Grünstadt / Leiningerland / Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Der launig-lokale Rückblick auf Januar 2024: Das fängt ja mal gut an

Noch’n Stau an der Autobahn: Der Trecker-Konvoi der Bauern blockierte im Januar unter anderem auch die Auffahrt zur A6 in Grünst
Noch’n Stau an der Autobahn: Der Trecker-Konvoi der Bauern blockierte im Januar unter anderem auch die Auffahrt zur A6 in Grünstadt. Manch Autofahrer hatte von den Blockaden und der Aussage »Genug ist genug« Richtung Bundesregierung dann auch bald genug.

Das Jahr 2024 hat uns Terror, Trump und anderen Katastrophen beschert. Höchste Zeit also für mehr Gelassenheit und vielleicht sogar für ein Lächeln. Die launig-lokale Rückblickserie besteht aus zwölf Teilen, der erste widmet sich – oh Wunder – dem Januar.

Zum Start ins neue Jahr 2024 gab’s in einigen Leiningerland-Ortsgemeinden gleich mal Startschwierigkeiten – mit der neuen kreiseigenen Müllabfuhr. So zum Beispiel in Hettenleidelheim. Dort waren beim ersten Abholtermin gut die Hälfte der Mülltonnen wegen „Software-Problemen an den neuen Fahrzeugen“ nicht geleert, also vergessen worden. In einigen der Hettrumer Nachbarorte wurde prompt und auf gut pfälzisch gefrotzelt: „Die Worschtzippel kannsche doch vergesse.“

Der Spott hielt sich jedoch nicht lange. Denn die Mülltonnen-Leerung in Hettrum wurde gleich am nächsten Tag nachgeholt. Inzwischen sind Spötter und Kritiker der Neuregelung ganz ruhig. Das bleibt auch so, wenn Müllgebühren nicht erhöht und weiterhin alle Tonnen geleert werden. Was beweist: „Worschtzippel kannsche doch nedd vergesse.“

Blockiertes

Nicht vergessen haben einige Autofahrer den Montagmorgen im Januar, an dem sie in Grünstadt (oder wieder Hettrum) auf die A6 fahren wollten, es wegen querstehender Traktoren aber nicht konnten. Ein paar Pendler zeigten wohl ein „gewisses Verständnis“ für die Kritik der Bauern. Denn in der ging es unter anderem um die im Vergleich zur Konkurrenz höheren Mineralsteuern und Mindestlöhne sowie eine immer größer werdende Auflagenflut. Aber mit ihrer Form des Protests handelten sich die Landwirte auch selbst Kritik ein.

Denn die Blockade behinderte nicht einen der für die Bauern-Misere verantwortlichen Politiker, sondern vornehmlich Menschen, die nur zu ihrer Arbeitsstelle wollten. Wie schimpfte doch ein Stau-Gestresster: „Wir blockieren doch zur Erntezeit auch keine Feldwege, wenn die IG Metall mehr Lohn für uns fordert!“ Sei’s drum: Die damals vorgesehene Streichung des Agrarsprit-Zuschusses wurde jedenfalls zurückgenommen. Und die Metaller haben inzwischen auch einen neuen Tarifvertrag. Ganz ohne Feldweg-Blockaden.

Glattes

Und noch einmal Hettrum: Nach einer Massenkarambolage auf der schneeglatten A6 hatten die Feuerwehren der VG Leiningerland in Hettenleidelheim ihre Einsatzzentrale. Die A6-Unfallbilanz in nackten Zahlen: 18 beschädigte Fahrzeuge mit einem Gesamtschaden in sechsstelliger Höhe, 150 Wehrleute mit 41 Fahrzeugen sowie 33 Helfer der Schnelleinsatzgruppe mit zwölf Fahrzeugen im Einsatz, zudem neun vorsichtshalber alarmierte Krankenwagen und zwei Hubschrauber. Außerdem sechs Stunden Stau bei minus ein Grad.

Straßenglätte im Leiningerland: Massenkarambolage auf der A6 bei Hettenleidelheim.
Straßenglätte im Leiningerland: Massenkarambolage auf der A6 bei Hettenleidelheim.

Das Wichtigste jedoch: Es gab keine Toten und „nur“ zwei – nicht lebensgefährlich – Verletzte. Ebenfalls glimpflich gingen an dem glatten Wochenanfang auch alle anderen Unfälle im Leiningerland aus, darunter vier in Grünstadt: in der Asselheimer Weinstraße sowie der Obersülzer und Kirchheimer Straße. Damals stand dort noch nicht eines der inzwischen inflationär aufgestellten Tempo-30-Schilder. Ob’s nun diesen Winter besser wird?

Geplatztes

Ein besserer Winter wird’s heuer auf jeden Fall für die Grünstadter Narren. Viel schlimmer geht ja auch nimmer für die Siedlergemeinschaft: Sie mussten alle ihre geplanten Veranstaltungen absagen. Grund war ein Wasserschaden im Weinstraßen-Center mit dem großen Saal, dem närrischen Veranstaltungsort der Siedler. Monatelanges Training und mühsames Einüben von vielen Fasnachtsaktiven waren somit vorerst umsonst – wegen eines geplatzten Heizungsrohres.

Nach dem Wasserrohrbruch: Bohrungen für die Bodentrocknung im Grünstadter Weinstraßen-Center.
Nach dem Wasserrohrbruch: Bohrungen für die Bodentrocknung im Grünstadter Weinstraßen-Center.

Denn im Gegensatz zum Kulturverein, der ein Konzert kurzfristig in die Friedenskirche verlegen konnte, fanden die Siedler – trotz vieler Hilfsangebote – keinen adäquaten Veranstaltungsraum. Die großen Prunksitzungen, Kinderfasching und Fasnachtsparty waren in Grünstadt sozusagen mit dem Rohr mitgeplatzt. Die Sitzungen des Stadtrates und seiner Ausschüsse konnten hingegen locker in Ausweichquartiere verlegt werden. Nicht wenige hätten’s lieber umgekehrt gesehen: Elferrat statt Stadtrat sozusagen. Kein Wunder, schließlich kommen zu einer Rats- doch wesentlich weniger Besucher als zu ’ner Prunksitzung. Ein Narr, wer fragt: Warum?!

Gequältes

Nach mindestens zwei Warums muss man nach dem grausamen Tod eines Fischreihers im Leiningerland fragen. Warum hat der langjährige Fischzüchter kein Flatterband an die über die Fischteiche gespannten Drähte angebracht? Dann hätte der Vogel den Teich erst gar nicht angeflogen, hätte sich mit seinen Flügeln nicht im Drahtgeflecht verheddert und wäre keinen langsamen Tod gestorben. Das zweite Warum bezieht sich auf die Gesetze zum Tierschutz.

Todbringend für den Reiher: Drähte über einem Fischweiher im Leiningerland.
Todbringend für den Reiher: Drähte über einem Fischweiher im Leiningerland.

In dem Reiher-Fall lag – rein rechtlich gesehen – keine Tierquälerei vor. Grund: Das stundenlange Strangulieren eines Reihers wird erst zu einer Straftat gemäß Tierschutzgesetz, wenn ein Vorsatz dafür nachgewiesen werden kann. Genau dieser Anfangsverdacht fehlte jedoch, so dass gegen den Teichbesitzer gar nicht ermittelt worden ist. Nach der Anfrage der RHEINPFALZ hatte zumindest eine Mitarbeiterin des Veterinäramtes Kontakt mit dem Teichbesitzer aufgenommen und mögliche „Lösungen“ besprochen. Ob sie künftig klarer auf die Gefahrenquellen für Vögel hinweisen, weiß der Reiher. Oder aber er weiß es nicht.

Gewähltes

In Bissersheim haben von den 276 Bürgern (mit gültigen Stimmzetteln) 150 Stimmberechtigte Kerstin Ort-Bausbacher zur neuen Ortsbürgermeisterin gewählt; Gegenkandidat Marius Pollmer erhielt „nur“ 126 Stimmen. Dieses Votum der Bissersheimer betraf offensichtlich nicht nur die Person Ort-Bausbacher und ihre Wahl zur Ortschefin. Im Prinzip hatten die Bissersheimer damit auch gleich für das gestimmt, was Ort-Bausbacher am wichtigsten war: den Neubau der Sängerhalle inklusive Eulennest-Verkauf verhindern.

Schließlich war sie in der Anti-Neubau-Initiative erstmals kommunalpolitisch aktiv geworden, nachdem die Kosten von ursprünglich 1,3 auf 2,3 Millionen Euro angestiegen waren. Trotz Förderung und Verkauf des Eulennestes hätte das 455-Seelen-Dorf gut eine Million Euro selbst finanzieren müssen – das war zu vielen zu viel. Die Neubau-Gegnerin erhielt nicht nur im Januar die Mehrheit, sondern wurde auch bei der turnusmäßigen Kommunalwahl ein paar Monate später mit 74 Prozent Ja-Stimmen im Amt bestätigt. Der ursprünglich vom Gemeinderat befürwortete Bürgerentscheid zum Sängerhallen-Neubau hatte sich mit der Wahl von Ort-Bausbacher dann ebenso erledigt wie der ursprüngliche Plan selbst für einen Sängerhallen-Neubau. Auch wenn beides offiziell erst in einer Ratssitzung Ende Juni – einstimmig – vom neugewählten Rat beschlossen worden ist: Vielen war das bereits Ende Januar klar.

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