Neustadt
Am Bahnhaltepunkt Böbig verändert Neustadt sein Gesicht (mit Bildergalerie)
Wer vom Bahnsteig des Bahnhaltepunkts Böbig Richtung Landwehrstraße schaut, blickt derzeit auf eine große Baustelle. Wobei das eigentlich nicht ganz korrekt ist. Denn tatsächlich sind es mehrere Baustellen nebeneinander. Neustadts Baudezernent Bernhard Adams (parteilos) spricht von einer logistischen Herausforderung, denn dort arbeiten fünf Firmen gleichzeitig. Adams zeigt bei einem Rundgang mit weiteren Vertretern der Verwaltung, beteiligter Firmen und der Landesgartenschaugesellschaft die Entwicklung in dem Bereich.
Im nördlichen Abschnitt wird auf dem Gelände der Landesgartenschau (LGS) gearbeitet. Hier, gegenüber des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums, entsteht einer der beiden Haupteingänge der LGS. Konstantin Boltenhagen, der im vergangenen Jahr als Chef der Tiefbau-Abteilung in den Ruhestand gegangen ist, aber noch einige Projekte für die Stadt betreut, fordert dazu auf, die Augen zu schließen und sich vorzustellen, wie es hier früher aussah. Adams hilft der Erinnerung auf die Sprünge: „Das war Kraut und Rüben, ein Brachgelände.“ Im hinteren Teil habe es einzelne Kleingärten gegeben.
Nun ist schon der urbane Stadtpark mehr als zu erahnen, wie ihn Michael Rösel von der LGS-Gesellschaft bezeichnet. Die Wege sind angelegt, sie werden noch eine wassergebundene Decke erhalten. Die künftigen Grünflächen wurden gerade eingesät, sehr zur Freude einer Taube, die dort pickend entlangspaziert.
Am Nordrand wird das Kleingarten-Ambiente aufgegriffen, mit Hochbeeten und einem Gartenhäuschen, das dort stehen gelassen, aber aufgemöbelt wurde. Auch alte Obstbäume sind zu finden. Rösel spricht von einem Naschgarten. Es wird noch eine lange Tafel aufgestellt, die zum Picknick einladen soll. Während der LGS wird der Bereich unter anderem von den Imkern bespielt.
Speyerbach deutlich breiter
Das stark veränderte Antlitz des Bereichs zeigt sich nicht zuletzt auch am Speyerbach, an dem eine Firma für Gewässerrenaturierung zugange ist. Der Bach wurde aus seinem Betonbett befreit. Die Bausteine liegen sauber gestapelt an seinem Ufer. Die würden an anderer Stelle wiederverwendet, erklärt Adams, „früher hätte man die einfach weggeschmissen.“ Durch die Renaturierung ist der Speyerbach auch deutlich breiter geworden, von sechs auf 20 bis 25 Meter, berichtet Rösel.
Aktuell verschwindet der Bach vor der Eisenbahnunterführung übrigens in drei Röhren, die dazu dienen, die Baustelle an der Unterführung trocken zu halten. Diese besteht aus zwei Bögen. Durch den rechten (von der Landwehrstraße aus gesehen) fließt der Speyerbach. Der linke sei für Hochwasser gebaut worden, erklärt Boltenhagen. Dadurch türmt sich das Wasser in solchen Fällen nicht am Eisenbahndamm auf.
Doppelbogen ein Glücksfall
Für Neustadt ist der zweite Bogen ein Glücksfall. Denn da soll künftig der neue Rad- und Gehweg durchführen. Der Baudezernent nennt dazu die Alternativen für die Fortführung des Radwegs, der in der Wallgasse beginnt: eine Brücke, die extrem hoch hätte werden müssen, weil sie über die Oberleitungen der Eisenbahn reichen müsste. „Das wäre vom Stadtbild her eine Katastrophe gewesen“, sagt Adams, und außerdem nicht zu finanzieren. Letzteres gelte auch für die zweite Variante, einen Tunnel.
Der Beigeordnete sagt, dass 99 Prozent der Neustadter diesen Bereich gar nicht kennen würden, weil er bisher kaum zugänglich war. Und er wisse von vielen, dass sie sich nicht vorstellen können, wie der Radweg dort durchpassen solle. Aber es werde mit einem Trogbauwerk gelingen. Rösel geht davon aus, dass die Arbeiten hier in etwa drei Monaten abgeschlossen sind.
Adams führt dann ein kleines Stück die Landwehrstraße entlang, zum Böbig-Parkplatz. Auch hier fordert Boltenhagen wieder auf, sich den früheren Zustand vors innere Auge zu holen: Es war ein schmuckloser Platz, der keinerlei Aufenthaltsqualität besaß. Das soll sich ändern.
Das Regenwasser wird genutzt
Die neue Gestaltung zeichnet sich bereits deutlich ab, auch weil die Bäume bereits gepflanzt wurden, was selbst Adams wundert. Tiefbau-Abteilungsleiter Martin Utech erklärt, dass es nicht nur damit zusammenhängt, dass sich die Bäume bis zur Gartenschau prächtiger entwickeln sollen. Es seien auch Fristen einzuhalten gewesen, um an Geld aus Fördertöpfen zu kommen. Boltenhagen berichtet, dass Baumrigolen eingebaut wurden, also Pufferspeicher, die das Regenwasser aufnehmen. So komme die Flüssigkeit den Bäumen zugute und werde nicht wie bisher ungenutzt in den Speyerbach geleitet.
Die Umgestaltung hat Parkplätze gekostet, auch weil diese künftig breiter sind, 2,65 statt 2,20 Meter. Früher konnten manchmal nicht alle Stellplätze genutzt werden, weil manche Autos zu breit dafür waren. Wie viele Parkplätze es künftig noch gibt, geht aus der Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der SPD-Stadtratsfraktion hervor. Demnach gab es am Böbig vor Beginn der Bauarbeiten 109 Stellplätze. Für die Renaturierung des Speyerbachs musste die nördliche Stellplatzreihe mit 24 Plätzen entfallen. Fünf weitere fallen einer neuen überdachten Radabstellanlage zum Opfer, auch die Verbreiterung reduziert die Anzahl. Weitere sieben Stellplätze werden laut Stadt als Längsparkplätze neu entlang des Bahndamms angeboten. In der Summe stehen auf dem Park-and-Ride-Parkplatz am Ende 72 Pkw-Stellplätze zur Verfügung. Zum teilweisen Ersatz wurden bereits 15 Parkplätze entlang der Landwehrstraße ausgewiesen. Die Stadt informiert aber auch, dass diese im Fall von Schienenersatzverkehr zum Teil vorübergehend wegfallen.
Pascal Kirschvink vom Büro Hofmann und Röttgen weist darauf hin, dass auf dem Parkplatz und in seinem Umfeld viel los ist. Dem werde der Bereich künftig gerecht, indem er nicht nur gestalterisch ansprechend werde, sondern eine klare Ordnung erhalte – mit einer eindeutigen Wegeführung und nur einer Ein- und Ausfahrt. Die Aufenthaltsqualität steige durch Sitzbänke, die es bisher nicht gab. Außerdem gibt es barrierefreie Bushaltestellen. Die Arbeiten an der Landwehrstraße sind in den Sommerferien geplant.
Die Rampe nimmt Form an
Bleibt noch der letzte Teil des Baustellenareals, der sich nahtlos anschließt: Eine neue Rampe wird den barrierefreien Weg zum Bahnsteig verkürzen. Die Betoneinfassungen der Rampe sind zum großen Teil schon zu sehen. Die neue Treppe wird breiter als die bisherige und etwas anders verlaufen, aber ungefähr an der gleichen Stelle auf den Bahnsteig stoßen wie bisher. Die Betonarbeiten werden laut Tobias Ehl von der Firma Schenck und Ehl Ingenieure bis Ende Oktober erledigt sein. Danach folgen die Auffüllung der Zwischenräume mit Erde und die Begrünung. Bis Jahresende soll die Baustelle abgeschlossen sein.
Ehl ist sich bewusst, dass das Betonbauwerk etwas wuchtig wirken kann. Der Eindruck verschwinde aber, wenn das Grün gewachsen sei. Kirschvink meint gar, Pendler und andere Zugfahrer würden künftig auf eine „grüne Böschung“ blicken.