Meinung
Monnem, uffbasse! Wehe, wenn Ludwigshafen über sich hinauswächst
Ludwigshafen plant groß, größer, City West – wobei „City West“ so sexy klingt wie ein Kellerschrank. Also her mit der neuen Mitte entlang der künftigen Helmut-Kohl-Allee, jener 860-Meter-Pisten-Schönheit, die ab 2032 die Hochstraße Nord ersetzt, ohne die Stadt zu zersägen. Das ist zumindest der Plan, wie diese Woche (mal wieder) betont wurde. Und diesmal ist es nicht nur ein 08/15-Plan, sondern ein Rahmenplan, der jetzt nach Werkstattverfahren, Jury-Nicken und Stadtrats-Ja den roten Teppich für Investoren, Kitas, Radwege und Hochpunkte ausrollt. Bis nach München. Zur Immobilienmesse Expo Real.
Auf 39 Hektar soll ein Quartier entstehen, in dem man quasi alles kann: wohnen, arbeiten, lernen, schwitzen, spielen, zocken, flanieren – und abkühlen. Herzstück: der Friedenspark, im besten Fall der kleine Cousin des großen Central Parks, nur mit Pfälzer Handkäs-Vibe. Die Parkfläche wird mehr als verdoppelt, die Bäume bekommen endlich Raum zum Atmen, und zwischen Rhein und Hauptbahnhof soll keiner mehr das Gefühl haben, durch die Stadt zu müssen – man soll in ihr sein. „Eine Straße in der Stadt, nicht durch die Stadt“, sagt einer, der es wissen muss: ein Professor aus Karlsruhe. Klingt nach Urbanistik in Dauerschleife auf Spotify.
Politisch gibt’s Rückenwind: Oberbürgermeister Klaus Blettner verteilt Aufbruchsstimmung wie Gratisbrezeln auf dem Wochenmarkt. Die neue Hochstraße Süd macht schon mal ein Warm-up, während die Allee später als verbindendes Rückgrat herhalten soll. Hemshof und Innenstadt? Endlich kein „Entweder-oder“ mehr. Die düsteren Zwischenräume? Einfach ausknipsen. Stadtreparatur? Mehr Flickwerk-Deluxe als Pfusch am Bau.
Fünf Teilquartiere bilden das Mosaik: vom Fluss bis zu den Gleisen. Dazwischen: neue Schule hier, Turnhalle dort, Wohnen am Park sowieso, plus Radrouten, die nicht an Bordsteinkanten enden. Der Platz vorm Hauptbahnhof wird aufgehübscht, die Straßenbahn darf endlich wieder ans Tageslicht – wer mag schon U-Bahnhöfe, die nach 1987 riechen?
Erst zuhören, dann zupacken
Natürlich wird’s ernst: Gremien, Offenlagen, Bürgerforen. Erst zuhören, dann zupacken. Der Rahmenplan ist kein Gesetz, aber er hält die Richtung – und die Richtung ist: kurze Wege, sichere Querungen, Sharing-Knoten, E-Ladestationen, Fahrradständer ohne Tetris. Und der Friedenspark als Klimaheld: Lüften, Leben fördern, alles auf Durchzug. Klappt das, könnte Ludwigshafen tatsächlich zur Blaupause für andere angezählte Kommunen werden. Nicht für Mutlosigkeit, sondern für „Warum eigentlich nicht?“.
Bleibt die Frage aller Fragen: Wie soll das Kind am Ende heißen? „City West“ darf in Rente. Hier fünf Vorschläge, die – hoffentlich – mehr können als Verwaltungsgrau:
1) Bimbesviertel (angelehnt an die Helmut-Kohl-Allee)
2) Steinruck-Carree (angelehnt an die Ex-OB)
3) Boulevard-Quartier (angelehnt ans Wunschdenken)
4) Pfälzer Beton-Kiez (angelehnt an die Realität)
5) Rheinschanze: Das Eigentor zur Pfalz (närrisch inspiriert)
Die Bezeichnung Ludwigsquartier ist leider schon vergriffen – hat sich ein Bauherr am Rheinufer Süd geschnappt. Am 27. Juni werden den Bürgern beim Info-Markt in der Rhein-Galerie jedenfalls fünf Alternativen serviert. Egal, welcher Name es am Ende wird: Wenn die Allee verbindet, der Park gedeiht und die Plätze pulsieren, dann ist das hier mehr als ein Bauprojekt. Dann ist es eine Versöhnung – zwischen gestern und morgen, Nord und Süd, zwischen Durchfahrt und Ankunft. Und ja: zwischen Ludwig und Hafen.
Vielleicht wächst dann zusammen, was – vor allem durch Brücken getrennt – längst zusammengehört. Monnem, uffbasse!