Eisenberg
Walther-Werke feiern 125-jähriges Bestehen
Die Geschichte der Walther-Werke ist eine Erfolgsgeschichte. Aber eine, die gar nicht in Eisenberg beginnt. Die Wurzeln der Unternehmens-Gruppe, die heute 500 Mitarbeiter beschäftigt (375 in Eisenberg), liegen nämlich in Grimma bei Leipzig. Dort gründete Ferdinand Walther 1897 den Betrieb. Die Keimzelle. Damals ging es aber noch nicht um Verteilersysteme, sondern um Türschlösser und Kunstschmiedearbeiten. Alles in Handarbeit hergestellt. Walthers erster Amboss war damals noch ein Stück Eisenbahnschiene. Kaum vorstellbar, wenn man heute die Walther-Werke durchstreift – überall Hightech.
Es blieb auch nicht lange bei Türschlössern und Kunstschmiedearbeiten. Walther baute nicht nur recht schnell seinen Kundenstamm, sondern auch sein Produkt-Portfolio und seine Mitarbeiter-Anzahl aus. 1910 war dann ein Jahr, in dem Weichen gestellt wurden: Das Unternehmen begann mit rund 50 Mitarbeitern mit der Herstellung von Schwach- und Starkstromvorrichtungen. In den folgenden 20 Jahren wuchsen die Walther-Werke, die auch vermehrt Kunden aus dem Ausland gewannen, rasant. 1930 zählten sie schon 1300 Mitarbeiter und mehr als 6000 Produkte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen die Produktionsstätten der Walther-Werke von Grimma nach Bad Reichenhall (Oberbayern) um. „Der Neuaufbau begann unter erschwerten Bedingungen in einem ehemaligen Tanzlokal. Nur ein Bruchteil des Maschinenparks konnte mit umgezogen werden und so begann man in vielen Bereichen wieder von vorne. Viele zuvor angebotenen Artikel konnten mangels entsprechender Gerätschaften nicht mehr produziert werden“, heißt es auf der Webseite der Firma dazu.
Anfang der 1960er Jahre übernahm Hans Kalthoff Senior, der bereits als Vertreter der Walther-Werke unterwegs war, das Ruder bei dem Unternehmen. In seine Wirkungszeit fiel einer der größten Erfolge der Walther-Werke: 1966 reichten diese erfolgreich einen internationalen Normierungsvorschlag für die Norm CEE17 ein und brachten anschließend die ersten CEE-Steckvorrichtungen weltweit auf den Markt. Die Norm, heute IEC 60309, findet immer noch weltweit Anwendung, heißt es auf der Webseite der Firma.
Umzug nach Eisenberg
Die neuen CEE-Steckvorrichtungen aus Kunststoff verdrängten schließlich die alten Flachsteckverbinder aus Aluminium vom Markt. Die Konsequenz: eine höhere Nachfrage. Die Walther-Werke brauchten daher mehr Produktionsfläche und siedelten 1970 mit damals über 80 Mitarbeitern an ihren heutigen Stammsitz nach Eisenberg über. Gleichzeitig arbeitete das Unternehmen weiter an seiner Internationalisierung: 1970 wurde eine Vertriebsniederlassung in Österreich gegründet, 1980 eine weitere in England und 1990 jeweils eine in Frankreich und den USA. Im Jahr 2000 übernahm man die Firma Bosecker mit ihren Stromverteilern und Trafostationen.
Ein Meilenstein der jüngeren Firmenhistorie: die Markteinführung der neuen CEE-Steckvorrichtungen Neo One-Touch im Jahr 2019. Für diese gab’s kurz darauf auch den Innovationspreis des Landes Rheinland-Pfalz.
Die Zahlen, die die Walther-Werke in den vergangenen Jahren vorlegen konnten, waren positiv. 60 Millionen Euro Umsatz hat im vergangenen Jahr allein der Standort Eisenberg generiert, ein Plus von 30 Prozent. Das Unternehmen, das übrigens von der Familie Kalthoff in der dritten Generation geführt wird, sieht sich gut für die Zukunft aufgestellt. Derzeit steht Kai Kalthoff an der Spitze des Unternehmens, er folgte auf seinen Vater Hans und Onkel Jürgen Kalthoff. „Wir sind in Branchen unterwegs, in denen starke Nachfrage herrscht. Ob das jetzt der Bausektor ist oder der Bereich E-Mobilität. Wir haben da die richtigen Felder besetzt“, zeigte sich Kalthoff vergangenes Jahr in einem RHEINPFALZ-Interview überzeugt. Die Zahlen geben ihm recht.
Buntes Programm geplant
Davon sollen sich nun auch die Besucher am Tag der offenen Tür überzeugen können. Diese erwarte ein Programm, das über den Tag verteilt verschiedene Aktionen für Erwachsene und Kinder anbietet, kündigt Sabrina Schulz aus der Marketingabteilung des Unternehmens an. So können interessierte Besucher beispielsweise bei einer Führung durch das Werk Einblicke in die Produktion und Fertigung erhalten. „Ein besonderes Highlight: die vollautomatisierte Fertigungslinie zur Herstellung der CEE-Steckvorrichtungen Neo“, schreibt Schulz. Außerdem informiere das Unternehmen über sein Ausbildungsangebot sowie über Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten.
Ein Schwerpunkt wird an diesem Samstag das Thema Elektromobilität sein. Bei den Walther-Werken ist es seit dem Jahr 2008 auf dem Tapet, man entwickelt Ladelösungen, ist Mitglied in allen relevanten Normungsgremien. „Als Hersteller von Ladelösungen gehört das Thema zu den zentralen Kompetenzen. Das Unternehmen selbst verfügt über einen eigenen Ladepark mit 20 Ladepunkten, an denen die Mitarbeiter ihre E-Autos kostenlos laden können“, so Schulz. Das Autohaus Schläfer aus Grünstadt biete am Tag der offenen Tür auch Probefahrten mit seinen E-Autos an.
Für den Abend ist dann eine Jubiläumsparty geplant. Die Urban Club Band aus Frankfurt will ab 19 Uhr für die passende Stimmung und Partylaune sorgen. Danach legt ein DJ auf. Und klar: Auch Essen und Trinken werden an dem Samstag angeboten werden, so Schulz.
Termin
Die Walther-Werke laden am Samstag, 17. September, an ihren Hauptstandort in der Ramsener Straße 6 in Eisenberg zu einem Tag der offenen Tür ein. Los geht es ab 15 Uhr.