Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel IG-Metall-Warnstreik: 1200 Beschäftigte bei zentraler Kundgebung

Vom Maschinenbauer Howden aus zogen die Demonstranten zum Rathausplatz.
Vom Maschinenbauer Howden aus zogen die Demonstranten zum Rathausplatz.

Die Erwartungen auf Arbeitnehmerseite im Tarifstreit der IG Metall sind auch in der Region groß. Rund 1200 Mitarbeiter aus 15 Betrieben waren nach Gewerkschaftsangaben am Montagvormittag dem Aufruf zur zentralen Kundgebung in Frankenthal gefolgt.

„Mehr Geld“: Das ist die erste Antwort, wenn man sich auf dem Rathausplatz umhört, was die Menschen im Nieselregen an diesem Montagmorgen auf die Straße treibt. Die Firma mache guten Umsatz „und wir bekommen nichts davon raus“, kritisieren drei Mitarbeiter des Frankenthaler Maschinenbauers Howden. Die Männer im blauen Arbeitsanzug sind im Bereich Mechanik beschäftigt. Man wünsche sich, „dass die Arbeit mehr geschätzt wird“, sagt einer von ihnen. Dass sich die Gewerkschaft letztlich mit ihrer Kernforderung durchsetzt – sieben Prozent mehr Lohn und ein Plus von 170 Euro bei der Ausbildungsvergütung – , glaubt er allerdings nicht. „Fünf Prozent mehr wären schon was.“

Dass die Gewerkschaft sich nicht abspeisen lassen will, machen die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal, Birgit Mohme, und ihr Stellvertreter Ali Eligül lautstark und unter Beifall auf der Bühne deutlich. Die Tariferhöhung sei überfällig. „Auch wenn sich die Inflation beruhigt hat, bleiben die Preise oben“, schildert Mohme. Gerade in den unteren Lohngruppen und bei den Auszubildenden zähle jeder Cent, ergänzt Eligül. Viele Unternehmen in der Region könnten es sich sehr wohl leisten, den Arbeitnehmern mehr zu zahlen. Die Aussage von Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf, in der Branche könnten in den kommenden fünf Jahren bis zu 300.000 Arbeitsplätze wegfallen, hält die IG Metall für eine leere Drohung. „Als wir genauer nachgeforscht haben, welche Arbeitsplätze das sein sollen, gab es keine Antworten“, sagt Mohme. Sie fordert: „Schluss mit dem Gejammer und dem Stellenabbau. Bekennt Euch zum Standort und investiert.“

Politik und Firmen gefragt

Mit diesen Statements trifft die Arbeitnehmervertretung am Montag ins Schwarze. „Die wirtschaftliche Lage wird auch für uns immer schwieriger“, sagt ein junger Mitarbeiter des Frankenthaler Pumpen- und Armaturenherstellers KSB. Er sieht allerdings auch die Politik in der Pflicht, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken. Die Zwei-Klassen-Gesellschaft in den Betrieben kennt Michael Müller aus Frankenthal aus eigener Erfahrung. Seit drei Jahren ist der 55-jährige Maschinenschlosser nach einem Leasingvertrag beim Chemiekonzern BASF beim Straßenmaschinenbauer Vögele in Ludwigshafen fest angestellt. Auch sein jetziger Arbeitgeber setze neben dem eigenen Personal auf Leasingkräfte, für die andere vertragliche Konditionen gelten. „Saubere Arbeit muss sauber bezahlt werden“: Das gelte aus seiner Sicht für alle Beschäftigten, sagt Müller.

Diesen Schulterschluss sucht auch die Gewerkschaft. Bewusst habe man deshalb zu der zentralen Streikveranstaltung genauso Unternehmen eingeladen, die nicht im Metall- und Elektro-Flächentarif sind, sagt Gewerkschaftssekretärin Marie Grigo und nennt unter anderem den Verpackungsdienstleister Deufol mit Niederlassung in Frankenthal, den Kontraktlogistiker Syncreon in Speyer sowie den Automations- und Digitalisierungsdienstleister Process Automation Solutions aus Ludwigshafen. „Wir wollen enger zusammenrücken“, sagt Grigo.

Ausbildung stärken

Die Unsicherheit, ob man nach der dreieinhalbjährigen Ausbildung übernommen wird, hat Maxim Knaub zur Teilnahme am Warnstreik bewegt. Der 22-Jährige arbeitet als Fluggerätemechaniker beim Luftfahrtzulieferer PFW Aerospace in Speyer. Auch er hofft auf mehr Geld am Ende des Monats. Azubis seien heute im Schnitt älter und hätten damit mehr finanzielle Verpflichtungen, erklärt IG-Metall-Mitglied Niels Zimmer von Borg Warner in seinem Statement. „Die Arbeitgeber verlangen Mobilität, aber ein Auto ist teuer“, verdeutlicht er. Die Ausbildung in Kirchheimbolanden zu halten und auszubauen: Das ist ein Kernanliegen von Borg-Warner-Betriebsrätin Marie-Christin Müller, die gemeinsam mit einer Auszubildenden nach Frankenthal gekommen ist. Der Automobilzulieferer hatte im August angekündigt, am Standort Stellen abzubauen, jedoch auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Mit Blick auf fehlenden Nachwuchs bei Fachkräften unterstreicht Betriebsrätin Müller: „Nur über eine angemessene Bezahlung wird es uns langfristig gelingen, als Arbeitgeber attraktiv zu sein.“

Für gerechtere Löhne machten sich die Beschäftigten am Montag stark.
Für gerechtere Löhne machten sich die Beschäftigten am Montag stark.
Etwa 1200 Teilnehmer zählten die Veranstalter.
Etwa 1200 Teilnehmer zählten die Veranstalter.
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