Bad Dürkheim
Warum die Sparkasse trotz guter Geschäfte drei Filialen schließt
Wie verändert die Sparkasse Rhein-Haardt ihr Filialnetz?
Es wird – wenn auch nur leicht – verkleinert. Die Zweigstellen in Kallstadt, Altleiningen und Sausenheim werden zum 1. Juli geschlossen. Zwei Frankenthaler Niederlassungen in Mörsch und Eppstein-Flomersheim werden zu Beratungsfilialen, die Neustadter Zweigstelle am Bayernplatz wird in eine SB-Filiale umgewandelt. Die Mitarbeiter wechseln intern. „Wir sehen unsere Stärke nach wie vor darin, dass wir alle Kanäle anbieten können, auch den persönlichen Kontakt vor Ort. Die Kunden entscheiden, welchen Weg sie wählen“, betonte Vorstandsvorsitzender Andreas Ott. Zuletzt habe das Kreditinstitut in eine neue Filiale in Wachenheim investiert, in Lachen-Speyerdorf sowie auf der Hambacher Höhe sollen ebenfalls neue Zweigstellen entstehen. Das Filialnetz besteht künftig aus 27 Niederlassungen und vier SB-Zweigstellen. Laut Ott erreichen auch künftig neun von zehn Menschen im Geschäftsgebiet die nächste mitarbeiterbesetzte Filiale in weniger als sechs Minuten Fahrzeit. Von Kallstadt sei man beispielsweise in fünf Minuten in Freinsheim.
Was ist mit Menschen, die nicht mobil sind?
Kundinnen und Kunden mit eingeschränkter Mobilität bietet die Sparkasse einen Bargeldbringservice an sowie die Möglichkeit, Überweisungen telefonisch zu erledigen. Auf Kundenwunsch können auch personalisierte Überweisungsträger und frankierte Freiumschläge zugeschickt werden.
Ist die Verkleinerung des Filialnetzes wirtschaftlich notwendig?
Die Verkleinerung ist das Ergebnis der sogenannten Analyse „Filialstruktur 2030“. Die Kundenfrequenz in den betroffenen Filialen sei zu gering gewesen, um sie weiter zu unterhalten, sagt Vorstandsmitglied Thomas Distler. Immer mehr Kunden nutzten die digitalen Dienstleistungen der Bank, die Anzahl der App-Nutzer habe sich beispielsweise in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. In Kallstadt, Altleiningen und Sausenheim hätte sich nicht einmal eine SB-Filiale gerechnet, so Distler. Ein gut frequentierter Geldautomat wie etwa am Grünstadter Globus komme auf 60.000 Transaktionen im Jahr. Bei den ab Juli geschlossenen Zweigstellen sei es nur ein Bruchteil davon gewesen, verdeutlicht Distler. „Unsere gute Ertragslage jetzt ist auch das Ergebnis von Maßnahmen an unserem Filialnetz in der Vergangenheit. Wir wollen unsere Infrastruktur dort anbieten, wo sie auch genutzt wird. Nicht zuletzt ist die Mitarbeiterzufriedenheit höher, wenn die Mitarbeiter in ein Team eingebettet sind, in dem auch Traffic herrscht“, verdeutlicht Ott.
Wie liefen die Geschäfte 2025?
„2025 war ein ordentliches Geschäftsjahr“, bilanziert Vorstandsvorsitzender Ott. Die Sparkasse steigerte die Bilanzsumme um 2,1 Prozent auf 4,85 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss lag bei 5,79 Millionen Euro, ein Zuwachs von knapp einem Prozent gegenüber 2024. „Wir fühlen uns mit diesen Wachstumsraten sehr wohl“, betont Ott auch mit Blick auf die globalen Unsicherheiten. Zum 31. Dezember waren 575 Mitarbeiter (2024: 569) bei der Sparkasse Rhein-Haardt beschäftigt. Im vergangenen Jahr zahlte die Bank 9,9 Millionen Euro Steuern, 4,6 Millionen Euro davon Gewerbesteuer. Damit ist die Sparkasse Rhein-Haardt nach eigenen Angaben einer der größten Steuerzahler in ihrem Geschäftsgebiet.
Wie schätzt die Bank die Lage am Immobilienmarkt ein?
„Die Nachfrage ist ungebrochen, auch die Preise sind stabil“, erklärt Distler. Das gelte vor allem für Neubauten und moderne Einfamilienhäuser. In guten Lagen an der Weinstraße übersteige die Nachfrage nach wie vor das Angebot.
Macht sich das gute Immobiliengeschäft bei der Kreditvergabe bemerkbar?
Ja. 2025 hat die Sparkasse Rhein-Haardt insgesamt 592,1 Millionen Euro an neuen Krediten vergeben, was einem Zuwachs von 10,1 Prozent entspricht. An Privatkunden verlieh die Bank 278,9 Millionen Euro – eine Steigerung von 8,1 Prozent. „Die privaten Kreditvergaben wurden größtenteils durch die privaten Baufinanzierungen getragen“, so Distler. Noch höher war die Nachfrage nach Krediten im vergangenen Jahr allerdings bei gewerblichen Kunden mit einem Plus von 33,5 Prozent auf 303,7 Millionen Euro.
Spürt die Sparkasse den Rückzug von Privatbanken aus der Region?
Ja, sagt Vorstandschef Ott. Das zeige sich unter anderem beim stetigen Zuwachs bei den Girokonten. Im vergangenen Jahr wuchs die Anzahl um 1357 auf 114.693. Auch im Wertpapiergeschäft verzeichnet die Sparkasse deutliche Zuwächse.
Wie viele Projekte hat die Sparkasse 2025 unterstützt?
Im vergangenen Jahr flossen 660.000 Euro in 314 Projekte im Landkreis Bad Dürkheim sowie in Neustadt und Frankenthal. Die Palette war dabei sehr breit: Unterstützt wurden unter anderem der Förderverein Hetzelstift, aber auch das Frankenthaler Strohhutfest oder der Filmfrühling in Bad Dürkheim.