchte Besserwisser oder Klugscheißer“, betont der 57-Jährige. Er wolle die richtigen Fragen stellen, konstruktive Lösungsvorschläge erarbeiten und diese konsequent umsetzen – ob in der Bildung, in der Wirtschaft oder beim Thema Migration und Sicherheit.

Klare Grenzen zieht er zur AfD. „Solange sie von Menschen wie einem Björn Höcke maßgeblich geführt und beeinflusst wird, will und kann ich mit ihr nicht ernsthaft zusammenarbeiten. Man nimmt ja auch nicht seinen Feind mit nach Hause. Und das sind Feinde der Demokratie.“

Jens Peter Gotter, SPD-Bewerber

Bei der SPD tritt mit Jens Peter „JP“ Gotter ebenfalls kein politisches Schwergewicht an. Viele hatten mit Parteichef David Guthier gerechnet, doch der 35-Jährige verzichtete auf Rücksicht auf seine junge Familie und will als Nachfolger von Beate Steeg (66, SPD) Sozialdezernent werden. Mitte Januar zauberten die Genossen daher überraschend IT-Unternehmer Gotter aus dem Hut. Der gebürtige Ludwigshafener war erst 2024 in die Partei eingetreten war. „Das war schon ein heißer Ritt“, sagt er selbst über seinen kometenhaften Aufstieg.

Vorgeschlagen hatte ihn sein früherer Klassenkamerad im Max-Planck-Gymnasium, der jetzt Ex-Bundestagsabgeordnete Christian Schreider. Er lobt „das soziale Engagement, die Dynamik und Power“ Gotters. „Diese Mischung bringt niemand anders mit. Mit ihm können wir die Wahl gewinnen.“ Die SPD wirbt mit einem Dreiklang für den 53-Jährigen: „Macher. Schaffer. Ludwigshafener.“ Er sei eine absolute Führungspersönlichkeit und beherrsche die komplette Klaviatur der Herausforderungen, sagt Guthier.

„Wirtschaft, Klima, Gesellschaft im Gleichklang“

Gotter, der mit seiner Frau, die eine PR-Agentur leitet, in Speyer lebt, ist Mitgründer der „3Jguys GmbH“, bei der er mit der Social-Media-Plattform „Arena Fans“ innovative digitale Lösungen im Sportbereich vorantreibt. Sein politisches Credo formuliert er so: „Wirtschaft, Klima und Gesellschaft müssen im Gleichklang sein.“ Für ihn gelte Praxis vor Theorie. „Die Menschen in unserer Stadt müssen wieder fühlen und wissen, dass es vorangeht.“

SPD-Bewerber Jens Peter Gotter (53).
SPD-Bewerber Jens Peter Gotter (53).

In die SPD eingetreten sei er „wegen Potsdam und der Remigrationspläne von Rechtsextremen“. Seiner Heimatstadt wolle er etwas zurückgeben. „Ich will sie wieder lebenswerter machen. Ludwigshafen hat schöne und hässliche Ecken. Aber das nach außen getragene Image passt einfach nicht“, sagt das Mitglied des 1. FC Kaiserslautern. „Bildung, Digitalisierung und die Stadtverwaltung“ nennt er als seine Kernthemen. „Man kann Prozesse beschleunigen, verschlanken und ökologischer gestalten. Ich bringe das Rüst- und Handwerkszeug aus meiner beruflichen Erfahrung dafür mit.“ Seine besten Eigenschaften fasst Gotter so zusammen: „Ich bin ein Generalist und kann viele Themen in der Breite abdecken. Ich bin ein Zahlen- und kein Bauchmensch. Entscheidungen treffe ich auf der Basis von Informationen.“

Joachim Paul, Bewerber der AfD

Ende März gesellte sich ein Mann in die Bewerberrunde, der am 23. Februar noch Landrat im Rhein-Pfalz-Kreis werden wollte, es aber nicht in die Stichwahl schaffte: Joachim Paul, 54, ledig, Ex-Lehrer, AfD-Landtagsabgeordneter. Auf einer Klausurtagung in der Südpfalz hatte ihn der Kreisverband vorgeschlagen. Dessen Vorsitzender Johannes Thiedig (48), der 2026 für den Landtag kandidiert, schätzt Pauls „Geradlinigkeit“, dessen „Ehrlichkeit“ und dessen „Fähigkeit, politisches mit pragmatischem Handeln zu verknüpfen“.

Joachim Paul (54, AfD)
Joachim Paul (54, AfD)

Dass Paul zugunsten Ludwigshafens auf eine Kandidatur bei der zeitgleich ausgetragenen OB-Wahl in Koblenz verzichtet, hängt wohl direkt mit dem Abschneiden seiner Partei hier bei der Bundestagswahl zusammen. In Ludwigshafen lag sie mit 24,3 Prozent sogar knapp vor der CDU. „Unterfinanzierung, Folgen der Massenmigration, Verwahrlosung und die stetige Belastung der Bürger bei einer gewissen Ideenlosigkeit der Wirtschaftsförderung“ – diese Probleme skizziert Paul für die 180.000-Einwohner-Stadt. Seine Prognose: „Wir haben sehr gute Chancen, in die Stichwahl zu kommen.“ Heißt: Er kann sich hier profilieren.

Die OB-Wahl habe landes-, wenn nicht sogar bundespolitische Bedeutung, findet Paul. Setzt er sich durch, wäre Ludwigshafen die erste Großstadt in Westdeutschland mit einem AfD-OB. Das würde ihm auch intern Pluspunkte bringen. Wegen zwielichtiger Aktionen nationalistischer Prägung wurde Paul bereits von der eigenen Partei diszipliniert und bestraft.

„Sind eine Volks-, keine Protestpartei“

„Wir wenden uns an alle, die einen grundsätzlichen Wandel wollen. Auch in der Pfalz haben wir schon Hochburgen aufgebaut“, sagt Paul. „Wir sind keine Protest-, sondern inzwischen eine Volkspartei. Daher müssen wir auch überall ein Personalangebot machen.“ Die scheidende Amtsinhaberin Jutta Steinruck sei zu einer Art „Reizfigur“ geworden, ihre Ex-Partei SPD befinde sich im freien Fall. Der in Bendorf geborene Politiker bewertet die Rahmenbedingungen in der Arbeiterstadt „mit ihren gravierenden Großstadtproblemen“ als exzellent für die AfD. Die bereits zu spürende Unzufriedenheit mit der sich in Berlin formierenden schwarz-roten Koalition spiele der AfD zudem in die Karten, so Paul.

Martin Wegner, unabhängiger Bewerber

Das bisherige Quartett komplettiert ein zweiter Sozialdemokrat, der allerdings als Unabhängiger OB werden will: Martin Wegner, 57, Rechtsanwalt, seit 1984 in der SPD, seit 1995 in Ludwigshafen zu Hause. Auch ihm mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Der verheiratete Vater zweier erwachsener Töchter sagt: „Ich sehe mich als Idealbesetzung.“ Und: „Mein Herz schlägt für Ludwigshafen.“ Seine Frau leitet das Bildungszentrum der Altenpflege Mannheim GmbH.

Martin Wegner (57, SPD) tritt als unabhängiger Kandidat an.
Martin Wegner (57, SPD) tritt als unabhängiger Kandidat an.

Was Wegner nicht sagt, was aber auf der Hand liegt: Mit dem Personalvorschlag seiner Partei ist der langjährige Unterbezirksvorsitzende nicht einverstanden. Er verpackt das diplomatischer: „Wir leben hier in einer Demokratie, die Menschen haben die Wahl.“ Im Falle seiner Wahl würde er seine SPD-Mitgliedschaft bis zum Ende der Amtszeit ruhen lassen.

„Die Stadt habe ich von Anfang an aufgrund ihrer Leistungskraft, ihrer Dynamik und Vielfalt stets als attraktiv und lebenswert empfunden. Ich habe mich bisher auf vielen Ebenen persönlich, parteipolitisch, in Vereinen und Initiativen für Ludwigshafen und die hier lebenden Menschen eingesetzt“, sagt Wegner. Seine berufliche Qualifikation, seine gute Vernetzung sowie die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, befähigten ihn dazu, die OB-Aufgaben „vom ersten Tag an“ in Angriff zu nehmen. Die Stadt, deren Probleme und Chancen kenne er aus dem Effeff. Und er spüre viel Rückhalt: „Ich habe einen großen Unterstützerkreis“, betont Wegner.

„Mehr Kita-Personal, mehr Wohnraum“

Um die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen zu stemmen, brauche es in einer Zeit des Wandels eine starke Stadt mit einem unabhängigen OB, der nur diesem Ziel verpflichtet sei, sagt der in Lingen im Emsland geborene Wegner. „Diese Stadt muss ordentlich geführt werden.“ Eine der wichtigsten Aufgaben werde es sein, gegen die fortwährende Unterfinanzierung durch das Land und den Bund deutlich die Stimme zu erheben. Mehr Räume und mehr Personal für Kitas, mehr Wohnraum, die Sanierung der Schulen, der Ausbau des Nahverkehrs sowie die Entwicklung der „City West“ an der geplanten Helmut-Kohl-Allee seien Aufgaben, die konsequent angepackt werden müssten, fordert er.

Ein Teil des bisherigen Erfolgs von Ludwigshafen seien die fast 4000 Beschäftigten der Verwaltung. „Deshalb ist der wertschätzende Umgang mit ihnen wichtig. Angesichts vieler unbesetzter Stellen muss sich die Stadt als attraktiver Arbeitgeber empfehlen“, so Wegner.

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