Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Essen für alle – Wunsch und Wirklichkeit

Das gemeinsame Essen in der Kita ist im Idealfall mehr als nur Nahrungsaufnahme. Bis der Rechtsanspruch für alle darauf erfüllt
Das gemeinsame Essen in der Kita ist im Idealfall mehr als nur Nahrungsaufnahme. Bis der Rechtsanspruch für alle darauf erfüllt werden kann, dürfte noch viel Zeit vergehen.

Das neue Kita-Gesetz der Bundesregierung verspricht Eltern neben dem grundsätzlichen Anspruch auf eine Betreuung für Kinder ab zwei Jahren längere Öffnungszeiten – und ein warmes Mittagessen für alle. Praktiker erklären, warum die Idee zwar gut, die Umsetzung aber schwierig ist.

Jugendamtsleiter Jan Kardaus bringt die Misere recht trocken auf den Punkt. Das im Sommer verabschiedete Kita-Gesetz sei sehr sinnvoll, weil es darauf ziele, das Angebot besser an den Bedarf der Familien anzupassen. „Aber es fehlen eben die Voraussetzungen dafür.“ Was er damit meint, lässt sich ganz gut an dem warmen Mittagessen zeigen, auf das jedes Kita-Kind qua Gesetz einen Anspruch hätte. Immerhin: Der Bund hat den Städten bis Sommer 2026 eine Übergangsfrist eingeräumt, dieses Versprechen einzulösen. Diese Zeit wird man in Frankenthal auch dringend brauchen. Von 19 Kindertagesstätten müssen zwölf zunächst umgebaut werden. Gerade in älteren Gebäuden, wie beispielsweise in der Kita Pilgerstraße, fehle nicht allein die notwendige Küche. „Es gibt einen grundsätzlichen Sanierungsbedarf“, sagt der zuständige Beigeordnete Bernd Leidig (SPD) und meint damit unter anderem Toilettenanlagen, Gruppenräume und Brandschutz.

Es müsse geklärt sein, wo die Kinder letztlich essen. In den Gruppenräumen, die nach der Mahlzeit erst einmal geputzt werden müssten, sei das organisatorisch nicht möglich, sagt Andrea Schlossarczyk, Abteilungsleiterin im Familienbüro. Nur in neueren Häusern seien bereits Essensräume eingeplant. Außerdem müsse die gemeinsame Mahlzeit in das pädagogische Konzept eingebunden werden.

Nebenbei Tischmanieren lernen

Anders als in einer Mensa sei das Ziel, wie in einer Familie gemeinsam bei Tisch zu sitzen. Ganz nebenbei könnten die Kleinen dann Tischmanieren, selbstständiges Essen und den Wert eines Gesprächs kennenlernen. Ein Aspekt, der auch den Vätern und Müttern wichtig ist, wie Anna Starzetz, Vorsitzende des Stadtelternausschusses (Stea), weiß. „Allein Essen anzuliefern, das reicht nicht.“ Man habe Verständnis für die baulichen Schwierigkeiten. „Essen, schlafen und spielen in einem Raum: Das ist nicht gut.“ Zugleich würden sich viele ein kulinarisches Angebot wünschen, wie es das bereits für die Ganztagskinder gibt. Das ergab eine Stea-Umfrage kürzlich.

In den vier neuen, großen Kitas, in denen es baulich keine Probleme beim Mittagessen gebe, und in den drei weiteren, wo das Angebot zumindest ohne größeren Umbau möglich erscheint, gibt es laut Verwaltung noch eine andere Hürde: Es fehlt das Personal. „Der Fachkräftemangel spitzt sich zu“, sagt Jugendamtsleiter Kardaus. Immer weniger neue Erzieher müssten ein immer größer werdendes Angebot stemmen.

Aufnahmestopp in fast allen Kitas

Schon jetzt gebe es in fast allen städtischen Kitas einen Aufnahmestopp. Etwa 200 Kinder warten derzeit laut Schlossarczyk auf einen Betreuungsplatz. „Sobald wir jemanden einstellen, nehmen wir wieder auf.“ Bevorzugt werden dabei Vorschulkinder, weil sie die Förderung für den Start besonders brauchen. Deshalb könne es vorkommen, dass beispielsweise Kinder von Familien, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind, früher aufgenommen werden, als Kinder, die schon länger auf einen Betreuungsplatz warten. Das transparent zu erklären sei wichtig, sagt Stea-Vorsitzende Starzetzt. „Sonst wird der Unmut an den Kindern ausgelassen.“

Im Werben um Fachkräfte sieht sich Frankenthal in Konkurrenz mit den Nachbarkommunen. Die Stadt investiere in ihre Kitas und fördere als Arbeitgeber von derzeit 246 Kita-Beschäftigten unterschiedliche pädagogische Konzepte, sagt Leidig. Bei Tarif und Personalschlüssel sei man aber gebunden. „Wichtig sind die weichen Faktoren“, weiß Kardaus. Man achte bei der Neubesetzung von Stellen darauf, wer in welches Team passen könnte, und fördere die Aus- und Weiterbildung. In jeder Einrichtung gebe es einen Platz für Anerkennungspraktikanten, außerdem können sich Quereinsteiger auf acht Stellen in der dualen Ausbildung für den Beruf qualifizieren. Doch dafür brauche es geeignete Ausbilder in den Kitas. „Wir motivieren unsere Kräfte, die Qualifizierung zur Praxisanleitung zu machen“, sagt Kardaus.

Bei all ihren Bemühungen, das im neuen Kita-Gesetz verankerte Recht auf ein Mittagessen für alle umzusetzen, bleibt für die Verantwortlichen am Ende noch eine große Unbekannte: „Es ist völlig offen, wie viele Eltern es tatsächlich in Anspruch nehmen.“

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