Schifferstadt
Krimiautor Harald Schneider über 20 Jahre Palzki
Herr Schneider, 20 Jahre Palzkiversum – wie hört sich das an für den geistigen Vater von Reiner Palzki?
Das ist schon sehr erstaunlich. Ein Fünftel Jahrhundert ... Ich denke manchmal an die Zeit zurück, als die ersten zwei, drei Bände entstanden sind. Da habe ich dann mal vielleicht an Band vier oder fünf gedacht, aber garantiert nicht an zehn. Und jetzt sind es 26. Wahnsinn. Es ist quasi schon so etwas wie Alltag.
Ein Gewöhnungseffekt? Oder Routine? Im positiven Sinne ...
Ich weiß, wenn das Paket mit den Belegexemplaren vom Verlag kommt, geht es schon in Richtung nächster Band. Und für die neuen Projekte bin ich nach wie vor Feuer und Flamme. Ich habe jeden Tag so viele neue Ideen ...
Wie wird gefeiert?
Das war eigentlich gar nicht groß angedacht. Steffen Boiselle hat freundlicherweise einen Flyer entworfen. Aber Andreas Rauch, Verwalter der Burg Lichtenberg, hat den Kontakt zur Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt hergestellt. Dort wird der Band am 2. Juli offiziell vorgestellt. Das hätte ich alleine nie auf die Beine stellen können.
Mit „Burgentrauma“ erscheint jetzt der 26. Palzki-Krimi. Haben Sie die Inhalte und Figuren von allen Romanen noch parat?
Leider nein. Ich habe mal vor Kurzem die Klappentexte überflogen und habe mir vorgenommen, demnächst bei Band eins mit dem Lesen anzufangen. Aber wahrscheinlich muss ich Band zwei vorziehen, weil es eine Verbindung zu Band 27 geben wird. (lacht)
Welcher Band verkauft sich am besten, welcher am schlechtesten?
Am besten geht nach wie vor „Ernteopfer“, Palzkis erster Fall. „Sagenreich“, der zwölfte Fall, ist das Schlusslicht. Und zwischendrin ändert sich die Reihenfolge immer wieder. Aber fragen Sie bitte nicht, warum. (lacht)
Welcher Band hat sich Ihnen ganz besonders eingeprägt?
Meist diejenigen mit historischen Bezügen, weil mich dieses Thema selbst sehr fasziniert. Bei „Ahnenfluch“ haben wir bei den Recherchen im Mannheimer Barockschloss einen Gang entdeckt, den das Personal des Schlosses selbst noch nicht kannte. Bei der Recherche zu „Hambacher Frühling“ durfte ich aufs Dach des Hambacher Schlosses steigen. Das sind Erlebnisse, die im Gedächtnis bleiben. Auch auf dem Trifels haben wir jetzt einen Geheimgang gefunden, der so noch nicht bekannt war und wohl durch eine fehlerhafte Vermessung zustandegekommen ist.
Im neuesten Krimi muss Ihr Kommissar ein paar Burgen besuchen und tut sich bisweilen mit dem Fußweg dorthin schwer. Wird es nicht mal Zeit, ihn ein bisschen abnehmen zu lassen?
Ja, habe ich auch schon gedacht. Ohne zu viel zu verraten: Aber in Band 27 wird er ständig auf der Flucht sein. Da ist etwas weniger Gewicht für ihn schon in meinem Hinterkopf drin. Ob’s langfristig Erfolg haben wird, werden wir bei Band 40 sehen. (lacht)
Wie war der Weg zu den Burgen für Sie persönlich?
Ich habe in dem Buch ja quasi auch ein kleines Kindheitstrauma bewältigt. Meine Eltern haben meinen Bruder und mich in unserer Kindheit immer zum Wandern mitgenommen in den Pfälzerwald. Als Belohnung wartete dann am Ende in der Regel eine Burg, auf der wir uns austoben konnten. Von daher habe ich Hardenburg, Berwartstein und Co. in guter Erinnerung.
Auf welche Figur dürfen Sie laut Ihrer Leser nicht verzichten?
Frau Ackermann, die bekanntlich schneller spricht als ihr Schatten, darf auf gar keinen Fall fehlen. Auch Palzkis chaotischer Chef Klaus P. Diefenbach (KPD) oder Not-Notarzt Dr. Metzger müssen dabei sein. Mal in einer etwas größeren, mal in einer kleineren Rolle. Die gehören eben zum Skurrilen der Bücher dazu.
Zu dem neuen Roman gibt’s auch einen Youtube-Trailer. Wie kam es dazu? Was sind Ihre Eindrücke?
Auch das ging über Andreas Rauch. Er hat das organisiert. Ich bin sehr stolz drauf und freue mich wie ein kleines Kind. Der Drehtag auf der Hardenburg war großartig für mich. Das ist alles sehr professionell abgelaufen.
Eine einmalige Sache, oder kann sich das jetzt für die Zukunft etablieren?
Wenn es Sponsoren gibt, die das finanzieren, kann es gerne weiterlaufen. (lacht) Ich bin ja nicht Sebastian Fitzek. Aber man darf ja mal träumen.
Wir waren schon kurz bei Band 27. In welche Richtung geht es mit Palzki weiter? Wird er Vegetarier? Übernimmt er den Job von KPD?
Also, Vegetarier kann er nicht werden. Das kann ich ausschließen. Ich brauche für die Bücher die Konflikte ums Essen zwischen Palzki und seiner Frau Stefanie. Ob er dauerhaft Leiter der Schifferstadter Kriminalinspektion wird ... Hm, er war es ja schon ein paar Mal kommissarisch. Aber ich kann mit der Konstellation, so wie sie jetzt ist, eigentlich ganz gut leben. KPD als Chef, Palzki als sein Stellvertreter, der die Fälle löst, darunter Palzkis Kollegen, die zuarbeiten. Die nächsten beiden Bände sind vertraglich auch schon fixiert. Das heißt, da wird sich nichts ändern.
Gibt’s schon Rentenpläne für den Kommissar?
Schwierig. Er altert irgendwie nicht. Die Kinder werden minimal älter. Ich weiß nicht, ob es so sinnvoll wäre, ihn älter zu machen. Ich glaube, er muss noch ein paar Jahre durchhalten. Und von der Autorenseite her besteht auch kein Grund. Mir gefällt nach wie vor der Dreiklang aus Recherche, Schreiben und Veranstaltungen. Das will ich auch in den kommenden Jahren nicht missen.
Termin
Krimilesung mit Vorstellung von „Burgentrauma“ am 2. Juli, 17 Uhr, bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt. Angekündigt haben sich neben Hannes Kopf (Präsident SGD Süd) Andreas Sarter (Polizeipräsident Polizeipräsidium Rheinpfalz) und Andreas Stenger (Präsident Landeskriminalamt Baden-Württemberg). Außer der Lesung gibt es laut Ankündigung noch Gespräche mit Autor Harald Schneider, Historiker Michael Landgraf und Burgverwalter Andreas Rauch. Anmeldung erforderlich per E-Mail an Referat14@sgdsued.rlp.de. Weitere Informationen unter www.sgdsued.rlp.de.
Lesezeichen
„Burgentrauma“ von Harald Schneider, Gmeiner Verlag, 14 Euro, ISBN: 978-8392-8102-4.