Grünstadt
Betrüger erbeuten bei Bankkunden Zehntausende Euro
Wie viel Geld haben zwei Grünstadter Bankkunden jeweils an betrügerische Anrufer verloren?
Eine 47-jährige Grünstadterin ist laut Polizei am Montagnachmittag von Telefonbetrügern abgezockt worden, die Täter haben dabei etwa 10.000 Euro erbeutet. Einen 63-Jährigen hat es bereits am 15. Oktober erwischt, von seinen Konten sind sogar um die 50.000 Euro verschwunden.
Lässt sich das Geld zurückholen?
Rückabwickeln lassen sich die Betrüger-Überweisungen in aller Regel nicht. Die Kriminellen verschieben ihre Beute zumeist ganz schnell auf Konten ins Ausland. Bis deutsche Ermittler ihre dort zuständigen Kollegen eingeschaltet haben, ist das Geld auf verschlungenen Pfaden weitergeleitet und der übrige Weg nicht mehr nachvollziehbar.
Wie sind die Täter vorgegangen?
Beide Male haben sie ihre Opfer angerufen und sich als Mitarbeiter der jeweiligen Bank ausgegeben. Dem 65-Jährigen wurde dabei laut Polizei vorgegaukelt, dass sein Online-Zugang ein Sicherheitsupdate bekomme. Im Gespräch müssen sie dem Mann dann die Zugangsdaten entlockt haben, mit denen sie sich sein Geld holten. Bei der 47-Jährigen gingen sie noch trickreicher vor. Sie behaupteten: Bei ihr komme es gerade zu verdächtigen Abbuchungen, in einem Fall gehe es um stolze 9998,63 Euro. Sie solle per Banking-App diese Vorgänge stoppen und das Konto sperren.
Auch wenn die Aufforderung dazu von den Tätern kam: Hätte die Sperrung das Konto nicht schützen müssen?
Gesperrt war das Konto laut Polizei am Ende tatsächlich. Doch vorher ist noch passiert, was angeblich verhindert werden sollte: Die 9998,63 Euro sind abgebucht worden.
Heißt das, die Kriminellen waren schon vor ihrem Anruf ins Banking-System eingedrungen?
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Betrüger vorab keinen Zugang hatten und der 47-Jährigen erst während ihres Anrufs alle nötigen Daten entlockten. Der Aufruf zur Konto-Sperrung war demnach offenbar nur ein besonders fieser Kniff, um die Frau über die wahren Ziele ihrer Gesprächspartner zu täuschen.
Hätte der 47-Jährigen nicht schon anhand der Telefonnummer auffallen können, dass der angebliche Alarm-Anruf nicht von ihrer Bank kommt?
Den Polizeiangaben zufolge wurde der Grünstadterin die tatsächliche Nummer ihres Kreditinstituts angezeigt. Technisch ist das für Betrüger längst kein Problem mehr, beim Falsche-Polizisten-Trick etwa sehen die Opfer auf dem Display ihres Telefons auch immer wieder die echte Nummer einer nahen Polizeidienststelle oder gar die 110.
Binnen weniger Tage sind gleich zwei Grünstadter auf falsche Bank-Mitarbeiter hereingefallen: Spricht das dafür, dass sich eine Betrügerbande gerade gezielt die Region vornimmt?
Wenn falsche Polizisten oder angebliche Enkel Menschen Geld und Wertsachen entlocken wollen, ist in der jeweiligen Region die Gefahr tatsächlich größer als sonst. Denn bei diesen Betrügereien müssen die Kriminellen ihre Beute persönlich in Empfang nehmen. Also werden potenzielle Opfer in einer Region gesucht, in der gerade ein Handlanger bereitsteht. Beim reinen Online-Betrug hingegen gibt es keinen Grund, sich jeweils auf eine bestimmte Gegend zu konzentrieren. Die Ermittler vermuten daher: Dass es binnen kurzer Zeit gleich zwei Grünstadter erwischt hat, war bloßer Zufall.
Fallen nur besonders naive Menschen auf solche Telefonbetrüger herein?
Die Polizei lässt erkennen: Niemand sollte sich auf seinen eigenen Scharfsinn verlassen und deshalb in Sicherheit wiegen. Denn: „Falsche Bankmitarbeiter gehen professionell vor und nutzen technologische Möglichkeiten, um ihre Opfer zu täuschen.“ Zu ihrem Repertoire gehören auch gefälschte E-Mails und SMS. Und am Telefon sind sie sehr geschickt darin, Menschen unter Druck zu setzen – zum Beispiel, indem sie vor angeblich schon angelaufenen Abbuchungsvorgängen warnen und den Betroffenen dabei die Daten entlocken, die den Zugriff aufs Konto überhaupt erst möglich machen.
Wie kann man sein Geld vor solchen Kriminellen schützen?
Die Polizei rät: Man sollte am Telefon niemals Geheimnummern wie PIN und TAN oder das Login-Passwort preisgeben. Denn echte Bank-Mitarbeiter werden am Telefon auch nie nach solchen Daten fragen. Wer bei einem Anruf Verdacht schöpft, soll einfach auflegen. Und wer sich danach bei seiner Bank vergewissern will, muss deren Telefonnummer selbst eintippen. Denn das Drücken der Rückruf-Taste kann erneut zu den Kriminellen führen. Außerdem sollen sich Betroffene nach verdächtigen Anrufen bei der Polizei melden. Und wer weitere Ratschläge um Selbstschutz möchte, kann unter Telefon 0621 9631515 Präventionsexperten der Polizei anrufen.
