Meinung
Turbulenter OB-Wahlkampf in LU
OB-Wahl I: Geschadet
Vor wenigen Tagen ist das passiert, was viele befürchtet und andere gehofft haben: Die AfD mischt bei der Oberbürgermeisterwahl mit. Am Freitag ist dann das passiert, was die Sozialdemokraten mehr oder weniger überrascht beziehungsweise völlig konsterniert hat und ihrer Partei am Ende den Sieg kosten könnte – ein zweiter Bewerber aus den eigenen Reihen, der als Unabhängiger antritt: Martin Wegner. Auf ihn und den offiziellen SPD-Bewerber Jens Peter Gotter könnten sich die roten Stimmen am 21. September verteilen, was einem Klaus Blettner (CDU) und Joachim Paul (AfD) den Weg in die Stichwahl ebnen könnte. Aber wer weiß, vielleicht gesellt sich ja noch ein fünfter Kandidat hinzu – oder einer zieht wieder die Reißleine. Dann würden die Karten noch mal neu gemischt.
OB-Wahl II: Gezündelt
In Sachen Kandidaturen ist AfD-Politiker Joachim Paul schon geübt. Der Landtagsabgeordnete aus Koblenz hatte sich am 23. Februar bereits für den Landratsposten im Rhein-Pfalz-Kreis beworben, schaffte es aber nicht in den zweiten und entscheidenden Wahlgang. In Ludwigshafen könnte ihm das nun durchaus gelingen. Hier hat die AfD ein Potenzial von 25 Prozent, wie die Bundestagswahl gezeigt hat. Paul spricht Klartext – sagen seine Anhänger. Er ist ein gefährlicher Scharfmacher – widersprechen seine Kritiker. Beispiele gefällig? Gibt’s zur Genüge.
So hat Paul schon mal verkündet, er wolle Trägerinnen des Burkini „zurück nach Pakistan“ schicken, die öffentlich-rechtlichen Sender bezeichnete er als „Staatsfunk“. Ende 2023 sperrte die AfD Paul für alle Parteiämter, da er den als Erkennungszeichen Rechtsextremer geltenden „White-Power-Gruß“ gezeigt haben soll. Paul bestreitet einen extremistischen Hintergrund seiner Geste.
Anfang 2024 hatte das Amtsgericht Koblenz gegen Paul einen Strafbefehl erlassen, da dieser im Jahr zuvor ein unzensiertes Video, auf dem ein Mädchen geschlagen und gedemütigt wurde, zusammen mit einer politischen Botschaft auf Twitter verbreitet hatte. Dazu hob der Landtag seine Immunität auf. Paul legte Einspruch ein. Als er diesen zurückzog, wurde der Strafbefehl rechtskräftig.
Bei einem turbulenten AfD-Forum Ende Oktober 2023 im Ludwigshafener Pfalzbau sagte Paul: Im Hemshof sei ein „Bevölkerungsaustausch“ zu beobachten. Zur österreichischen FPÖ sagte er: „Beide Parteien führen denselben Kampf.“ Zu den „Altparteien“ meinte er: „Wir werden sie mit Mitteln der Demokratie zur Rechenschaft ziehen.“ Und: Mit dem „leistungslosen Bürgergeld“ finanziere Deutschland „den Untergang des Landes“.
Geschadet hat das dem 54-Jährigen nur bedingt, im AfD-Spektrum sowieso nicht: Bei der Bundestagswahl am 23. Februar trat Paul als Direktkandidat im Wahlkreis Koblenz an und erreichte mit 16,1 Prozent – wie bei der Landratswahl – immerhin den dritten Platz. Der würde ihn auch bei der Ludwigshafener OB-Wahl definitiv rauskegeln. Dann könnte der Ex-Lehrer sein Hobby, das Kandidatur-Hopping, fortsetzen und den nächsten Posten ins Visier nehmen: 2026 suchen unter anderem München, Rothenburg ob der Tauber oder Landsberg am Lech ein neues Stadtoberhaupt.
DFB-Pokal: Gejubelt
„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“: Diesen Klassiker hat diese Woche vermutlich auch die Familie Russo in Ludwigshafen angestimmt. Denn ihr Sohn Stefano (24) hat es im Trikot des Drittligisten Armina Bielefeld nach einem 2:1-Sieg über Titelverteidiger Bayer Leverkusen sensationell ins DFB-Pokalfinale geschafft. Was viele nicht wissen: Das Fußballspielen hat der Defensivmann beim VfR Friesenheim erlernt, bevor er 2012 zur TSG Hoffenheim wechselte. Keine Frage, wem seine Heimatstadt am 24. Mai gegen den VfB Stuttgart die Daumen drückt.