Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Tierschützerin schlägt Alarm: Reiher verendet in Drähten

In dieser Einstellung gut zu sehen: die Metalldrähte, die über das Teichgelände gespannt worden sind, und zur Todesfall für eine
In dieser Einstellung gut zu sehen: die Metalldrähte, die über das Teichgelände gespannt worden sind, und zur Todesfall für einen Reiher wurden.

Viele Teichbesitzer spannen zum Schutz ihrer Fische vor gefräßigen Vögeln Netze übers Wasser. Nun hat sich im Leinigerland ein Reiher in solchen Drähten stranguliert. Eine Tierschützerin sagt: Für sie ist das „ein klarer Fall von ganz schlimmer Tierquälerei“. Und für die Behörden?

Der Anblick erinnerte irgendwie an den Kult-Western „Spiel mir das Lied vom Tod“. Genauer gesagt: an das Ende der Szene, in der ein Vater unterm Galgen auf den Schultern seines halbwüchsigen Sohnes steht – bis der erschöpfte Junge in den Sand fällt. Danach hängt die erschlaffte Leiche weithin sichtbar am Galgenstrick.

Ein ähnliches Bild hat sich kürzlich einer auf einem Wirtschaftsweg im Leiningerland spazierenden Tierschützerin an einem eingezäunten Fischteich geboten: Zwischen zwei Bäumen hing in etwa zwei Metern Höhe der schlaffe Fischreiher, tot und wie an einem Galgen aufgeknüpft, in den Metalldrähten. „Der Todeskampf des in den Drähten verhedderten Vogels muss grausam gewesen sein“, befürchtet die geschockte Spaziergängerin eine weitere Parallele zur Spielfilmszene. Weshalb sie Polizei und Veterinäramt über „diese Sauerei“ informieren will.

Der Fischreiher hatte sich in den Drähten verfangen, konnte sich allein nicht befreien und ist dann wohl qualvoll verendet.
Der Fischreiher hatte sich in den Drähten verfangen, konnte sich allein nicht befreien und ist dann wohl qualvoll verendet.

Kein Vorsatz, keine Straftat

Für Vergehen gegen das Tierschutzgesetz im Kreis Bad Dürkheim ist die Kriminalinspektion Neustadt zuständig. Angesprochen auf den toten, in den Drähten hängenden Reiher schüttelt ein Beamter dort allerdings sofort den Kopf: „In diesem konkreten Fall fehlt der Vorsatz. Wenn kein Vorsatz für das Töten des Tieres nachgewiesen werden kann, liegt auch keine Straftat nach dem Tierschutzgesetz vor.“ Selbst wenn der Vogel lange gelitten haben sollte: „Der Teichbesitzer hatte mit den Netzen nicht das Ziel, Reiher oder andere Fischräuber zu fangen, zu verletzen oder gar zu töten, sondern er wollte damit nur seine Fische schützen.“ Also muss der Ermittler hier mangels Verdachts auf eine Straftat gar nicht erst ermitteln.

Mit den Netzen oder Drahtgeflechten wollen Teichbesitzer geflügelte Fischfresser schon von einem Landeanflug auf und am Gewässer abhalten. Da Reiher auch vom Ufer aus mit ihrem langen Schnabel auf Beutejagd gehen können, überziehen Fischzüchter das Gelände rund um den Weiher oft ebenfalls mit Drähten. So wie auch im aktuellen „Fall“. Zu beurteilen, ob der Reihertod eventuell eine Ordnungswidrigkeit ist, liegt nach Angaben der Polizei in der Zuständigkeit des bei der Kreisverwaltung angesiedelten Veterinäramts. Also haben wir auch hier zum Fall des toten Reihers nachgefragt.

Die grausame Szene vor von weitem von einem Wirtschaftsweg aus gut zu sehen: der tote, überm Fischteich hängende Reiher.
Die grausame Szene vor von weitem von einem Wirtschaftsweg aus gut zu sehen: der tote, überm Fischteich hängende Reiher.

Veterinäramt: Lösungen besprechen

„Eine Mitarbeiterin des Veterinäramts ist direkt nach der Meldung zu dem Weiher gefahren, um sich die Situation vor Ort anzuschauen, und hat den Besitzer kontaktiert“, teilt die Pressestelle der Kreisverwaltung daraufhin mit. Zuvor seien von dort keine solchen oder ähnliche Fälle von toten Vögeln gemeldet worden, so das Veterinäramt: „weder an diesem noch an einem anderen Fischzuchtteich im Landkreis“. Auch der Fischteich-Besitzer habe versichert, dass sich bisher noch nie an seinem Gewässer ein Vogel in den Draht-Gittern verfangen habe und verendet sei. Nun solle der Eigentümer der Behörde Unterlagen zu den Schutzvorrichtungen schicken. Gemeinsam mit ihm werde das Veterinäramt dann „weitere Lösungen besprechen“.

Am besten wären sicher solche, die ein über den Teich fliegender Reiher rechtzeitig vorm Landeanflug erkennt. Statt „Spiel mir das Lied vom Tod“ also eher „Casablanca“. Statt Galgenszene lieber Abschiedsszene: für den weiterziehenden – zwar immer noch hungrigen, aber dafür lebendigen – Fischreiher.

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