Frankenthal
Stadtklinik: Was der Anbau die Stadt kosten dürfte
Man kann es auch positiv wenden: Dass der Anbau der Stadtklinik die Stadt und die Klinik nach aktueller Planung nur eine Million Euro mehr kosten wird als beim Baustart vor drei Jahren veranschlagt, ist für Pflegedirektor Oliver Hannappel angesichts der allgemeinen Kostensteigerungen und unvorhersehbaren Hürden auf dem Weg zu solch einem Großprojekt „ein stolzes Ergebnis“. Über den Baufortschritt und die Kostenentwicklung der Erweiterung, die ab Ende des Jahres die Psychiatrie, Gynäkologie und Geriatrie in nagelneuen Räumen und lichtem Ambiente beherbergen soll, informierte Projektsteuerer Taher Abid am Mittwochabend den städtischen Krankenhausausschuss.
Nach seiner vorläufigen Schätzung könnten die Gesamtkosten etwas unter der zuletzt kalkulierten Marke von rund 53,5 Millionen Euro liegen. Von den nach Abspeckungen neu veranschlagten 49,5 Millionen habe das Land bereits 30,1 Millionen als Fördergelder freigegeben, Anträge über weitere 6,7 Millionen seien anerkannt. Damit bliebe ein Eigenanteil von zwölf Millionen, den für das zum Stadtkonzern zählende Haus in der Elsa-Brändström-Straße zum weit überwiegenden Teil die Stadt übernimmt. Auf diese Referenzsumme bezieht sich Hannappel in seiner Zwischenbilanz – und verweist auf die exorbitanten Preisentwicklungen im Bausektor infolge des Kriegs in der Ukraine und allgemein steigende Energiepreise. Der frühere Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) war vor zwei Jahren noch davon ausgegangen, dass die kommunale Finanzierungsbeteiligung „absolut steigen wird“.
Eröffnung wohl noch vor Weihnachten
Wann genau der dreistöckige Anbau seinen Betrieb aufnehmen wird, darauf wollte sich Hebichs Nachfolger Nicolas Meyer (FWG) im Ausschuss nicht festlegen. Ein offizieller Eröffnungstermin im September konnte wegen Verzögerungen bei der Innenausstattung nicht gehalten werden. Auch deshalb werde er sich hüten, ein präzises Datum zu nennen. Dass das rote Band aber noch in diesem Jahr durchschnitten wird, gilt als wahrscheinlich. Im obersten Stock, wo Mütter entbinden können, sind die Bauarbeiten schon weit fortgeschritten, wie sich RHEINPFALZ-Leser bei einer exklusiven Besichtigung in den Sommerferien überzeugen konnten. In den Einzel- und Doppelbettzimmern sind schon Wandelemente in einem hellen Grün gestrichen, die Türen haben eine warme Holzoptik, Schränke sind in Wandnischen eingelassen.
In der psychiatrischen Abteilung geht auch die frühere Tagesklinik am Metznerpark mit 20 Plätzen auf. In einem landesweiten Pilotprojekt soll die Station um sechs Einzelzimmer wachsen, reserviert für Mütter mit Kindern. Damit soll deren Bindung während der Therapie nicht geschwächt werden. Der Bereich ist insgesamt ähnlich offen gestaltet wie die aufgesetzte Gynäkologie.
Zur Sache: Weitere Baustellen
Die Station, auf der bei einem Brand kurz vor Weihnachten 2023 zwei Frauen gestorben sind, kann aus Brandschutzgründen definitiv nicht mehr für die Betreuung von Patienten genutzt werden, informierte Meyer den Ausschuss. Stattdessen sollen dort Funktionsräume eingerichtet werden, etwa für die Reinigung von Dialyse-Gerätschaften. Nach der Sanierung des Haupthauses, die auf die Inbetriebnahme des Anbaus folgen soll, werde dort auch die ursprüngliche Patientenstation ihren Platz finden.
Das erste Halbjahr hat die Stadtklinik in der Gewinn- und Verlustrechnung mit rund 200.000 Euro weniger abgeschlossen als geplant. Begründet wurde dies im Ausschuss mit weniger Erträgen aus der stationären Behandlung. Das betrifft den somatischen Bereich, also physische Behandlungen, ebenso wie den psychiatrischen Zweig. „Gleichzeitig gehen die Aufwendungen nicht im gleichen Maße zurück, sodass sie die ausbleibenden Erträge nicht kompensieren können“, erläuterten die Finanzcontroller.
