Frankenthal
Tom-Mutters-Schule soll in Tagesklinik am Metznerpark ausweichen
Große Rochade am Metznerpark: Sobald die Tagesklinik für Psychiatriepatienten im Frühjahr in den Neubau der Stadtklinik am Stadtrand umzieht, sollen die dann verwaisten Räume in mehrere Klassenzimmer umgebaut werden. Einen entsprechenden Vorschlag wird Schuldezernent Bernd Leidig (SPD) am Dienstag, 3. März, dem Schulträgerausschuss machen. Damit ist auch klar, dass das zentral gelegene Grundstück in städtischer Hand bleibt und nicht veräußert wird. Der Erlös sollte ursprünglich in die Finanzierung des nagelneuen Stadtklinik-Anbaus einfließen, der am Montag im Beisein von Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) offiziell eingeweiht werden soll.
Die Kosten für die nahtlose Umwidmung der Tagesklinik schätzt die Verwaltung auf rund 1,9 Millionen Euro. Dafür soll auf zwei Etagen Raum für bis zu sieben Klassen plus Funktionsräume geschaffen werden. Mit dieser Zwischenlösung will die Stadtverwaltung sich und der mittlerweile auf drei Adressen verteilten Tom-Mutters-Förderschule Luft verschaffen, bis langfristig ein zentraler Standort für sie gefunden ist. Diese geplante modulare Ausweichschule ist nach Angaben der Stadt allerdings nicht identisch mit dem langfristig geplanten Campus „Am Speyerbach“. Dort sollen in einem Neubau langfristig eine Realschule plus, Förderschulen sowie ein Sportplatz gebündelt werden.
Barrierefreier Zugang
„Gerade in finanziell herausfordernden Zeiten ist es unsere Verantwortung, tragfähige und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu entwickeln“, erklärte Schuldezernent Leidig zu dem Masterplan. „Wir lassen die Schulgemeinschaft mit der aktuellen Raumsituation nicht allein“, bekräftigte Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) im Vorfeld der Debatte im Ausschuss. Die Stadt strebe nicht nur eine schnelle, sondern auch eine durchdachte und tragfähige Lösung an.
Der Gebäudetrakt am Metznerpark komme den Bedürfnissen der Schule in vielen Belangen entgegen. Es ist vor allem barrierefrei zugänglich, eine essenzielle Voraussetzung für eine Förderschule mit dem Schwerpunkt ganzheitliche Entwicklung. Im Dezember hatte der Fall einer Familie aus Bobenheim-Roxheim für Unverständnis gesorgt, die ihren auf einen Rollstuhl angewiesenen Sohn über eine Außentreppe an einem Außenstandort ins Klassenzimmer hieven musste. Der Junge hat mittlerweile einen adäquateren Platz in Oggersheim bekommen.
Neben Mensakapazitäten und nutzbaren Außenflächen sehen die Umbaupläne bis zu sieben Klassenzimmer vor. Damit könnten die derzeit ausgelagerten Klassen im Internat des Pfalzinstituts und im benachbarten Congressforum an einer Zweitadresse konzentriert werden. Die PiH-Internatsräume sind bereits für zwei Klassen aus der Neumayer-Sprachförderschule vorgemerkt, die ihrerseits der Stadt eine „erhebliche Raumnot“ signalisiert hat.
Containerlösung käme teurer
Den neuen Schulstandort umzugestalten ist nach Berechnungen der Verwaltung deutlich günstiger als die Anschaffung von Containern, was mit knapp 3,1 Millionen Euro veranschlagt wird. Schulleitung und Schulelternbeirat tragen diese Variante nach einer Besichtigung der Tagesklinik mit. Eine räumliche Einheit erleichtere nicht nur die Organisation des Schulalltags erheblich, sondern stärke auch die pädagogische Arbeit, erklärten beide nach einem Ortstermin Ende Januar.
Die Tom-Mutters-Schule zählt im laufenden Schuljahr elf Klassen, in denen 88 Schüler unterrichtet werden. Nach den Sommerferien werden 98 in 13 Klassen erwartet. Dass die umgestalteten Räume bereits dann schon genutzt werden können, wird als unrealistisch eingeschätzt. Die ausgelagerten Klassen sollen aber noch „im laufenden Schuljahr“ zusammengeführt werden.
Provisorium für mehrere Jahre
Nach Beendigung der für bis zu fünf Jahre avisierten Interimslösung am Metznerpark soll der zweigeschossige Flachbau mit einer Haupt- und einer für Funktionsräume vorgesehenen Nebenspange zurückgebaut werden – so wie es zunächst vorgesehen war. Langfristig soll das Areal wieder vollständig in die öffentlich zugänglichen Grünflächen des Metznerparks integriert werden. „Wir denken also nicht nur an die kurzfristige Entlastung einer Schule, sondern auch an die langfristige Nutzung des Geländes im Sinne der Gemeinschaft“, erklärte Leidig.
Die Entscheidung, an dem Grundstück festzuhalten, bedeutet im Umkehrschluss, dass es nicht herangezogen werden soll, um den rund 50 Millionen Euro teuren Klinikanbau mitzufinanzieren. Abzüglich der zugesagten und erwarteten Förderung bleiben rund zwölf Millionen Euro bei der Stadt hängen. Die Investitionen für den neuen Tom-Mutters-Schulstandort sollen durch Umschichtungen im gerade genehmigten Doppelhaushalt freigeschaufelt werden. Wie in den Bereichen Gebäude und Grundstücke sowie Bildung, Kultur und Sport neu priorisiert werden soll, wird nach Angaben der Stadt gerade geprüft.

