Grünstadt / Wattenheim
Militärtechnik aus dem Leiningerland: Was die ASS-Tochter ODM herstellt
Ob die Erzeugnisse seines Unternehmens auch in der Ukraine im Einsatz sind, will Geschäftsführer Christopher Kühn nicht verraten. Nur so viel: „Zu unseren Abnehmern gehört neben Polizei, Feuerwehr, Luftfahrtunternehmen und Hightech-Industrie auch die Bundeswehr.“ Die ODM GmbH mit Sitz in Wattenheim entwickelt, produziert und wartet technische Geräte, die im Schießstand oder auf der Jagd, aber auch im Katastrophenfall oder Krieg gute Dienste leisten können.
„Kein einziger Chip aus China“
Hohe Belastbarkeit, Flexibilität und Hitzetoleranz sollen die Spezialgarne auszeichnen, aus denen dann Textilien für besondere Anforderungen werden. Wesentlicher Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung ist beispielsweise auch eine mit Helmschalen kombinierbare Hör-Sprech-Garnitur, die in lauten Umgebungen die Gesundheitsrisiken minimiert, aber die Kommunikation ermöglicht – selbst in gepanzerten Fahrzeugen. Durch ihren modularen Aufbau lassen sich die robusten, tauchfähigen Headsets an unterschiedliche Einsatzszenarien anpassen.
ODM bestehe auf „Made in Germany“, betont Kühn. Und die Bestandteile für die nicht billigen, aber reparierbaren Produkte kämen ausschließlich aus Europa. „Kein einziger Chip stammt aus China“, beteuert der 32-Jährige. Hergestellt werden Kommunikationstechnik, Spezialkleidung und Zubehör seit diesem Jahr in der Hettenleidelheimer Straße in Wattenheim. Zum großen Teil geschieht das automatisiert, mit selbst konstruierten Werkzeugen und eigens entwickelten Bauteilen, die vor Ort per 3D-Druck gefertigt werden.
Den einstigen Treff-Markt gekauft
Im Jahr ihrer Gründung, 2019, hatte die Firma die Immobilie des einstigen Treff-Markts 3000 erworben. Seit 2020 entstanden Produktions- und Lagerräume mit rund 1500 Quadratmetern Nutzfläche und einem Bereich für elektrostatische Entladungen, um die Gefahr von Schäden an den empfindlichen Geräten abzuwenden, mit denen man hier zu tun hat.
Im Gebäude fehlen noch einige Kleinigkeiten, drum herum muss das Grundstück angelegt werden. „Wir investieren hier rund 3,5 Millionen Euro“, sagt Kühn. Neben der Funktionalität sind dem Investor die Themen Nachhaltigkeit und Wohlfühl-Ambiente für die Beschäftigten besonders wichtig: ein Fuhrpark mit mehr als 90 Prozent Elektrofahrzeugen vor der Tür, eine Photovoltaikanlage mit 165 Kilowatt-Peak auf dem Dach sowie viel Holz, Pflanzen und Licht im Haus.
Pläne für eine Erweiterung
„ODM plant schon jetzt eine bauliche Erweiterung“, berichtet Ortsbürgermeister Carsten Brauer (CDU) und deutet auf die 1,7 Hektar große Fläche neben dem Neubau. 2800 Quadratmeter des künftigen Gewerbegebiets habe das Unternehmen gekauft. „Wir sind am Anschlag. Und aufstocken dürfen wir nicht, weil zehn Meter die maximal gestattete Höhe ist“, erklärt Kühn. ODM wächst in einem beachtlichen Tempo. Etwa drei bis fünf Mitarbeiter gesellen sich pro Monat dazu. Rund 85 sind es aktuell.
Ungefähr 120 Angestellte hat die Mutterfirma, die ASS Elektronik GmbH. Sie wurde im April 1994 im Grünstadter Industriegebiet gegründet und war im Bereich Radio- und Fernsehtechnik tätig. Ihr Geschäftsführer Sven Seidenspinner sagt: „Eigentlich wollten wir auch nach Wattenheim ziehen, aber die Expansion unserer Firma hat uns überholt.“ In der Maybachstraße sei auf dem 26.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände mit Regenrückhaltebecken, insektenfreundlicher Bepflanzung und Solarpanels mit einem Megawatt-Peak noch Platz. Ein Neubau soll voraussichtlich 2025 beginnen.
Mutterfirma baut um
Schon kommendes Jahr wird eine der Lagerhallen umgestaltet, sodass sie Büros und Werkstatt beherbergen kann. ASS ist heute ein Support- und Servicespezialist für medizinische Diagnosegeräte. „Wir analysieren die Fehler defekter Baugruppen aus aller Welt und reparieren sie“, erklärt der 46-Jährige. Auch Modifikationen werden vorgenommen, zudem entwickelt und vertreibt ASS eigene Produkte – etwa Signallampen für Probenanalysesysteme. Seit zwei Jahren ist das Unternehmen mit Reinstwasseranlagen für Labore am Markt, konnte bereits 200 davon verkaufen.
Die Tochterfirma AFS GmbH in Neustadter Ortsteil Lachen-Speyerdorf ist für den Support bei Kunden im Ausland zuständig. „Den Rund-um-Service im Außendienst haben wir schon seit 2008, aber es wurde immer mehr, weshalb wir im September 2015 ein eigenes Unternehmen ins Leben gerufen haben“, erläutert Kornelius Peters, einer der Geschäftsführer. Gestartet sei AFS mit vier Mitarbeitern, heute seien es 80. Am Standort werde gerade für 4,5 Millionen Euro ein Schulungszentrum errichtet: „Das ist wichtig für die Weiterbildung unserer Leute wegen des rasanten medizintechnischen Fortschritts.“
Töchter im europäischen Ausland
Zur ASS-Unternehmensgruppe gehören noch Tochterfirmen in Zug in der Schweiz und in Penzberg bei München sowie Niederlassungen in Spanien, Frankreich und den Niederlanden. Alle Betriebe zusammen haben momentan etwa 350 Mitarbeiter, darunter stets 14 Azubis. Erlernen kann man neun Berufe, wie Ausbildungsleiter Daniel Schunk erzählt: Servicetechniker für Labortechnik, Mechatroniker, Kaufmann für Lagerlogistik und Kaufmann für Digitalisierungsmanagement, IT-Systemelektroniker, Informationselektroniker, Industriemechaniker, Fachinformatiker und – ganz neu ab kommendem Jahr – Elektroniker für Geräte und Systeme.
„Den Nachwuchs selbst heranzuziehen ist aufgrund des Fachkräftemangels sehr wichtig“, sagt Schunk. Damit sich die Leute aus den verschiedenen Firmen der ASS besser kennenlernen, bestenfalls als Team zusammenwachsen, gibt es jedes Jahr ein großes Event für alle. Diesmal war es ein Fußballturnier in Wattenheim. Rund 200 Mitarbeiter nahmen daran teil. ASF-Geschäftsführer André Luitpold, der auch Vizepräsident des rheinland-pfälzischen Landesfeuerwehrverbands ist, gab den Schiedsrichter. Das Sport-Ereignis war als Benefiz-Veranstaltung konzipiert: Für jedes geschossene und jedes erhaltene Tor wurde gespendet.
So hoch ist der Jahresumsatz
„Unser Ziel waren 5000 Euro“, sagt ODM-Chef Kühn. Letztendlich seien 16.000 Euro an die Betze-Engel, das Sozialprojekt des 1. FC Kaiserslautern, übergeben worden. „Wir engagieren uns gern für Menschen, denen es nicht so gut geht“, sagt der 32-Jährige. Sie sollen auch ein wenig teilhaben am Erfolg der ASS-Gruppe, die einen Jahresumsatz von 35 bis 40 Millionen Euro erwirtschaftet.