Eisenberg
Berufswahlmesse 2024: Was Job-Anbieter an Schülern kritisieren
Ansturm auf die berufliche Zukunft: Bei der Eisenberger Berufswahlmesse 2024 werben Betriebe und Verwaltungen um neue Auszubildende. So treffen 25 ehrgeizige Aussteller aus der Region auf den heiß begehrten Nachwuchs: An den beiden Tagen strömen 20 Schulklassen durch die Türen, bestens vorbereitet mit Checklisten. Im Dialog mit den Ausstellern sollen die Jugendlichen eine Antwort auf die für sie derzeit wohl wichtigste Frage bekommen: „Was will ich mal werden?“
Neue Azubis bei Gienanth
Um ihre Gunst kämpfen hier zum Beispiel Industrieunternehmen. Für Karolina Schneider von den Eisenberger Walther-Werken ist die Messe die Chance schlechthin, um ihre Firma jungen Leuten zu präsentieren. Aber sie warnt: Gute Noten allein reichen nicht. Entscheidend sei bei einem Bewerber der Charakter: Er muss ins Team passen, erklärt sie mit einem entschlossenen Lächeln. Auch beim zuletzt gebeutelten Traditionsunternehmen Gienanth geht’s weiter. „In den letzten Wochen konnten wir für dieses Jahr noch vier neue Auszubildende gewinnen“, berichtet Ausbildungsleiter Karlheinz Holtzhäuser.
Fünf weitere Lehrlinge wird der Ausbildungsverbund Leiningerland nach Eisenberg schicken. Ausbilder Udo Klein vom Dyckerhoff-Werk in Göllheim berichtet derweil, dass in diesem Jahr acht neue Auszubildende eingestellt werden. In den Corona-Jahren hingegen habe es teils nicht einmal eine einzige Bewerbung gegeben. In eine ganz andere Berufswelt weist hingegen der Stand der Tanzwelt Movement. Hier wird für die Ausbildung zum Tanzlehrer geworben. Aber auch die Polizeiinspektion Kirchheimbolanden zieht mit ihrem Auftritt viele Blicke auf sich.
Eine Oberkommissarin findet schnell einen Draht zu den Jugendlichen – auch zu einem mit Migrationshintergrund, bei dem die Sprache noch eine Hürde ist. Die Polizistin sagt: „Natürlich hat er diesmal keine Chance.“ Aber wenn er dazulernt, könnte sein Traum in zwei oder drei Jahren doch noch wahr werden. Von den Interessenten werden Daten erfasst, in den nächsten Wochen werden sie dann zu einem dreitägigen Praktikum bei der Inspektion Kirchheimbolanden eingeladen.
Leitfaden der Verbandsgemeinde
Bei der Messe sind auch Berufe der Pflege und Betreuung vertreten. Und die Verbandsgemeinde Eisenberg. Sie tritt mit einem eigens entwickelten Leitfaden für künftige Auszubildende an, der mit der Hilfe der jetzigen erarbeitet worden ist. So wird über die unterschiedlichen Aufgaben in der Verwaltung informiert und verraten, wo der Nachwuchs schon bald wichtige Funktionen übernehmen darf.
Die Riege der potenziellen Arbeitgeber trifft so an zwei Tagen auf rund 20 Schulklassen der Region, vor allem in den Vormittagsstunden herrscht reges Treiben. Das Vorgehen der Schüler dabei ist unterschiedlich: Während einige zielstrebig und mit Begeisterung Informationen erfragen, lassen sich andere gerade so treiben. Und manche haben ohnehin schon sehr klare Vorstellungen: Jan Osterheld beispielsweise ist fasziniert von den Karrierechancen beim Zoll.
Familientradition fortsetzen
Dabei wird ihm direkt der Wind aus den Segeln genommen: Praktikumsmöglichkeiten? Leider nein! Aber davon lässt sich dieser ehrgeizige junge Mann nicht abhalten. Bewerben, versichert er, wird er sich trotzdem. Auch Florian Pahl weiß schon, wo er hin will: Sobald er das Halbjahreszeugnis in der Tasche hat, will er sich bei Südzucker in Offstein bewerben. Dort arbeiten auch sein Vater und ein Cousin. Und Fynn Seyb will ebenfalls eine Familientradition fortführen: Er plant seine Ausbildung in einem anderen landwirtschaftlichen Betrieb – aber mit Viehhaltung.
Für Christopher Krill, der die Messe für die VG Eisenberg organisierte, sind die beiden Tage am Ende ein voller Erfolg. Auf dieser Plattform konnte viel Wissen über die Berufe vermittelt werden, und in seiner Wahrnehmung wurden viele Kontakte geknüpft für mögliche Praktikumsstellen in den nächsten Monaten. Dies sei oft ein entscheidender Schritt für die richtige Berufswahl. Allerdings machen viele der Aussteller eine Beobachtung, die sie mit Sorge erfüllt: Sie klagen über eine erschreckende Ahnungslosigkeit der Jugendlichen.
„Viele wissen gar nicht, was hinter den Berufsbezeichnungen steckt oder was Unternehmen eigentlich tun“, erzählt ein Firmenvertreter.