Dernbach / Maikammer
Püngelers verlassen Restaurant Schneider: Neustart in Dorf-Chronik
Das Restaurant Schneider zählt zu den kulinarischen Top-Adressen der Südpfalz. Da sorgt eine Schließungsankündigung wie diese „Ab 1. Januar werden wir eine kreative Pause einlegen“ für fragende Blicke bei vielen. Was ist da los? Seit 140 Jahren ist das schmucke Fachwerkhaus inmitten der Pfälzerwald-Gemeinde Dernbach ein beliebter Anlaufpunkt für Genussfreunde. Seit vier Generationen ist die Gaststätte ein Familienbetrieb. In den 1990er-Jahren kam noch ein Hotel hinzu, 2021 zudem die beliebte Waldhütte Dernbacher Haus.
2019 kehrte Sohn Stefan Püngeler nach Stationen in mehreren Sterne-Restaurants – Schloss Eberstein bei Baden-Baden, Thomas Merkle am Kaiserstuhl, Fährhaus auf Sylt – zurück in den elterlichen Betrieb, um den Generationenwechsel einzuleiten. Drei Jahre später übernahmen er und seine Partnerin Michela De Munno die Küchenleitung. Mutter Petra Roth-Püngeler, die 1987 als erste Frau überhaupt den Weltmeistertitel der „Chaîne des Rôtisseurs“ geholt hatte, und Vater Werner Püngeler konzentrieren sich seitdem aufs Dernbacher Haus. Doch nun stehen große Veränderungen an.
Familie Schwaab zieht sich aus Altersgründen zurück
An Silvester werden die Jüngeren zum letzten Mal in der Küche des Restaurants Schneider stehen. Dann schließen sich dort die Türen auf bislang unbestimmte Zeit. Ab 1. Februar wird das junge Paar in einem anderen Traditionshaus das Ruder übernehmen – und zwar in der Dorf-Chronik in Maikammer. Und das kommt so.
Das urige Fachwerkanwesen mitten im Ortskern des Weinstraßendorfs blickt bereits auf eine fast 280-jährige Geschichte zurück. Seit 1987 beherbergt es nicht nur das Weingut Schwaab, sondern auch ein Restaurant. Das Traditionslokal hatte schon diverse Pächter, bis Marion und Stefan Schwaab 2011 den Betrieb in Eigenregie übernahmen. Doch irgendwann komme dieser Tag X, an dem man sich sage: „Wir haben das nun 14 Jahre gemacht. Jetzt ist auch mal gut“, erzählt die 65-Jährige beim RHEINPFALZ-Besuch im Lokal, das seit 1. Dezember geschlossen ist. Das Weingut werden ihr 63-jähriger Mann und sie weiter betreiben. Für das Restaurant seien sie seit 2023 auf Nachfolgersuche gegangen. Und manchmal fügen sich die Dinge.
Problem: Mitarbeitermangel
Denn auch ein paar Kilometer entfernt begaben sich zwei junge Küchenchefs auf Suche nach einer neuen Wirkungsstätte. Die Personalsituation in der Gastronomiebranche ist bekanntlich angespannt. Das spüren Stefan Püngeler und Michela De Munno Tag um Tag, seitdem sie 2022 die Küchenleitung im Restaurant Schneider übernommen haben. Mit rund 80 Plätzen ist der Betrieb ziemlich groß. Doch Dernbach liegt abgeschieden zwischen Wiesen, Bergen und Wäldern. Mitarbeitermangel sei zum Dauerproblem geworden, berichtet die 28-Jährige, die schließlich neben der Pâtisserie auch die Serviceleitung stemmen musste.
Deswegen seien sie auf Suche nach einer kleineren, aber feinen und zentraler gelegenen Lokalität in der Umgebung gegangen. „Ein Glücksgriff“, das sagen sowohl die Püngelers über ihr neues Domizil als auch das Ehepaar Schwaab über seine Nachfolger. „Wir hatten davor schon andere Bewerber hier. Aber man bemerkt einfach, wenn es klick macht und passt“, findet Marion Schwaab. Die beiden Jungköche hätten mit ihrem Können, ihrer Leidenschaft und ihrem Konzept gleich überzeugt. Was also planen die beiden in Maikammer?
Juniors gehen eigene Wege
„Wir bleiben unserem Küchenstil aus Dernbach treu“, erklärt der 32-Jährige. Also regionale Küche, französisch angehaucht, mit hochwertigen Produkten. Zusätzlich werde sich künftig die italienische Heimat seiner Frau in der Speisekarte widerspiegeln. Die 28-Jährige kommt aus Kalabrien. Dort ist das junge Paar auch mindestens einmal pro Jahr zu Besuch. „Authentische, handgemachte Pasta, Ragout Napolitana“, schwärmt Stefan Püngeler von den kulinarischen Eindrücken, die er dort jedes Mal erleben dürfe. Das wollen die beiden nun auch hier zum Teil ihrer Küche machen. Die Produkte werden sie aus Italien beziehen, für den Nudelteig steht Michela De Munno natürlich selbst in der Küche. Auch wenn noch der Service geleitet werden will, und sie für ihre große Leidenschaft – die Pattiserie – weiterhin den Hut aufhaben wird.
Einst hatte Stefan Püngeler sie ans süße Metier herangeführt. „Aber wie das so ist: Der Schüler überholt den Meister“, meint er stolz. Für Furore sorgte sie etwa mit ihrem Kunst-Dessert in Anlehnung an das Ballonmädchen des britischen Streetart-Künstlers Banksy. Das werde auch weiterhin auf der Dessert-Karte zu finden sein, verspricht sie. Sowohl der süße als auch der herzhafte Bereich werde vom Mix aus Pfälzer, französischer und mediterraner Küche leben. Zudem sollen neben der sehr feinen Richtung mehr Gerichte für den Alltag aufgenommen werden. „Damit wollen wir das preisliche Niveau senken, um nicht mehr nur für besondere Anlässe da zu sein“, erklärt die 28-Jährige, die 2019 der Liebe wegen nach Dernbach kam.
Ihre Liebe werden die beiden sogar auf den Teller bringen. In der Dorf-Chronik wollen De Munno und Püngeler jeweils am letzten Freitag im Monat thematische Menüabende anbieten. „Unser dritter Hochzeitstag fällt auf so einen Tag“, berichtet die 28-Jährige. „Dann werden die Gäste private Einblicke bekommen.“
Wie geht es in Dernbach weiter?
Eines wollen die beiden, trotz ihrer Vorgeschichte in hochdekorierten Häusern, gleich klarmachen: Einen Stern streben sie „auf keinen Fall“ an, wie De Munno klipp und klar sagt. Das würde zu viele Zwänge mit sich bringen. „Wir wollen lieber einen Ort erschaffen, an dem sich jeder wohl fühlt.“ Die Gäste kulinarisch zu verwöhnen, in einer herzlichen-familiären Atmosphäre, das stehe für sie im Vordergrund. Auch Vegetarier werden auf ihre Kosten kommen, auf vegane Wünsche gingen sie gerne ein.
Doch wie geht es nun in Dernbach weiter? Das Dernbacher Haus wollen Petra Roth-Püngeler und Werner Püngeler, die dort 2022 die Leitung übernommen haben, wie bisher weiterführen. Die Zukunft des Restaurants im Ort, das den Eltern gehört, stehe noch in den Sternen, sagen Stefan Püngeler und Michela De Munno, die für alle weiteres an die Elterngeneration verweist, aber versichern, dass die Püngelers zusammenstünden und es keine familiären Gründe dafür gebe, dass sich die Wege nun trennten. Auf Anfrage der RHEINPFALZ möchten die Eltern zur derzeitigen Situation keine Stellung nehmen. Auf der Homepage des Restaurants schreiben sie, dass sie die Kreativpause ab Januar nutzen wollen, „um neue Ideen zu entwickeln und frische Inspirationen zu sammeln“.
Info
Dorf-Chronik Maikammer, Markstraße 7, geöffnet ab 1. Februar, Freitag bis Dienstag ab 17 Uhr, zudem Samstag und Sonntag 12 bis 14.30 Uhr. Kontakt: E-Mail info@diedorfchronik.de oder Telefon 0157 51207532.