Grünstadt / Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Sparkasse warnte: Pfälzer lockt Telefonbetrüger in Polizei-Falle

Hier war jemand wachsam und hat so einen Kunden vor Kriminellen beschützt: Sparkasse in Grünstadt.
Hier war jemand wachsam und hat so einen Kunden vor Kriminellen beschützt: Sparkasse in Grünstadt.

Die Bank schlägt Alarm, ein 68-Jähriger wird vom Beinahe-Opfer zum Helfer der Ermittler: So ist in Grünstadt ein Krimineller aufgeflogen. Ist er in weitere Fälle verstrickt?

Dass vor allem den älteren Menschen in der Region wieder akute Gefahr droht, bekommt die Polizei am Dienstag nach Pfingsten schnell mit. Um 12.29 Uhr veröffentlicht sie eine Warnmeldung für den Raum Neustadt, exakt zwei Stunden später folgt eine weitere für Grünstadt. Inhalt: Es kommt im jeweiligen Gebiet gerade wieder zu betrügerischen Anrufen nach einem ebenso bekannten wie berüchtigten Muster. Kriminelle geben sich als Staatsanwälte, Polizisten oder Angehörige der Betroffenen aus, erzählen ihnen erfundene Horrorgeschichten und wollen sie so um ihre Ersparnisse bringen.

1200 Euro in Bad Dürkheim ergaunert

Dass die Betrüger die Telefone in einer Region dann gleich reihenweise klingeln lassen, ergibt sich aus ihrem Geschäftsmodell: Zwar wollen sie ihre Opfer manchmal auch zu Überweisungen verleiten. Denn die lassen sich nicht mehr rückgängig machen, wenn der Betrag schnell ins Ausland weitergeleitet wird. Doch oft setzen sie darauf, dass sie Bargeld oder Wertsachen direkt in Empfang nehmen können. Dafür müssen sie Abholer einsetzen. Die lauern dann vor Ort, bis ihre Anrufer-Komplizen jemanden hinters Licht geführt und die Übergabe eingefädelt haben.

Dass die Kriminellen mit dieser Masche leider wieder einmal Erfolg hatten, muss die Polizei schon bald nach ihren eindringlichen Hinweisen vermelden. Betrogen worden ist demnach eine Frau, die zwischen den beiden Warnzonen lebt: In Bad Dürkheim hat eine Seniorin am Nachmittag des Dienstags nach Pfingsten einem Abholer 1200 Euro Bargeld sowie Schmuck übergeben. Zuvor hatte sie ein angeblicher Polizist angerufen und behauptet: Ihre Enkelin habe einen tödlichen Verkehrsunfall verschuldet. Um nicht ins Gefängnis gesteckt zu werden, müsse sie sofort eine Kaution stellen.

Gold in fünfstelligem Euro-Wert bestellt

Die Großmutter hatte laut Polizei dann sogar noch Verdacht geschöpft und mehrfach aufgelegt. Doch der Betrüger ließ nicht locker, rief wieder und wieder an. Und machte dabei so viel Druck, dass sich die Seniorin doch noch in die Irre führen ließ. Mit ihrer Enkelin selbst nahm sie dann trotzdem Kontakt auf – aber erst nach der Übergabe und mithin zu spät. Noch rechtzeitig haben Ermittler hingegen am Folgetag erfahren, dass jemand gerade Kriminellen auf den Leim zu gehen droht. Der entscheidende Hinweis kam von einem Mitarbeiter der Sparkasse Rhein-Haardt.

Er hatte Verdacht geschöpft, weil ein 68-Jähriger in Grünstadt plötzlich Gold im fünfstelligen Euro-Wert bestellte. Die Polizei nahm daher Kontakt zu dem Mann auf und fand so heraus: Ihm war erzählt worden, dass jemand aus seinem familiären Umfeld wegen eines medizinischen Notfalls dringend viel Geld brauche. Dank seiner Bank wurde nun aus dem Fast-schon-Opfer jemand, der Ermittlern hilft. Denn er ging gemeinsam mit Beamten zu dem Treffpunkt, der mit dem Abholer schon vereinbart war. Und dort haben die Einsatzkräfte den Verdächtigen prompt gefasst.

Ermittler durchforsten das Handy

Nach Polizeiangaben handelt es sich um einen 46-jährigen polnischen Staatsbürger, der in Deutschland einen offiziellen Wohnsitz hat und schon früher mit derartigen Betrügereien aufgefallen ist. Nun werten die Ermittler unter anderem sein Handy aus. Denn dort könnten sie Spuren zu Komplizen finden. Und zu weiteren Betrügereien. Schließlich könnte er auch mit den Anrufen in Neustadt und Grünstadt zu tun haben, vor denen die Polizei am Dienstag nach Pfingsten gewarnt hat. Und mit dem Fall der Großmutter aus Bad Dürkheim, die 1200 Euro verloren hat.

Allerdings sprechen erste Auswertungen einer Polizeisprecherin zufolge gegen den Verdacht, dass der Grünstadter Gold-Abholer auch in diese anderen Taten verstrickt ist. Die Ermittler gehen eher davon aus, dass kurz nach Pfingsten mehrere Telefontrickbetrüger unabhängig voneinander im selben Raum auf Opfersuche waren.

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