Frankenthal
Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit verliert Kooperator: Léonard Katchekpele wird verabschiedet
Mit Bedauern und Wehmut haben viele Gemeindemitglieder auf die für sie ziemlich überraschende Nachricht reagiert. Knapp viereinhalb Jahre lang hat der promovierte Geistliche als Kooperator in der Pfarrei gewirkt. „Für mich war es eine schöne Zeit, in der ich viele gute Erfahrungen sammeln durfte“, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Allerdings bedeuteten die personellen Wechsel im Pastoralteam für ihn auch eine große Herausforderung. „Ich habe in vier Jahren drei Chefs erlebt“, beschreibt er die nicht gerade stabile Situation der Pfarrei, die mit rund 13.000 Katholiken noch immer die zweitgrößte in der Diözese Speyer ist.
Kaum hatte Katchekpele im September 2021 seinen Dienst in Frankenthal angetreten, wurde die Stelle des Leitenden Pfarrers vakant, nachdem Stefan Mühl überraschend nach Schifferstadt gewechselt war. Klaus Meister – inzwischen im Ruhestand – übernahm das Amt des Administrators. Die Bistumsleitung wollte dann in einem Pilotprojekt eine neue Führungsstruktur unter Einbeziehung Ehrenamtlicher durchsetzen, scheiterte aber nach kontrovers geführten Diskussionen am Veto des Pfarreirates. Die Lage entspannte sich erst, als Andreas Rubel im April 2023 zum Leitenden Pfarrer ernannt wurde.
Für Firmlinge verantwortlich
Léonard Katchekpele, der sich stets nur mit seinem leichter über die Lippen gehenden Vornamen vorstellt, lässt keinen Zweifel daran, dass er sich in Frankenthal wohlgefühlt und mit dem Seelsorgeteam kollegial zusammengearbeitet habe. Dennoch sah der 43-Jährige die Zeit gekommen, sich zu verändern und die Umzugskisten zu packen. Auf seinen vom Bischof bestimmten künftigen Einsatzort hat er allerdings keinen Einfluss genommen. „Ich nehme es, wie es kommt“, sagt er.
In der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit war Katchekpele in erster Linie für die Firmvorbereitung verantwortlich. Die Kontakte mit den Katecheten und Firmlingen hat er sehr geschätzt. Die Pfadfinder von St. Jakobus, denen aktuell Leitungskräfte fehlen, begleitete er als Kurator auf Zeltlagern. Nicht zu vergessen die Messdiener, die ihm regelrecht ans Herz gewachsen sind und die er sehr vermissen wird. Seinen Vorgesetzten ist der Geistliche dankbar, dass er für vier Monate freigestellt wurde, um sich an der Universität in Chicago mit theologischen Studien zu befassen.
Nachtrauern werden die Frankenthaler Katholiken dem fröhlichen Naturell und dem herzhaften Lachen ihres scheidenden Kooperators, der seine Gottesdienste stets damit begann, der Gemeinde einen „Guten Morgen“ zu wünschen. In ausgesprochen heiterer Atmosphäre feierte er 2024 sein 15-jähriges Priesterjubiläum, zu dem auch Familienmitglieder aus seiner afrikanischen Heimat anreisten.
2009 zum Priester geweiht
Léonard Katchekpele stammt aus einem kleinen Dorf in Togo und ist mit sechs Geschwistern aufgewachsen. Seiner Tante hat er es zu verdanken, dass er katholisch getauft wurde. Relativ spät entschied er sich, Priester zu werden. 2009 wurde er im Bistum Atakpamé geweiht. Dann zog es ihn nach Europa, wo er an der Universität Metz studierte und gleichzeitig in der Gemeindeseelsorge tätig war. Er promovierte 2015 in katholischer Moraltheologie und setzte sich in seiner Doktorarbeit mit den politischen Herausforderungen der Kirche in Afrika auseinander.
In Frankreich war der junge Priester mit einer Fülle von Aufgaben betraut: als Vikar, Richter am Diözesangericht, Referent für Jugendseelsorge und Dozent am Priesterseminar. Dazu kamen Vorlesungen als Gastprofessor an der katholischen Universität Westafrikas in Abidjan (Elfenbeinküste). Die Partnerschaft zwischen den Universitäten Metz und Kaiserslautern ebnete ihm schließlich den Weg in die Pfalz Er bekam eine auf ein Jahr befristete Stelle in der Pfarrei Heiliger Johannes XXIII. in Lambrecht und wechselte 2021 nach Frankenthal. Nun wartet auf ihn die Kooperatorstelle in der Pfarrei Heiliger Franz von Assisi in Rockenhausen. Wer die in Frankenthal entstehende Lücke schließen wird, ist derzeit noch offen.