Frankenthal
„Wie auf dem Hockenheimring“: Wird die Wormser Straße zur Rennstrecke?
„Was wollen Sie wissen? Ob auf der Straße gerast wird? Ist das Ihr Ernst?“, sagt der grauhaarige Mann mit der Einkaufstüte in der Hand. „Das weiß man doch, das ist wie auf dem Hockenheimring.“
Es ist Mittwochabend, gegen 20 Uhr, an der Kreuzung Wormser Straße/Peter-Rosegger-Straße in Frankenthal. Der Mann ist zu Fuß unterwegs, er kommt gerade vom Einkaufen und steht jetzt an der Ampel. Seinen Namen will der Anwohner der RHEINPFALZ nicht verraten. Denn: „Das ist egal. Sie können hier jeden fragen. Die sagen alle denselben Brei: Abends und nachts ist auf der Straße was los, ich sag’s Ihnen. Nicht in der Innenstadt, aber bei uns.“
Wormser Straße: Polizei stoppt 19-Jährigen
Es geht um die Wormser Straße, insbesondere um den nördlichen Abschnitt. Ein Fall aus dieser Woche hat Anwohner aufhorchen lassen: Am späten Dienstagabend stoppte eine Zivilstreife der Polizei einen 19-Jährigen aus Ludwigshafen. Dem Mann wird vorgeworfen, ein illegales Autorennen gefahren zu sein. Laut Polizei ließ er am Einkaufszentrum in der Wormser Straße mehrmals den Motor seines 5er BMW aufheulen und raste dann in Richtung Innenstadt. Der 19-Jährige war nach Angaben der Beamten deutlich schneller unterwegs als erlaubt.
Wie schnell genau? Auf Nachfrage der RHEINPFALZ kann die Polizei die Geschwindigkeit nicht nennen, da sie nicht gemessen worden sei. Die erhöhte Geschwindigkeit sei jedoch festgestellt worden, als die Zivilstreife dem Auto folgte. „Das war der Grund der Kontrolle“, teilt ein Sprecher der Polizei mit.
Mehr zur Wormser Straße
Wormser Straße: Zivile Streife stoppt 19-jährigen Ludwigshafener nach illegalem Autorennen
„Bild der Verwüstung“: War es ein Rennen oder nur ein Unfall?
Geschwindigkeitskontrollen: Wo in Frankenthal künftig geblitzt wird
„Bild der Verwüstung“ nach Unfall
Im vergangenen Jahr gab es einen schweren Unfall, der in der Wormser Straße ein „Bild der Verwüstung“ hinterließ, wie sich vor Kurzem ein Polizist vor Gericht erinnerte: In der Nacht auf den 2. November war ein damals 18-Jähriger in seinem 5er BMW mit 100 Kilometern pro Stunde in Richtung Nordring unterwegs gewesen, bevor das Auto dann mit Verkehrsschildern und einem großen Werbemast zusammenstieß.
Die Schilder wurden dabei aus ihrer Verankerung gerissen und der Motorblock aus dem Wagen geschleudert. Der Werbemast war so stark beschädigt, dass er später abgerissen werden musste. Der Fahrer blieb unverletzt.
Gericht: Indizien sind nicht ausreichend
Auch dem mittlerweile 19-Jährigen wurde vorgeworfen, sich in der Wormser Straße ein illegales Rennen geliefert zu haben. Als ihm deshalb im Mai der Prozess vor dem Amtsgericht Frankenthal gemacht wurde, sprach die Richterin den Angeklagten frei: Auch wenn vieles für ein verbotenes Rennen spreche, seien die Indizien nicht ausreichend.
Mehr aus Frankenthal
Public Viewing: Diese Locations zeigen die Spiele der Fußball-WM
„Noch nie ein Strohhutfest verpasst“: Maja Gruber ist Miss Strohhut 2026/27
Cafeteria in Stadtklinik: Das sind die Aussichten für den Wochenendbetrieb
Soziale Medien: Beschwerden über „Rennstrecke“
Der Mann von der Ampel, der die Wormser Straße mit dem Hockenheimring vergleicht, ist mit seiner Einschätzung nicht allein. In den sozialen Medien bezeichnen Frankenthaler die Straße häufig als Rennstrecke und lassen ihrem Unmut freien Lauf.
Bei den Beschwerden geht es dann nicht um die Zeiten, in denen der Berufsverkehr durch die Straße rollt und sich die Autos eher gegenseitig ausbremsen, sondern um die Stunden, in denen auf der für Frankenthal so wichtigen Verkehrsachse weniger Autos fahren – am späten Abend, nachts und am frühen Morgen.
Wo sind die neuralgischen Punkte?
Die Wormser Straße ist lang. Als Problemstellen werden der Bereich auf Höhe von Kaufland und McDonald’s sowie der Bereich auf Höhe des Möbelhauses Ehrmann genannt. Dabei geht es um Lärm durch aufheulende Motoren, Fahrer, die viel zu viel Gas geben und sich illegale Autorennen liefern: Das sind die Klagen, die im Internet nachzulesen sind.
Gleichwohl gilt aber auch, dass es noch etliche weitere Straßen gibt, die von den Frankenthalern in den sozialen Medien mit dem Etikett „Rennstrecke“ versehen werden, allen voran der Europaring sowie der Nordring.
Wormser Straße: Das sagt die Polizei
Die Polizei ordnet den Sachverhalt auf Anfrage grundsätzlich so ein: „Die Wormser Straße ist ein Hauptverkehrsstrang mit entsprechender Fahrzeugbelastung, was natürlich auch immer mal wieder zu Beschwerden von Anwohnern führt“, erklärt ein Sprecher. Diese würden – wie alle Beschwerden, die auf der Wache eingehen – ernst genommen und durch die Polizei überprüft.
„Dass die Wormser Straße hierbei ein Schwerpunkt für Geschwindigkeitsübertretungen wäre, ergab sich bislang nicht“, fügt der Sprecher hinzu. Wie im übrigen Dienstgebiet würden auch in der Wormser Straße immer wieder Kontrollen durchgeführt, auch durch zivile Streifen.
Kontrollen: An drei Stellen soll geblitzt werden
Künftig soll in der Wormser Straße auch verstärkt geblitzt werden. In Abstimmung mit der Polizei hat die Stadt dazu drei Standorte festgelegt. Das sind der Bereich auf Höhe von McDonald’s, die Stelle vor der Albert-Schweitzer-Schule und die verkehrsberuhigte Zone in der südlichen Wormser Straße. Wann genau die Kontrollen beginnen, ist noch offen. Voraussichtlich passiert das aber in den nächsten Monaten.
Der Rhein-Pfalz-Kreis wird die Geschwindigkeitsüberwachung übernehmen. Das Ganze ist Teil einer Zweckvereinbarung für das gesamte Frankenthaler Stadtgebiet, der der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt hat. Geplant ist, dass an rund 70 Stellen in der Stadt und den Vororten die Geschwindigkeit gemessen wird.
Wegen zahlreicher Beschwerden baute die Stadt vor rund zwei Jahren im verkehrsberuhigten Bereich Temposchwellen ein. Seitdem, so heißt es aus dem Rathaus, seien die Beschwerden bezüglich der Situation in der Wormser Straße deutlich zurückgegangen. Vereinzelt gebe es aber noch welche.