Ludwigshafen
Zuhören, analysieren, handeln: Wie OB-Kandidat Blettner die Stadt in die Zukunft führen will
Normalerweise verkünden die Ludwigshafener Christdemokraten wichtige Personalien in ihrer Geschäftsstelle in der Benckiserstraße. Dass sich der 570 Mitglieder zählende Kreisverband am Dienstagnachmittag zur offiziellen Vorstellung seines OB-Bewerbers für einen Seminarraum der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft (HWG) entschieden hat, das „Social Innovation Lab“, ist natürlich kein Zufall. Denn ihr Kandidat für die OB-Wahl in knapp einem Jahr ist ein Mann aus der Wissenschaft und seit zwölf Jahren an der HWG Professor für Betriebswirtschaftslehre: Klaus Blettner (56).
Den zweiten Grund für die Pressekonferenz an einem neutralen Ort verkörpern Markus Sandmann (46), Vorsitzender der Ludwigshafener FWG, ein eingetragener Verein mit 47 Mitgliedern, und Rainer Metz (66), Sprecher des FWG-Fraktionsquartetts im Stadtrat. Beide sitzen mit am Tisch – neben Blettner, dem CDU-Kreisvorsitzenden Torbjörn Kartes (44) und Peter Uebel (60), CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Ihre Botschaft: Als gemeinsamer Kandidat soll Blettner die bürgerliche Mitte gewinnen und ab Januar 2026 Jutta Steinruck (62, parteilos) ablösen, die auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet hat.
Verzichtet hat auch ihr 2017 unterlegener Stichwahl-Rivale Peter Uebel. Aus persönlichen Gründen hatte der ursprüngliche CDU-Favorit, insbesondere nach dem Stimmenzuwachs bei der Kommunalwahl im Juni, vor wenigen Tagen seine OB-Ambitionen begraben. Jetzt sagt er euphorisch: „Dieser Tag ist ein Meilenstein für die CDU, die FWG und auch für mich persönlich. Ich habe ein richtig gutes Gefühl. Klaus Blettner brennt für diese Stadt und ist hochkompetent. Er geht viele Dinge analytisch an und hat einen Blick von außen. Davon kann Ludwigshafen nur profitieren.“
„Krönung meiner Karriere“
Ins Schwärmen gerät auch Parteichef Kartes: Die Findungskommission der CDU habe sich für Blettner ausgesprochen, weil er die notwendige Berufserfahrung, Emotionalität und Empathie mitbringe. „Er ist der ideale OB-Kandidat und kann die Sympathien der Menschen dieser Stadt erobern.“ Er habe keinen Zweifel daran, dass Blettner die 4000 Mitarbeiter starke Verwaltung sowie den Konzern Stadt souverän führen und alle Gremien intelligent moderieren werde.
Mit der FWG gebe es große inhaltliche Schnittmengen. Das hätten die intensiven Gespräche in den vergangenen Monaten gezeigt, berichtet Kartes. So sei beispielsweise die Ansiedlung einer Medizinischen Fakultät zur klinischen Ausbildung am Standort Ludwigshafen ein verbindendes Projekt. Und natürlich sei ein Bewerber, der von zwei Partnern getragen werde, letztlich auch konkurrenzfähiger. Der Kreisvorstand stehe nahezu geschlossen hinter dieser Kooperation, die auch im Stadtrat ausgebaut werden soll. Ein Votum der CDU-Mitglieder werde folgen.
FWG: Stadt „ideologiebefreit“ nach vorne bringen
Einstimmung fiel jenes der FWG-Mitglieder aus, wie ihr Vorsitzender Sandmann betont. „In diesen intensiven Zeiten“ gehe es darum, die Stadt „ideologiebefreit“ nach vorne zu bringen. Es habe auch Kontakte zur SPD gegeben. Doch die habe sich bisher noch nicht für einen Bewerber entschieden. Außerdem habe Blettner mit seiner großen Offenheit für neue Ideen überzeugt. „Uns bietet die Kooperation die Chance, direkt mitzugestalten“, meint Kollege Metz. Der jahrelangen FWG-Forderung nach einem Kombibad stehe die CDU aufgeschlossen gegenüber. Mit der Partnerschaft werde eine große Koalition im Stadtrat definitiv verhindert, die dem politischen Diskurs schaden würde.
Den Schulterschluss mit der FWG lobt auch Blettner in höchsten Tönen. „Das passt inhaltlich und menschlich. Man muss im Wahlkampf an die Themen ran, die nah bei den Leuten sind. Das ist eine Stärke der FWG.“
Für den gebürtigen Heilbronner, der in Koblenz aufgewachsen ist, wäre der OB-Posten „die Krönung meiner Karriere“, wie er betont. Seit acht Jahren CDU-Mitglied, ist er im Juni erstmals in den Stadtrat gewählt und sofort zum Fraktionsvize befördert worden. Sollte er sich Ende September 2025 durchsetzen, wäre er nach Eva Lohse (2001 bis 2017), inzwischen 68, erst das zweite Stadtoberhaupt mit CDU-Parteibuch in der einst roten Hochburg Ludwigshafen.
Klare Abgrenzung zur AfD
Ludwigshafen hat knapp 1,3 Milliarden Euro Schulden und wird auch 2025 – bei einem Fehlbetrag von 50 Millionen Euro – erneut einen ausgeglichenen Haushalt verpassen. Mit den Hochstraßensanierungen, dem Rathausabriss und dem zum Politikum gewordenen „Loch“ auf dem Berliner Platz sind über viele Jahre hinweg gleich mehrere Großbaustellen zu bewältigen. Warum er trotz dieser extrem schwierigen Rahmenbedingungen den Finger gehoben hat, beantwortet Blettner so: „Weil mir Ludwigshafen am Herzen liegt und die Stadt immer gut zu mir war.“ Er wolle sie mit mehr Selbstwertgefühl in die Zukunft führen. Das Schlechtreden der Stadt müsse ein Ende haben.
Im Wahlkampf, verspricht Blettner, werde er sich „die Hacken ablaufen“. An der Hochschule werde er dafür etwas kürzertreten und weniger Vorlesungen geben. Zu seinem Fahrplan sagt der Vater dreier erwachsener Kinder: „Die nächsten zwölf Monate möchte ich für zwei Dinge nutzen: mich bekannter machen. Und dann will ich mit meinem Team kreative Konzepte entwickeln. Die Probleme in der Stadt liegen auf der Hand. Von mir wird erwartet, Lösungen anzubieten. Ich werde aber nicht so tun, als hätte ich diese alle schon. Auf komplexe Fragen gibt’s keine einfachen Antworten.“
„Analytiker, der zuhören kann“
Sein Angebot an die Bürger formuliert der mit einer Oberärztin liierte und im Stadtteil Süd heimisch gewordene Blettner so: „Mit mir bekommt man einen Analytiker, der zuhören kann.“ Er wolle die richtigen Fragen stellen, konstruktive Lösungsvorschläge erarbeiten und diese konsequent umsetzen – ob in der Bildung, in der Wirtschaft oder beim Thema Migration und Sicherheit.
Klare Grenzen zieht Blettner zur AfD, die mit zwölf Sitzen im Stadtrat vertreten ist. „Solange die AfD von Menschen wie einem Björn Höcke maßgeblich geführt und beeinflusst wird, will und kann ich mit ihr nicht ernsthaft zusammenarbeiten. Man nimmt ja auch nicht seinen Feind mit nach Hause. Und das sind Feinde der Demokratie.“