Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Extreme Glätte-Gefahr: So rüstet sich das Leiningerland

So könnte es an diesem Mittwoch auch wieder aussehen – ehe es auf den kalten Untergrund regnet und sehr rutschig wird: die Straß
So könnte es an diesem Mittwoch auch wieder aussehen – ehe es auf den kalten Untergrund regnet und sehr rutschig wird: die Straße von Altleiningen nach Höningen nach Schneefall.

Das kann gefährlich werden, warnt der Wetterdienst: Am Mittwoch ist mit extremer Glätte zu rechnen. Wie sich Grünstadt und seine Umgebung auf das drohende Winterchaos einstellen.

Worauf müssen sich die Menschen im Leiningerland einstellen?
Für Mittwoch sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) kräftige Schneefälle und teils extreme Glätte auf Straßen und Wegen auch hier in der Region voraus. In Rheinland-Pfalz ziehen die Schneefälle vom Süden her in Richtung Norden und sollen im Verlauf des Tages in Regen übergehen. Das führt dazu, dass sich auf den gefrorenen Fahrbahnen Glatteis bildet, warnt der DWD. Autofahrer werden dazu aufgerufen, nach Möglichkeit den Wagen stehenzulassen.

Wer ist dafür zuständig, dass die Straßen im Leiningerland nutzbar bleiben?
Für die Räumung von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen ist der Landesbetrieb Mobilität (LBM) verantwortlich. Er sei für die „herausfordernde Wettersituation“ gut gerüstet, versichert eine Sprecherin. Auch bei der Verbandsgemeinde Leiningerland wurden Vorkehrungen getroffen. „Wir bereiten uns insofern vor, dass die Mitarbeiter parat stehen, den Räumungsdienst rund um den Verwaltungssitz in Grünstadt zu übernehmen und um die Liegenschaften, für die unser Mitarbeiterteam zuständig ist“, erklärt ein Sprecher. Dazu zählten auch vereinzelt Schulgebäude im Bereich der ehemaligen Verbandsgemeinde Grünstadt-Land. Innerhalb der Ortslage in Grünstadt samt Asselheim und Sausenheim ist der Bauhof des Entsorgungs- und Servicebetriebs verantwortlich. Dort habe man vorsorglich den Winterdienst in Bereitschaft gesetzt. Er wird bereits um 4.30 Uhr vor Ort sein, um bei Bedarf auszurücken, erklärt ein Mitarbeiter: „Wir haben entschieden, dass angesichts der Prognose alle schon früher da sein werden, damit wir schnell reagieren können.“

Was passiert, wenn es doch kracht?
Dass es durch die vereisten Straßen vermehrt zu Unfällen kommen könnte, hat auch das Team vom Abschleppdienst Kawelke in Grünstadt im Blick. „Wir stellen uns darauf ein und schauen, dass wir ein paar Leute mehr im Einsatz haben“, sagt eine Mitarbeiterin. Für die Aufträge von Privatleuten, ADAC und Polizei stehen sie am Mittwoch mit sieben statt der regulär fünf Fahrzeuge bereit.

Welche Auswirkungen hat das vorhergesagte Wetterchaos auf den Busbetrieb im Leiningerland?
„Wir werden auf jeden Fall versuchen, alle Fahrten, sofern es möglich und zumutbar ist, auszuführen“, sagt Michael Heinz von Behles Bus. Die Unternehmensgruppe übernimmt Busverkehr unter anderem im Leiningerland und Bad Dürkheim. Die Verantwortung dafür, ob eine bestimmte Gemeinde angesichts der Wetterverhältnisse angefahren werden kann, liege aber beim Fahrer. „Wenn sich bei uns die Berichte häufen, dass mehrere Ortschaften nicht bedient werden können, werden wir den Verkehr gegebenenfalls komplett einstellen müssen“, warnt Heinz. Auch mit Verspätungen und Ausfällen sei zu rechnen. Besonders im Hinblick auf Schul- und Kita-Fahrten weist die Unternehmensgruppe darauf hin, „dass Hinfahrten durchaus fahrplanmäßig stattfinden können, die sichere Rückbeförderung mit Linienfahrzeugen jedoch nicht mehr gewährleistet werden kann“. Eltern müssten sich also darauf einstellen, ihre Kinder selbst von der Schule oder dem Kindergarten abzuholen.

Findet der Schulbetrieb an den Grünstadter Schulen wie gewohnt statt?
Am Leininger-Gymnasium findet der Unterricht aufgrund der angekündigten Wetterlage am Mittwoch online statt, hat Schulleiterin Kerstin Hanisch den Familien mitgeteilt. Auch an der IGS wird der Unterricht ins digitale Klassenzimmer verlegt, kündigt Schulleiter Uwe Chormann an. „Der Unterricht findet über unsere Online-Lernplattform statt, sodass Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte zu Hause bleiben können.“ Zusätzlich bestehe die Möglichkeit, eine Notbetreuung zwischen acht und 12 Uhr in Anspruch zu nehmen. Generell sei es so, dass die Entscheidung, ob ein Kind bei außergewöhnlichen Wetterlagen zur Schule geht, bei den Eltern liege. Angesichts der Glatteiswarnung habe sich die Schulleitung aber dazu entschlossen, „die Fürsorgepflicht gegenüber den Schülerinnen und Schülern sowie den Kollegen höher einzuordnen“.

Gibt es eine Ausnahmeregelung für Abiturienten?
Am Leininger-Gymnasium verlasse man sich auf den zeitlichen Puffer, der bei der schriftlichen Abiturprüfung ohnehin eingeplant sei, teilt der stellvertretende Schulleiter Felix Gruber mit. Denn die anstehende Prüfung im Fach Englisch zu verschieben, sei nicht so einfach möglich. Da die Klausur zentrale Elemente enthält, muss sie in ganz Rheinland-Pfalz zur gleichen Uhrzeit geschrieben werden. Auch an der IGS geht die Schulleitung davon aus, dass die Prüfung wie geplant geschrieben werden kann. „Unsere Abiturienten müssen das Wetter einkalkulieren und sich rechtzeitig auf den Weg machen oder versuchen, schon vorher irgendwo in Grünstadt unterzukommen“, sagt Chormann und geht mit gutem Beispiel voran.

Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch wollte der Schulleiter auf einem aufblasbaren Bett im Schulgebäude verbringen. Zusätzlich sei der Aufsichtsplan dahingehend verändert worden, dass alle Kollegen mit weiter Anfahrt durch Lehrkräfte ersetzt wurden, die direkt aus Grünstadt kommen. Für alle, die es aufgrund der Wetterbedingungen nicht rechtzeitig in die Schule schaffen, gibt es einen zentralen Nachschreibe-Termin. Durchfallen werde deswegen niemand, betont Chormann. Er kann der Situation sogar noch etwas Positives abgewinnen: Wenn der Rest der Schüler von zu Hause aus den Unterricht bestreitet, hätten die Prüflinge zumindest den Vorteil, dass es im Schulgebäude sehr ruhig sein wird.

Wie bereiten sich Einsatzkräfte auf die Gefahr durch Glätte im Leiningerland vor?
„Wir müssen mit dem umgehen, was auf uns zukommt“, heißt es von der Polizei Grünstadt im Vorfeld. Besondere Vorbereitungen würden nicht getroffen. Nicht zuletzt, weil dafür das Personal fehle. Auch die Möglichkeiten der Freiwilligen Feuerwehr in Grünstadt sind begrenzt: „Als Freiwillige Feuerwehr können wir keine Einsatzbereitschaft aufrechterhalten, wenn die Leute eigentlich arbeiten müssen“, sagt Wehrleiter Jens Michel. Im Hinblick auf die Ausrüstung sei man für Einsätze dieser Art jedoch vorbereitet. „Wir haben Streusalz und Fahrzeuge mit Schleuderketten vor Ort. Das heißt, wir kommen auch über vereiste und verschneite Straßen drüber“, versichert Michel.

Wie gehen Arbeitgeber mit der Situation um?
Bei der Verbandsgemeinde Leiningerland, dem Kreis Bad Dürkheim sowie der Stadtverwaltung Grünstadt gilt: Wer die Möglichkeit hat, von zu Hause aus zu arbeiten, kann sie wahrnehmen. All diejenigen, deren Stelle Präsenz erfordert, wie etwa Müllwerker oder Mitarbeiter des Bürgerbüros, müssen entweder Urlaub nehmen, Gleitzeit anmelden oder trotz Glatteis auf der Arbeit erscheinen. Ähnlich halten es auch regionale Unternehmen wie die Wellpappenfabrik in Sausenheim, Gechem in Kleinkarlbach oder ASS Elektronik in Grünstadt.

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