Grünstadt / Wattenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bauernblockade im Leiningerland: So reagieren die Pendler

Verkehrschaos am Montagmorgen: Kreisel bei Wattenheim.
Verkehrschaos am Montagmorgen: Kreisel bei Wattenheim.

Auch im Leiningerland sind die Landwirte am Montag auf die Barrikaden gegangen – oder besser gesagt: auf die Auffahrten der A6. Das hat zu erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt, in Grünstadt und in Wattenheim. Wie Autofahrer im Stau darauf reagiert haben.

Quietschende Reifen, aufheulender Motor, Wendemanöver im Stau: Am Fahrverhalten mancher Menschen, die Montagmorgen zwischen 6.30 und 7.30 Uhr bei Wattenheim und Hettenleidelheim unterwegs sind, ist klar erkennbar, dass sie von dem Protest der Bauern nicht viel halten. Ein Pirmasenser sagt das auch ganz deutlich: „Tut mir leid, aber ich hab dafür überhaupt kein Verständnis.“ Dann ist die Seitenscheibe wieder zu. Ein junger Mann in einem VW-Golf sieht die gesperrte Autobahnauffahrt gen Mannheim und rast kurzerhand auf die Ausfahrt zu, um über diese entgegen der Fahrtrichtung auf die Schnellstraße zu gelangen. Eine Polizistin, die ihn beherzt daran hindert, meint hinterher zu ihrem Kollegen: „Ich dachte, der fährt mich um.“

Freiwillige unterstützen mit Verpflegung und Zuspruch

Den wütenden Berufspendlern stehen aber viele Unterstützer gegenüber. „Es ist in Ordnung, dass die Landwirte demonstrieren“, sagt zum Beispiel Hans-Friedrich Reith aus Wattenheim. Er sorgt für Verpflegung, hat 70 Bockwürstchen dabei und kauft entsprechend Brötchen dazu. „Wir finden es richtig, dass die Bauern auf die Straße gehen und friedlich demonstrieren“, begründet Tanja Hatzenbühler vom gleichnamigen Zimmereibetrieb in Altleiningen, weshalb sie und ihr Mann sich vor Anbruch der Morgendämmerung mit einem Lastwagen daran beteiligen, den Verkehr zu entschleunigen.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Außer durch die Sperrung der Autobahnauffahrten geschieht das dadurch, dass Traktoren, Brummis und auch Autos mit solidarischen Fahrern am Steuer in den beiden Kreiseln ununterbrochen ihre Runden drehen. Es bilden sich lange Autoschlangen, teilweise geht sogar gar nichts mehr.

Über Online-Aufruf zur Organisationsleitung

Die Ebertsheimerin Monja Geissert meint: „Die Landwirte müssen eh schon sehr kämpfen. Wenn die nicht mehr da sind, wer macht uns dann das Mehl, wer produziert die Rüben für das Südzuckerwerk und sichert die Arbeitsplätze dort?“ Als über die Sozialen Medien eine Organisationsleitung für den Protest gesucht wurde, hat sie sich gemeldet. Vor dem Einsatz der rollenden Verkehrshindernisse gibt sie am Treffpunkt auf dem Parkplatz eines Discounters Anweisungen.

Nach der einstündigen Blockade ist Geissert auch dabei, als sich eine Mahnwache auf einer Brücke über die Autobahn formiert. Schnell ist sie komplett mit blinkenden Treckern zugeparkt. Die Bauern ernten jede Menge zustimmendes Gehupe von den Lastern, die die A6 hinunterbrausen. Keine Zustimmung der Polizei gibt es dagegen für das Lagerfeuer, das auf einem privaten Feld in Strohballen entzündet werden sollte. Am eisigen Wind liegt es laut Geissert nicht in erster Linie: „Es wurde versäumt, das Feuer anzumelden.“ So wird der Kaffee an brennenden Rebknorzen getrunken, die sicher in einer großen Metallschale liegen.

Süßes und Salziges für wartende Autofahrer

Ein Lagerfeuer gibt es in Grünstadt nicht, dafür erhellt ein Lichtermeer aus orangenen Drehlampen auf den Dächern der Traktoren, den roten Bremslichtern der stehenden Autos und dem Blaulicht der Polizei den Kreisel an der Ausfahrt auf die A6. Viele Protestierende sind ausgestiegen, andere in den Fahrerkabinen der rund 60 Traktoren geblieben, die gekommen sind, um die Auffahrt auf die A6 zwischen 6.30 und 7.30 Uhr zu sperren.

Eine kleine Gruppe nutzt den Verkehrsstillstand, um den festsitzenden Autofahrern mit Brezeln und Schokoriegeln die Wartezeit zu verkürzen. „Besonders in Grünstadt kam es zu Verkehrsbehinderungen“, sagt ein Polizeisprecher später mit Blick auf die Lage in Umkreis. Insgesamt hätten die Beamten jedoch mit mehr Verkehrschaos gerechnet.

Ihr Positionen teilten die Bauern auf Plakaten mit.
Ihr Positionen teilten die Bauern auf Plakaten mit.
Ein Teil der Traktoren fuhr weiter nach Ludwigshafen.
Ein Teil der Traktoren fuhr weiter nach Ludwigshafen.
Mahnwache der Bauern auf einer Autobahnbrücke.
Mahnwache der Bauern auf einer Autobahnbrücke.
Nur ein Feuerchen wird gestattet.
Nur ein Feuerchen wird gestattet.
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Die Autofahrer quittieren die Blockade dennoch nur vereinzelt mit Hupen. Denn trotz Wartezeiten von mehr als einer Stunde gibt es unter ihnen viele Unterstützer. „Ich habe mich schon gestern darauf eingestellt und bin extra früher losgefahren“, sagt ein Autofahrer, der bereits seit 40 Minuten in der Kirchheimer Straße steht. Dass er nicht einmal bis zum Kreisel durchkam, habe ihn dann aber doch überrascht. Auch eine Krankenschwester, die in der gleichen Schlange auf die Weiterfahrt wartet, kann die Bauern gut verstehen. Die Verzögerungen im Berufsverkehr seien trotzdem „ärgerlich“.

Inhaltlich stehe er „voll und ganz“ hinter den Landwirten, betont ein Angestellter, der seinen Kollegen gerade mitgeteilt hat, dass er wohl umkehren und von zu Hause aus arbeiten werde. „Ich finde aber, das ist der falsche Weg. Die schaden ja jetzt der Allgemeinheit und nicht den Politikern, die eigentlich verantwortlich sind“, kritisiert er die Protestform der Landwirte.

Landwirte machen ihrem Ärger auf Plakaten Luft

Weniger lautstark, dafür aber meinungsstark sind die Demonstrierenden selbst. Gespräche werden am Montagmorgen fast ausschließlich untereinander geführt. An ihrer Position lassen sie dennoch keinen Zweifel: Auf Plakaten teilen sie ihre Abneigung gegen die geplante Streichung der Agrardiesel-Subventionen unmissverständlich mit. Dabei steht nicht nur die Agrarpolitik der Bundesregierung in der Kritik: „Hier geht es um mehr als nur einen Bauernprotest. Hier geht es um die Ampel und was die Politik mit dem Volk macht“, erklärt ein Demonstrant und betont, wie wichtig es ihm trotz seines Ärgers sei, dass alles friedlich ablaufe.

Auch der Versammlungsleiter für Grünstadt, Markus Hinterbichler, distanziert sich von gewalttätiger Unterwanderung der Bauernproteste. Es gehe ihm und seinen Mitstreitern um einen friedlichen und demokratischen Protest. Das scheint zumindest für Grünstadt gelungen zu sein: „Es gab keine Ausschreitungen und es lief auch so ab, wie es bei den Vorgesprächen geplant war“, sagt ein Sprecher der Polizei am Ende.

Eine positive Bilanz wird auch an der IGS Grünstadt gezogen. Dort sei man von mehr Verspätungen ausgegangen, erklärt Organisationsleiterin Eleni Thimiani. „Wir hatten schon im Vorfeld Kollegen über die möglichen Blockaden informiert und darum gebeten, dass sie sich rechtzeitig auf den Weg machen und Alternativwege nutzen.“ Dass Schüler und Lehrer im Verkehr steckenbleiben, sei auch am Leininger-Gymnasium nicht eingetreten. „Wir sind ganz normal in den ersten Tag nach den Weihnachtsferien gestartet“, berichtet Schulleiterin Kerstin Hanisch.

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