Reise RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn der Traumurlaub zur Falle wird: So kennen Sie betrügerische Buchungsportale

Mit dem Internet ist die schöne Urlaubswelt nur ein paar Klicks entfernt. Und je mehr Geschäft lockt, desto mehr ruft das auch B
Mit dem Internet ist die schöne Urlaubswelt nur ein paar Klicks entfernt. Und je mehr Geschäft lockt, desto mehr ruft das auch Betrüger auf den Plan.

Gefälschte Portale, gehackte Buchungen, windige Abo-Modelle: Das Onlinegeschäft mit Reisen ruft auf allen Ebenen Betrüger auf den Plan. Worauf man aktuell achten sollte.

Von Martin Wein

Edreamtrips.com sieht aus wie eine normale Buchungsplattform für Reisen. Flüge und Hotels zu Schnäppchenpreisen gibt es da – etwa im Juni von Stuttgart mit Lufthansa nach Mallorca für 98 Euro. Oder von Frankfurt nach Rom für 48 Euro. Die Sitzplatzreservierung sei kostenlos und ebenso die Stornierung, heißt es. Und dazu gebe es für wenige Tage 25 Prozent Rabatt für Neukunden. Da wäre man doch blöd, wenn man nicht buchte?

Blöd wäre man, wenn man nicht ins Impressum schaute, das diese Seite tatsächlich aufweist. Darin wird als Betreiberin lediglich eine eDream Travel LTD genannt. Ladungsfähige Adresse oder Namen der Geschäftsführung – Fehlanzeige. Seit dem 18. Mai warnt die von der österreichischen Internet-Ombudsstelle unterstützte unabhängige Informationsplattform watchlist-internet.at eindringlich vor edreamtrips: „Bei diesem Online-Reisebüro gibt es keinen Traumurlaub zum Schnäppchenpreis, denn es handelt sich um Betrug“, heißt es dort. Auch die Traumvillen – alle mit herrlichem Pool – auf mallorcaholidayhomes.com sind nach Einschätzung der Watchlist-Mitarbeiter nur eine digitale Fata Morgana. Der Anbieter zeigt zwar Fotos, angebliche Bewertungen und eine Karte beispielsweise der „Villa Vera“ in Port d’Andratz. Wer allerdings die angegebene Adresse bei Google Maps eintippt, stößt auf ein ganz anderes Haus – und von einem schönen Natursteinpool ist weit und breit nichts zu sehen. Ein Impressum mit Betreiberangaben haben die Betrüger, die nicht einmal mit Schnäppchen-Preisen werben, nicht angegeben.

Zwei Dritte der Reisen werden in Deutschland online gebucht

Rechtsanwalt Malte Hotes engagiert sich in der Europäischen Gesellschaft für Tourismus- und Reiserecht (EGTR). Er empfiehlt, nichts zu überstürzen. Mieter von Ferienhäusern oder -wohnungen sollten Objekte möglichst gut etwa mit Fotos früherer Mieter überprüfen, bevor sie die Miete vorab überweisen oder mit Karte bezahlen.

Bei Mängeln an der gebuchten Unterkunft drohe ein Schadenersatzprozess im Gastland, wenn es sich nicht um eine Pauschalreise handele. Noch härter treffe es jene, die auf Internetbetrüger reinfielen. Hier sei das gezahlte Geld oft gänzlich weg. Mit dem Internet ist die schöne Urlaubswelt nur ein paar Klicks entfernt. Der Markt ist riesig. Bei mehr als zwei Drittel aller Reisen werde in Deutschland inzwischen mindestens eine Reiseleistung wie Flug, Hotel oder Mietwagen online gebucht, berichtet nicht ganz uneigennützig der Verband Internet Reisevertrieb. Anders als bei den klassischen Reisebüros ist es indessen schwierig, im Konfliktfall der Verursacher habhaft zu werden.

Und je mehr Geschäft hier lockt, desto mehr ruft das auch Betrüger auf den Plan. So warnt die Verbraucherzentrale NRW vor wiederholten Betrugsversuchen bei der niederländischen Buchungsplattform Booking.com. Kriminelle hacken dazu die Accounts angeschlossener Unterkünfte und stehlen reale Buchungsdaten. Dann melden sie sich im Portal selbst per Nachricht oder per E-Mail oder Whatsapp-Nachricht im Namen des Hotels bei den Kunden und bemängeln fehlerhafte Kreditkartendaten. Man möge die doch bitte nochmals angeben. Booking bestätigte Ende April einmal mehr, „verdächtige Aktivitäten“ festgestellt zu haben. Die Verbraucherschützer raten unsicheren Kunden, im Zweifel die Unterkunft direkt zu kontaktieren und nach Unstimmigkeiten zu fragen. Auf Unterstützung oder Wiedergutmachung durch das Portal selbst im Schadensfall sollte man nicht vertrauen.

Achtung Abo-Falle

Auch bei Mietwagenbuchungen im Internet drohen Fallstricke. Wer über ein Online-Portal buche, habe meist drei Vertragspartner: das Portal, den Vermittler und den Vermieter vor Ort, berichtet Stiftung Warentest. Um böse Überraschungen zu vermeiden, empfehlen die Verbraucherschützer nur Verträge, die sich bis 24 Stunden vor Mietbeginn stornieren lassen. Auch eine Vollkasko-Versicherung inklusive Scheiben-, Reifen- und Unterbodenschutz sei sinnvoll.

Als neue Betrugsmasche bieten Internet-Portale an, den Online-Check-in für Flüge zu übernehmen. Darauf weist das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) hin. Unter Adressen wie checkin.my-trip-online.com werben sie damit, Fluggäste zum frühestmöglichen Zeitpunkt auf den bestmöglichen Plätzen einzuchecken. Mit Zugriff auf das Kundenpostfach würden alle Flugbuchungen sogar automatisch erkannt. Am unteren Ende der Seite findet sich dann allerdings der Haken. Der Service ist testweise nur für drei Tage kostenlos.

Danach werde eine Abogebühr von 49 oder 79 Euro im Quartal fällig. Gleichzeitig berichteten Verbraucher, dass die Dienstleistung trotz dieser Zusatzkosten nicht wie erwartet erbracht werde oder sogar ganz ausbleibe, sagt Malina Garcia, Juristin beim EVZ.

Vor allem bei Wizz Air seien derartige Anbieter als Trittbrettfahrer zuletzt aufgefallen. Die Billig-Airline fliegt von Stuttgart aus nach Budapest, Skopje in Nordmazedonien, Sofia und Warschau-Modlin sowie vom Flughafen Frankfurt-Hahn nach Tirana in Albanien, Tuzla in Bosnien-Herzegowina, Kutaisi in Georgien und ebenfalls Skopje.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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