Hütten im Pfälzerwald
Waldhütte statt Gourmettempel: Das Ende einer Restaurant-Ära nach 140 Jahren
„Wir haben das Hüttenleben richtig lieb gewonnen.“ Petra Roth-Püngeler und ihr Mann Werner Püngeler strahlen, wenn sie an die letzten fünf Jahre zurückdenken. Jahrzehntelang war das Gastronomenpaar das Gesicht eines Feinschmecker-Tempels inmitten des Pfälzerwalds. Über 100 Jahre war das Restaurant Schneider in Dernbach bereits in Familienhand, als die beiden 1987 das Ruder übernahmen. Da hatte Petra Roth-Püngeler gerade als erste Frau überhaupt den Weltmeistertitel der „Chaîne des Rôtisseurs“ geholt – eine der höchsten Auszeichnungen in der Spitzengastronomie.
Doch dann war da diese Gelegenheit – und die Püngelers ergriffen sie. Das Dernbacher Haus suchte einen Nachfolger, nachdem der Pächter gekündigt hatte. Und insgeheim hatten die Püngelers die Hütte schon lange im Blick. Und so unterzeichneten sie 2021 den Pachtvertrag – damals noch mit dem Sport- und Kulturverein. Nach dessen Auflösung ging die Immobilie vor anderthalb Jahren auf die Ortsgemeinde über.
Vom Feinschmecker-Tempel in den Pfälzerwald
Theken-Gespräche statt Pinzette. Hütten-Gemütlichkeit statt gebügelter Servietten. Und vor allem den schönsten Sonnenuntergangsausblick, den man sich vorstellen kann. Und den können die beiden nun auch tatsächlich mal zum Feierabend genießen, denn im Gegensatz zum Abendbetrieb im Spitzenrestaurant macht die Waldgaststätte bereits vor der „Tagesschau“ die Schotten dicht. „Wir genießen das, in der Sonne noch mit den Gästen zusammenzusitzen, das ist wie ein Stück Urlaub“, sagt Petra Roth-Püngeler. Wobei dann trotzdem schon ein Zehn-Stunden-Tag hinter den beiden liegt.
Aber darüber machen sich die beiden – trotz ihrer inzwischen 60 und 71 Lenze – keine großen Gedanken. Durch ihre Adern fließt nun mal Gastronomenblut. Das bekomme man nicht raus. Das gilt auch für Petra Roth-Püngelers Ansprüche in der Küche, die sie zusammen mit Marc Müller führt, der zuvor schon 15 Jahre im Restaurant Schneider Küchenchef war. Fertigprodukte kommen ihnen nicht ins Haus. „Wir machen alles frisch“, betont die renommierte Köchin und schiebt nach: „Da würde ich mich selbst noch tief in der Nacht in die Küche stellen, um Soße anzusetzen, bevor hier Tütenpulver angerüht wird.“
Keine Tüte. Punkt
Die Gäste danken es. „Wir haben inzwischen sogar viele, die nicht nur beim Wandern hier vorbeikommen, sondern extra zum Essengehen zu uns kommen“, erzählt ihr Mann. Von Mannheim bis zum Saarland finden Gäste dorthin. Letzteres verwundert nicht, stammt der gelernte Restaurantfachmann doch von dort – und hat neben Pfälzer Spezialitäten und saisonalen Tagesgerichten, die das Dernbacher Haus anbietet, auch etwas aus der Heimat dort etabliert: „Gefillde“ – mit Lyoner gefüllte Klöße auf Specksoße und Kraut.
Ihr Pachtvertrag läuft bis 2032. So lange werden die beiden auf jeden Fall die Waldgaststätte betreiben, der sie gerade mit neuem Sitzmobiliar eine Frischzellenkur gegönnt haben. „Die alten Tische und Stühle waren 50 Jahre alt. Es war an der Zeit“, meint Püngeler. Diese bieten nun 70 Gästen im Inneren Platz, hinzu kommen 150 Sitzplätze im Außenbereich. Ob die beiden auch danach noch weitermachen wollen? Das werde sich zeigen. Vorstellen können sie es sich schon, meinen sie und schenken sich ein Lächeln. „So lange es Spaß macht und die Gesundheit mitspielt.“
Das Ende einer Ära nach vier Generationen
Was aber definitiv beendet ist, ist ein Restaurant Schneider unter ihrer Ägide. Seit über einem Jahr ist das Dernbacher Gourmet-Restaurant nunmehr geschlossen. Sohn Stefan Püngeler hatte dort 2022 zusammen mit seiner Partnerin Michela De Munno die Küchenleitung übernommen, nachdem die beiden nach mehreren Stationen in der Sterne-Gastronomie in der Pfalz ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Ende 2024 entschieden sie sich, auf eigenen Beinen zu stehen. In Maikammer betreiben sie seitdem das Traditionshaus Dorf-Chronik.
Anfangs hatten die Eltern noch mal einen Neustart im Dorf ins Auge gefasst. „Wir haben lange darüber nachgedacht, aber das ist uns in unserem Alter jetzt einfach zu viel.“ Die Entscheidung steht. Vier Generationen Familienbetrieb enden. Was mit dem Haus passiert, steht noch in den Sternen. „Vielleicht verpachten, ansonsten müssen wir es wohl verkaufen.“
Hütten-Checkliste
Vegetarische Speisen: ja
Vegane Speisen: auf Wunsch
Spielplatz: ja
Wickelmöglichkeit: ja
Übernachtungsmöglichkeit: nein
Kartenzahlung möglich: ja (nur EC)
Barrierefreiheit: weitgehend ja (2 Stufen zum Gastraum)
Anfahrt: am nördlichen Ortsausgang Dernbach steil hinauf (ausgeschildert); öffentliche Parkplätze 150 Meter unterhalb des Dernbacher Hauses oder am Ortsausgang (800 Meter Fußweg); 2 Behindertenparkplätze direkt vor dem Haus
Info: Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 11.30 bis 19 Uhr (Küche bis 17.45 Uhr); im Sommer bis 20 Uhr; www.dernbacherhaus.de
Hütten im Pfälzerwald
Eine Übersicht mit Karte der über 100 bewirtschafteten Hütten im Pfälzerwald – inklusive Öffnungszeiten, Hüttenporträts und RHEINPFALZ-Wandertipps finden Sie unter rheinpfalz.de/huetten
