Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Glocken in der Zwinglikirche: Jubiläumsfest in Niederauerbach

Die größte der drei 75 Jahre alten Glocken in der Zwinglikirche bringt 1064 Kilo auf die Waage.
Die größte der drei 75 Jahre alten Glocken in der Zwinglikirche bringt 1064 Kilo auf die Waage.

Am Sonntag, 7. Juni, wird das Jubiläum „75 Jahre Glocken in der Zwinglikirche Niederauerbach“ mit einem Festgottesdienst ab 9.30 Uhr in dem Gotteshaus im Stadtteil gefeiert.

Unter dem Motto „75 Jahre Friedensglocken“ hält Pfarrer Matthias Strickler am Sonntag ab 9.30 Uhr in der Zwinglikirche einen Festgottesdienst für den Frieden. Im Anschluss folgt ein gemütliches Beisammensein. Während des Gottesdienstes hält Lothar Klein einen kurzen Vortrag über die Geschichte und Hintergründe der drei Glocken, die seit nunmehr 75 Jahren im Turm der Niederauerbacher Zwinglikirche läuten. Lothar Klein, der sich seit Jahren stark für die Niederauerbacher Kirchenglocken interessiert, hat der RHEINPFALZ freundlicherweise viele Daten und Fakten zur Verfügung gestellt, auf die sich dieser Artikel stützt.

„Wer in der Liebe bleibt“

Durch eine Holztür auf der Südseite der Zwinglikirche gelangt man in den Kirchturm und über Treppen und Leitern in die Glockenstube mit ihren Schallöffnungen nach allen vier Seiten. Dort hängen die beiden kleinen Glocken nebeneinander; darüber hängt die große Glocke. Diese hat einen Durchmesser von 1,3 Metern und wiegt 1063 Kilogramm. Ihre Inschrift lautet: „Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das ewige Leben.“ Die mittlere Glocke mit 1,05 Metern Durchmesser wiegt 478 Kilo. An ihrem oberen Rand steht: „Wer auf den Herrn hofft, den wird seine Güte umfangen.“ Die kleinste Glocke mit einem Gewicht von 425 Kilo hat nicht ganz einen Meter Durchmesser. Unter der Haube steht zu lesen: „Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott.“ Am unteren Rand aller drei Glocken steht „Kirchengemeinde Niederauerbach“.

In der evangelischen Zwinglikirche in Niederauerbach wurde das erste neue Geläut in Zweibrücken nach dem Zweiten Weltkrieg insta
In der evangelischen Zwinglikirche in Niederauerbach wurde das erste neue Geläut in Zweibrücken nach dem Zweiten Weltkrieg installiert.

Darüber befinden sich das kreisförmige Emblem des 1854 gegründeten Bochumer Vereins für Gussstahlfabrikation, der die Glocken hergestellt hat, und die Jahreszahl 1951. Die Uhren am Kirchturm der Zwinglikirche werden inzwischen mit elektrischen Antrieben gesteuert, die man in der Glockenstube sehen kann.

Kirchenschiff von Sundahl geplant

Bis zu ihrer ersten Erwähnung 1434 – damals noch unter dem Namen St. Cyriacus – reicht die Geschichte der protestantischen Kirche in Niederauerbach zurück. Aus alter Zeit geblieben ist der massive sechsgeschossige Kirchturm aus dem 13. Jahrhundert. Das Kirchenschiff in seiner heutigen Form wurde ab 1755 nach Plänen des schwedischen Baumeisters Jonas Erikson Sundahl errichtet. 1693 besaß die Kirche zwei Glocken. Ist der Verbleib der einen heute unbekannt, wurde die zweite anno 1917 zu Kriegszwecken beschlagnahmt. 1936 wurde ein neuer Glockenstuhl aus Stahl mit Bronzeglocken errichtet. Im Frühjahr 1942 mussten die beiden damals vorhandenen großen Glocken ebenfalls dem Krieg weichen. Die kleinere dritte blieb im Turm.

Nach Kriegsende sammelte Pfarrer Adolf Fiedler im März 1949 Spenden für ein neues Geläut. Dieses Geld und der Verkauf der kleinen Bronzeglocke trugen zur Finanzierung bei. Am 3. Dezember 1950 beschloss das Presbyterium die Anschaffung dreier neuer Stahlglocken. Diese hätten zu Pfingsten 1951 erstmals läuten sollen, doch ein Fehlguss beim Hersteller in Bochum verhinderte die rechtzeitige Lieferung. Letztlich besorgte die Niederauerbacher Spedition Riedinger unentgeltlich den Transport der Stahlgussglocken.

Festrede unter freiem Himmel

Dieses erste Geläut nach dem Zweiten Weltkrieg in Zweibrücken wurde mit besonders großen Feierlichkeiten gewürdigt. Am Sonntag, 27. Mai 1951, zog die „Feierliche Glockeneinholung“ in einem Vierergespann, mit Girlanden geschmückt, mit den neuen Glocken vom Anwesen Glan durch Niederauerbach zum Festplatz vor der Kirche. Für den Festzug waren die Straßen und Häuser mit bunten Girlanden, grünen Zweigen und Fahnen geschmückt. Mit dabei waren die Reitergruppe Niederauerbach vom Reitverein Zweibrücken, die Radfahrerjugend Niederauerbach, die Schuljugend mit Brezeln, Vertreter der Lehrerschaft, der Volkschor, die Theatergruppe, der Touristenverein der Naturfreunde, der Mädchenbibelkreis, die Niederauerbacher Musikkapelle, der Sport- und Turnverein, viele Ehrengäste und das Presbyterium. Die Festrede unter freiem Himmel hielt Pfarrer Adolf Fiedler zur Musik der Niederauerbacher Musikkapelle, des Volkschors und der Kantorei Zweibrücken.

Rasche Abfolge von Festlichkeiten

In der folgenden Woche wurden die verbliebene Glocke abgenommen und das neue Geläut installiert. Dazu musste Maurermeister Georg Gries die Tür im Turm erweitern, denn die neue große Glocke hatte einen Durchmesser von 1,32 Metern. Um das Geläut auf den 20 Meter hohen Kirchturm zu bringen, errichtete Zimmermeister Sattler im Turm ein Gerüst. Die kleine alte Bronzeglocke hätte nach Stambach kommen sollen, wurde jedoch im August 1951 verkauft und eingeschmolzen.

Am 3. Juni 1951 wurden die Glocken geweiht; Dekan Oberlinger predigte. In diesen Tagen wurde besonders viel gefeiert, denn die Gemeinde Auerbacher Vorstadt feierte ihr 50-jähriges Bestehen, die Vereinigte Turnerschaft ihr 65-jähriges und der Volkschor das 85-jährige Bestehen.

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