Grünstadt
Das ist der neuen Leiterin des Gymnasiums wichtig
Unbemerkt von der Öffentlichkeit ist Kerstin Hanisch am 1. Februar von der Schulaufsichtsbehörde zur neuen Leiterin des Leininger-Gymnasiums (LG) ernannt worden. „Damit begann für mich ein Jahr auf Bewährung“, erläutert Hanisch schmunzelnd, dass die offizielle Amtseinführung mit Beförderung zur Oberstudiendirektorin erst im Februar 2024 erfolgen wird. Vom Kollegium sei sie sehr freundlich und offen aufgenommen worden, erzählt die Nachfolgerin von Cornelia Diehl.
Hanisch, die zuletzt Erste Stellvertreterin am Heinrich-Böll-Gymnasium in Ludwigshafen war, hat sich von der furchtbaren Corona-Zeit nicht davon abschrecken lassen, an vorderster Front Verantwortung zu übernehmen. „Während der Pandemie habe ich gemerkt, dass ich Krisen bewältigen kann und bin daran gewachsen“, erklärt sie, betont aber gleichzeitig, dass sie solche Ausnahmesituationen nicht noch einmal erleben möchte. Auch habe sie an ihrem vorherigen Arbeitsplatz lange die Leitung des Gymnasiums für den dauerhaft erkrankten Direktor übernehmen müssen. „Dabei habe ich festgestellt, dass es Freude macht, Schule zu entwickeln und zu gestalten“, sagt die 59-Jährige. Als sie dann erfuhr, dass am LG, dem ein guter Ruf vorauseile, der Chefsessel zu besetzen war, habe sie sich neben drei weiteren Kandidaten beworben.
Die Corona-Einschränkungen wirken nach
Die Einschränkungen der Corona-Bekämpfungsverordnungen wirkten nach, sagt sie. Insbesondere sei das bei den Fünft- bis Achtklässlern zu merken. „Den Kindern fehlte die soziale Interaktion sehr.“ Zudem gebe es Wissens- und Trainingslücken, etwa beim Kleinen Einmaleins und im Kopfrechnen, sagt Hanisch und hebt hervor: „Der persönliche Kontakt ist unabdingbar, wenn man Schülern etwas beibringen will.“
Lehrerin zu werden war ursprünglich gar nicht der Plan der Rheinländerin gewesen, die in Erkelenz geboren wurde. Zunächst studierte sie in Duisburg Physik. „Das hat mir viel Spaß gemacht, aber mir wurde allmählich klar, dass ich weder in die Wissenschaft noch in die Industrie arbeiten, sondern mit jungen Leuten zu tun haben wollte.“ Nach dem Diplom ging Hanisch deshalb nach Berlin, studierte mit Mathematik ein zweites Fach und Pädagogik. Anschließend absolvierte sie ihr Referendariat in der Bundeshauptstadt, in der auch ihre Zwillinge zur Welt kamen. Nach dem Tod der Schwiegermutter zog Hanisch mit ihrem Mann in dessen Elternhaus in Lambsheim.
Nachhaltigkeit als großes Anliegen
Hinter dem Hof hat sie ihren „Acker“, wie sie ihren großen Gemüsegarten nennt. Die nachhaltige Erzeugung, der Schutz von Natur, Klima und Umwelt sind Hanisch ein großes Anliegen, das sie auch den Schülern nahebringen möchte. Da fügt es sich, dass das LG über ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal, den Schulwald, verfügt. „Den habe ich schon erwandert, bin 16 Kilometer gelaufen und auch in der Schulwaldhütte gewesen“, erzählt sie. Hanisch möchte schauen, ob dieses besondere Forstgelände eventuell eine noch stärkere Rolle im Unterricht spielen könnte als es das schon tut. Zudem wäre denkbar, unter ökologischen Aspekten das Angebot des Kiosks zu überprüfen und einen Schulgarten anzulegen.
Inwiefern solche Ideen umsetzbar sind, wird sich zeigen. Noch ist Hanisch dabei, alles im LG zu erkunden und die Bedürfnisse der Schulgemeinschaft herauszufinden. Jetzt gehe es vor allem darum, alles wieder anzuschieben, was während der Pandemie ruhen musste. Die Studiendirektorin nennt beispielsweise Austauschfahrten im Allgemeinen und die Schulpartnerschaft mit Ruanda im Speziellen. „Geplant ist, dass in diesem Jahr eine Delegation von uns nach Afrika reist“, kündigt sie an. Darüber hinaus sollten die Musikensembles den Betrieb aufnehmen, sämtliche Sportwettkämpfe und insgesamt alle Veranstaltungen wie vor Corona laufen, so die einst aktive Handballerin, die Posaune im Orchester des GMV Lambsheim spielt.
Einige Bauarbeiten stehen an
In gespannter Erwartungshaltung ist Hanisch hinsichtlich der Brandschutzsanierung, die schon sehr lange geplant ist und in den Sommerferien starten soll. „Wir hoffen inständig, dass es dann tatsächlich losgeht“, betont sie, wohlwissend, dass die umfangreichen Arbeiten den Schulbetrieb über mehrere Jahre beeinträchtigen werden. Denn jede Verzögerung bremse andere Projekte aus, unter anderem die Einrichtung eines Forschungslabors, das das LG als Mint-EC-Schule mit dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt brauche, oder die Umgestaltung eines Raums der Bibliothek, was vor der Modernisierung keinen Sinn ergebe.
Letztendlich wäre die Sanierung auch ein schönes Geburtstagsgeschenk an das Gymnasium, dessen Wurzeln bis zur 1573 gegründeten Lateinschule in Höningen zurückreichen. Das 450. Jubiläum soll im Oktober gefeiert werden. „Mit der Planung stehen wir noch ganz am Anfang“, sagt Hanisch. Aktuell seien Kollegen aus dem Fachbereich Kunst dabei, eine Festschrift zu verfassen.
Zur Person
Kerstin Hanisch, Jahrgang 1964, verbrachte Kindheit und Jugend in Nordrhein-Westfalen. In Duisburg studierte sie Physik und ging nach dem Diplom nach Berlin, um dort das Studium der Mathematik und Pädagogik fürs Lehramt aufzunehmen. Nach dem Referendariat ging es für 16 Jahre an verschiedene Schulen in Darmstadt, bevor sie in die Pfalz zog. Hier arbeitete Hanisch eine Weile an der IGS Grünstadt und ab Sommer 2020 am Heinrich-Böll-Gymnasium in Ludwigshafen, wo sie zuletzt Erste Stellvertreterin war. Seit Februar leitet die Mutter von erwachsenen Zwillingen, die mit ihrem Mann in Lambsheim lebt, das Leininger-Gymnasium in Grünstadt.