Kaiserslautern
Warum Online-Leser der RHEINPFALZ mitbestimmen, über was wir schreiben
Kaiserslautern, Herbst 2024. In der Neuen Stadtmitte wird abgerissen, gegraben und gepflastert, eines der größten Millionenprojekte der vergangenen Jahre nähert sich seinem Ende – und so langsam offenbart sich, was den Bürgern im Herzen ihrer Stadt bald blüht. Oder besser gesagt: was nicht. „Verkommt die Neue Stadtmitte zur Pflasterwüste?“, fragt die RHEINPFALZ am 10. Oktober, Hintergrund des Artikels ist ein sichtbarer Mangel an Bäumen, Sträuchern und schattigen Plätzchen. Immer wieder war die Sanierung hitzig diskutiert worden, sie war zum Daueraufreger emporgestiegen, zum Zankapfel in Rat und städtischer Gesellschaft. Über ein Jahrzehnt hatte der Streit gedauert. Auch jetzt, im Herbst 2024, bewegt die Menschen, was im Lautrer Zentrum passiert. Wir von der RHEINPFALZ erkennen das in diesen Tagen nicht nur an der Anzahl von Zuschriften, die in unserem Mail-Postfach landen – sondern in erster Linie an den 18.500 Online-Aufrufen. Damit sind im ganzen Jahr nur drei andere Plus-Artikel aus der Lokalredaktion Kaiserslautern stärker gelesen worden als der zur Neuen Stadtmitte.
Trifft der Artikel einen Nerv – oder nicht?
Solche Analysewerte, die Reichweite eines Textes, gehören längst zum Alltag in den Redaktionen einer Tageszeitung. Was sie uns verraten? Ganz einfach: An ihnen erkennen wir, welche Themen unsere Leserinnen und Leser fesseln, von welchen sie sich angesprochen fühlen. Erst einmal im Netz, natürlich. Aber Artikel, die dort gut funktionieren, also ordentlich geklickt werden, stoßen auch im gedruckten Blatt oft auf ein breites Interesse.
Unser Auftrag ist es eben nicht nur, im dunklen Kämmerchen darauf zu warten, bis der Stadtrat mal wieder eine Entscheidung fällt. Nein, unsere Aufgabe ist es, eine Agenda zu setzen – unter Mithilfe der Leser und ihrer Bedürfnisse. Wir sehen, was sie interessiert. Also schreiben wir darüber. Klar, oder? Wenn Artikel online gut laufen, wenn sie Tausende Male in der App oder auf Google geklickt werden, dann wissen wir: Hier müssen wir dran bleiben, diese Geschichte sollten wir weiterspinnen, da müssen wir nachfassen – und zwar, indem wir die Story anders erzählen als bisher. Aus einem neuen Blickwinkel heraus, mit einem ungewohnten Ansatz, einem kreativen Format, von der Reportage bis zur Analyse, bunt gemischt. Im Fachjargon nennen wir das: eine Themenkarriere. Denn allein mit der Nachricht und einem Kommentar ist eine komplexe Sache ja nicht abgetan, in ihr steckt noch so viel mehr. Man braucht als Lokaljournalist ein Gespür für Themen, die gelesen werden wollen. Ein Gefühl für Geschichten, die die Menschen berühren – auch mal fernab von Kriminalität, Sex oder Skandalen.
„Park & Control“, illegaler Müll, die Freilegung der Lauter
Und da sind es heute gerade Statistiken, die untermauern, was sich nachzudrehen lohnt – weil die Zahlen nahelegen, dass der Artikel bei den Leuten einen Nerv getroffen hat. Oder eben nicht. Es versteht sich von selbst, dass wir nicht ausschließlich über solche Themen schreiben. Denn niemals könnten wir so unserer Pflicht gerecht werden: verlässlich und umfassend zu informieren. Die Interessen der Leser aber aufzugreifen, für uns ist das in einer digitalisierten Welt, bei der Flut an Informationen, wichtiger denn je.
Zurück zum Beispiel Neue Stadtmitte. Als der Artikel vom 10. Oktober, nun ja, eine rasante Verbreitung fand, war das für uns damals das Signal, den Finger in die Wunde zu legen. Also haben wir mit einem Stadtklimatologen von der RPTU gesprochen – das Interview mit ihm gehört ebenfalls zu den am häufigsten gelesenen Texten in 2024, 8500 Aufrufe. Und damit ist die Geschichte nicht vom Tisch, andere Perspektiven kommen. Ähnlich vorgegangen sind wir bei der Berichterstattung über die privaten Knöllchenjäger von „Park & Control“, den illegalen Müll in den Straßen oder die Lauterfreilegung. Am Anfang stand hier immer ein stark gelesenes Stück, Tausende Klicks, der Auftrag sozusagen, der Sache weiter nachzuspüren. Aus der Kaiserslauterer Villa Glaeser etwa ließe sich schon gleich eine neue Themenkarriere stricken – beide Artikel zu ihrer Versteigerung in diesem Januar wurden über 30.000-mal gelesen. Die Zukunft des Lost Places an der Eselsfürth, er treibt die Menschen um.
Natürlich, Aufrufzahlen im Netz sind nicht alles. Besonders sind sie kein Wunderwerkzeug, um spannende oder aufregende Stories auszugraben. Heute, da ein großer Teil unserer Abonnenten die RHEINPFALZ aber digital liest, wir online Hunderttausende von Pfälzern erreichen, sind sie eine unverzichtbare Hilfe. Sie zeigen uns: Dranbleiben kann sich auszahlen – um den Lesern mit „ihren“ Themen aus der Seele zu sprechen, sie abzuholen. Vergleichbare Werte für die Artikel der gedruckten Zeitung nämlich, die gibt es ganz einfach nicht.


